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Künstliche Antikörper für Bluter-Kranke

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Bild: Jetti Kuhlemann / pixelio.de
Japanische Forscher haben durch eine neue Therapieform die Bluterkrankheit (Hämophilie) bei Affen erfolgreich behandelt: Sie ersetzten den Blut-Gerinnungsfaktor VIII, der im Körper von Patienten mit Hämophilie Typ A fehlt, durch einen künstlich hergestellten Antikörper. Er konnte die entsprechende Funktion in der Blutgerinnungs-Kaskade übernehmen und damit Blutungen bei Makaken mit experimentell erzeugter Hämophilie stoppen. Die neue Therapieform hat gegenüber den bisherigen große Vorteile, berichten die Forscher um Takehisa Kitazawa von den Fuji-Gotemba Research Laboratories in Shizuoka.

Die Blutgerinnung ist das Resultat einer komplexen Kette von Reaktionen unterschiedlicher Gerinnungsfaktoren. Fehlt ein Glied dieser Kette oder ist es beschädigt, kann das Blut bei Gefäßverletzungen nicht gerinnen und die Blutung stoppen. Gewebeschäden oder lebensbedrohliche Blutverluste können die Folge sein. Bei der häufigsten Form der Bluterkrankheit (Hämophilie A) ist ein erblich bedingter Mangel des Gerinnungsfaktors VIII die Ursache für die Gerinnungsstörung. Seine Aufgabe ist, die Faktoren IXa und X miteinander zu verbinden. Der resultierende Komplex hat wiederum eine weitere zentrale Funktion in der Blutgerinnungs-Kaskade.

Bisher haben Ärzte die Betroffenen meist dadurch behandelt, dass sie den Faktor VIII künstlich durch regelmäßige Injektionen ersetzten. Doch etwa 30 Prozent der Patienten entwickeln im Laufe der Behandlung immunologische Abwehrreaktionen auf den künstlich hergestellten Faktor VIII, sodass er wirkungslos wird. Außerdem verbraucht sich der Vorrat an Faktor VIII im Körper sehr schnell, und so müssen die Patienten die unangenehmen Injektionen sehr häufig ertragen.

Den Forschern um Kitazawa ist es nun gelungen, die Funktion von Faktor VIII durch einen Antikörper zu ersetzen, der die Probleme der bisherigen Therapie löst. Der auf biotechnologischem Wege entwickelte Antikörper namens hBS23 besitzt ähnlich wie Faktor VIII Bindestellen für IXa und X. Er kann die beiden Faktoren dadurch zu einem Komplex verbinden, der dann seine weitere Funktion in der Gerinnungs-Kaskade erfüllt. Das belegten die Untersuchungen an den Affen. Die Tiere waren durch bestimmte Behandlungsmaßnahmen in einen Zustand versetzt worden, der einer Hämophilie A entspricht. Die Behandlung mit dem Antikörper hBS23 stellte die Fähigkeit zur Blutgerinnung wieder her, und es kam zu keinen weitere Komplikationen, berichten Kitazawa und seine Kollegen.

Die Eigenschaften dieses künstlichen Antikörpers machen immunologische Reaktionen des Patienten äußerst unwahrscheinlich, sagen die Forscher. Seine Halbwertszeit im Körper beträgt zwei Wochen, zeigten die Untersuchungen. Die Hälfte von injiziertem Faktor VIII ist dagegen schon nach etwa 12 Stunden abgebaut. Außerdem kann der Körper hBS23 vergleichsweise leicht aufnehmen. Deshalb kann er unter die Haut gespritzt und muss nicht wie VIII intravenös verabreicht werden.

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Die Forscher wollen das Behandlungskonzept noch weiter optimieren, bevor die ersten Tests am Menschen beginnen. Sie sind aber sehr optimistisch: Eines Tages soll eine nachhaltige Medikamentengabe unter die Haut, ohne die Gefahr von Unverträglichkeitsreaktionen, die Lebensqualität von Patienten mit Hämophilie A erheblich verbessern, erklären Takehisa Kitazawa und seine Kollegen.

Takehisa Kitazawa (Fuji-Gotemba Research Laboratories, Shizuoka) et al.: Nature Medicine, doi:10.1038/nm.2942 © wissenschaft.de ? Martin Vieweg
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