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Gewässerökologie

Kritischer Blick auf Angel-Technologien

Mit Hightech beim Angeln: Sogenannte Fishfinder erleichtern das Aufspüren von Fischen. (Bild: FedBul/iStock)

Echolot, Superhaken, Angel-App…: Immer raffiniertere Technologien sorgen für ein besseres Anbeißen beim Freizeitangeln. Welche Konsequenzen hat dies für den Schutz von Fischpopulationen und den Umgang mit dem Hobby? Wie ein internationales Expertenteam nun verdeutlicht, können einige technische Neuerungen den Fangdruck erhöhen und Konflikte verstärken. Darauf sollte die Gewässerbewirtschaftung angemessen reagieren, sagen die Wissenschaftler.

Seit Urzeiten ziehen Menschen Fische mit Stock, Schnur und Haken aus dem Wasser. Was einst nur der Nahrungsgewinnung diente, hat sich bekanntlich zu einer beliebten Freizeitbeschäftigung entwickelt: Viele Menschen genießen die Kombination aus Ruhe, Spannung und Naturerlebnis beim Fischfang mit der Angel. Da Überbelastungen von Fischbeständen vermieden werden müssen, unterliegt das Hobbyangeln gesetzlichen Regelungen. Angler sehen sich meist auch dem Gewässerschutz verpflichtet und bemühen sich um nachhaltige Praktiken bei ihrem Hobby.

Petri Heil mit technischer Unterstützung

Doch das Freizeitangeln ist im Wandel – Hightech hält zunehmend Einzug. Immer raffinierter designte Ruten, Angelschnüre, Haken, Köder und andere Ausrüstungsgegenstände kommen zum Einsatz, um den Fangerfolg zu erhöhen. Zudem nutzen einige Angler mittlerweile Technologien wie Unterwasserkameras, Echolotsysteme und sogar Drohnen, um zu lokalisieren, wo sich das Auswerfen der Angel am meisten lohnt. Auch spezielle Smartphone-Apps unterstützen die Angler bei ihrem Hobby und sorgen für Informationsverbreitung: Sie ermöglichen es, Erfahrungen, Erfolge und gute Fangplätze schnell mit anderen zu teilen.

„Moderne Angler und ihre Elektronik funktionieren wie ein vernetztes System, das mit zunehmender Effizienz Fische aufspüren, anlocken und fangen kann“, sagt Steven Cooke von der kanadischen Carleton University. „Die Innovationen erscheinen aus Sicht der Hobbyangler meist positiv, aber für Fischereibewirtschaftende und andere Entscheidungstragende stellt der rasche technologische Wandel eine Herausforderung dar und es stellen sich Fragen zu den Auswirkungen“, so der Fischereiexperte. Um Licht auf das Thema zu werfen, hat Cooke gemeinsam mit seinem Kollegen Robert Arlinghaus vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und weiteren Experten eine umfassende Literaturstudie zur Vergangenheit und Zukunft von Geräteinnovationen in der Angelfischerei durchgeführt. In die Studie sind auch umfangreiche Praxiserfahrungen eingeflossen, da zu vielen Aspekten noch keine wissenschaftlichen Erkenntnisse vorliegen.

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Chancen und Risiken

Wie die Forscher berichten, zeichnen sich Risiken, aber teilweise auch Chancen durch die Neuerungen in der Angelfischerei ab: „Innovationen in der Fischereitechnologie können Fischen durchaus auch zugutekommen – sie helfen beispielsweise Verletzungen, Stress und die Sterblichkeit zurückgesetzter untermaßiger Fische zu reduzieren oder sorgen dafür, dass nur bestimmte Arten oder Größen am Haken landen und dieser nicht mehr tief verschluckt wird“, sagt Arlinghaus. „Technische Neuerungen können aber auch die gesamte Funktionsweise der Angelfischerei verändern, Konflikte zwischen Anglergruppen und anderen Gewässernutzern schüren, die Ungleichheit in den Fängen der Angler steigern und gegen bewährte moralische Prinzipien verstoßen. Das Ganze hat also zwei Seiten“, so der Fischereiexperte.

Als eine der problematischen Innovationen sehen die Wissenschaftler den Einsatz von raffinierten Techniken zum Aufspüren von Fischen. „Modernes Echolot kann wie ein verlängerter Arm des Anglers fungieren“, sagt Cooke. „Damit können einzelne Fische im Freiwasser exakt lokalisiert und einzelne Großfische gezielt anvisiert werden. Je nach Verbreitung unter den Anglern kann so der Fangdruck gerade auf die seltenen größeren Raubfische steigen.“ Hinzu kommt, dass Dank einer ausgereiften GPS- und Bootstechnologie gute Fangplätze rasch wiedergefunden sowie anderen Anglern mitgeteilt werden können. Im Extremfall könnte es dadurch lokal zur Überfischung kommen, sagen die Wissenschaftler.

Forschungsbedarf zeichnet sich ab

Wie sie betonen, ist aber noch immer wenig untersucht, inwieweit die Fangraten durch den Einsatz von Hightech wirklich steigen. Oft fehlt es auch an Daten, aus denen man objektiv ableiten kann, wie sich die neuen Methoden auswirken. Erste Studien aus den USA zeigen allerdings, dass die modernen Angler heute zumindest deutlich effizienter Fische fangen als noch in den 1960er und 1970er Jahren. Die Recherchen haben somit auch aufgezeigt, dass einiger Forschungsbedarf besteht, um die Bedeutung der Innovationen beim Angeln besser einschätzen zu können.

Die Inforationen könnten dann zu angemessenen Reaktionen führen, sagen die Forscher. In Deutschland liegen die Fischereirechte in Binnengewässern häufig in den Händen von Angelvereinen. Bei auftretenden Konflikten oder bei Sorgen vor Übernutzung regeln sie die Anwendung neuer Techniken oft selbst über die jeweilige Gewässerordnung. Wissenschaftliche Begleitforschung wäre dabei nun hilfreich. „Durch eine systematische Untersuchung der Auswirkungen der modernen Technologien wäre sichergestellt, dass Managementmaßnahmen in Bezug auf neue Technologien in der Freizeitfischerei proaktiv statt reaktiv sind“, sagt Arlinghaus abschließend.

Quelle: Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei, Fachartikel: Reviews in Fish Biology and Fisheries, doi: 10.1007/s11160-021-09643-1

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