Kurios: Demokratisches Niesen bei Wildhunden - wissenschaft.de
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Kurios: Demokratisches Niesen bei Wildhunden

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Die Jagd war erfolgreich! (Foto: Megan Claase)
„Sollen wir zur Jagd aufbrechen?“ Über diese Frage wird in den Rudeln der afrikanischen Wildhunde abgestimmt, haben Verhaltensforscher festgestellt. In der Hundedemokratie bedeutet demnach ein charakteristischer Nies-Laut: „Ich bin dafür“. Sind bei einem Rudeltreffen genügend dieser „Ja-Nieser“ zu hören, beginnt die Gemeinschaft die Savanne zu durchstreifen.

Das intensiv gescheckte Fell ist ihr Markenzeichen und hat den Afrikanischen Wildhunden ihren wissenschaftlichen Namen eingebracht: Lycaon pictus, was soviel bedeutet, wie bunter Hund. Doch die charismatischen Räuber der afrikanischen Savannen unterscheiden sich deutlich von Wolf beziehungsweise Hund: Neben anatomischen Besonderheiten zeichnet sie vor allem ein spezielles Sozialverhalten aus. Während es bei Wölfen oft recht ruppig im Rudel zugeht, gehen die meist etwa zehn Tiere der Wildhund-Rudel sehr friedlich miteinander um und die Rangordnung ist deutlich weniger ausgeprägt. Es handelt sich um eine Männergesellschaft mit Dame: Das Rudel umfasst ein zentrales Pärchen, das den Nachwuchs hervorbringt. Die jungen Weibchen verlasen dann stets das Rudel.

Sollen wir aufbrechen?

Wie die Forscher um Neil Jordan von der University of New South Wales in Sydney berichten, umfasst das Sozialverhalten der Wildhunde auch ein auffälliges Begrüßungszeremoniell nach Ruhephasen. Oft brechen sie danach zu einer Jagd auf – manchmal aber auch nicht. „Ich wollte dieses kollektive Verhalten besser verstehen und bemerkte, dass die Hunde dabei auffällige Nies-Laute von sich geben“, sagt Jordan. So kam der Verdacht auf, dass es sich dabei um ein Kommunikationselement im Sozialverhalten der Tiere handeln könnte. Dieser Spur sind die Forscher durch Auswertungen von Videoaufnahmen von 68 dieser charakteristischen Zeremonien bei fünf Rudeln in den Savannen Botswanas nachgegangen.

Wie sich deutlich abzeichnete dient das Niesen tatsächlich nicht etwa nur der Reinigung der feinen Nase der Tiere: „Je mehr Nieser zu hören waren, desto wahrscheinlicher war es, dass das Rudel zur Jagd aufbrach. Das Niesen wirkt demnach wie eine Art von Wahlsystem“, sagt Jordan. In anderen Situationen setzen sie den Laut hingegen nicht in einer charakteristischen Weise ein, geht aus den Beobachtungen hervor. „Das Niesen fungiert als eine Art Quorum – eine für Beschlüsse in einem Gremium notwendige Anzahl von Stimmen der anwesenden Mitglieder“, resümiert Co-Autor Andrew King von der Swansea University (UK).

Abstimmungssystem mit Topplastigkeit

Wie die Forscher feststellten, gibt es allerdings noch einen auffälligen Aspekt im Abstimmungssystem der Wildhunde: „Nicht alle Tiere haben das gleiche Stimmgewicht“, so King. Den Beobachtungen zufolge hängt der Ausgang der Abstimmung auch davon ab, wer das Quorum zum Aufbruch initiiert hat: Wenn das jeweils dominierende Männchen oder Weibchen des Rudels das Zeremoniell begonnen hat, waren deutlich weniger Nieser im Rudel nötig, damit sich die Mannschaft auf den Weg zur Jagd machte. „Wenn jedoch das dominierende Paar nicht engagiert war, waren mehr Nieser nötig – etwa zehn – bevor das Rudel aufbrach“, sagt C-Autorin Reena Walker von der Brown University in Providence USA.

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Leider ist fraglich, wie lange das demokratische Niesen der Wildhunde noch in den Savannen Afrikas ertönen wird, denn sie sind stark bedroht. Schätzungen zufolge gibt es nur noch etwa 3000 bis 5500 Tiere, die in stak fragmentierten Verbreitungsgebieten in Afrika leben. Es bleibt zu hoffen, dass Schutzmaßnahmen diese charismatische Tierart vor dem Aussterben bewahren können.

Originalarbeit der Forscher:

© wissenschaft.de – Martin Vieweg
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