Kurios: Explodierende „Kamikaze-Ameisen“ - wissenschaft.de
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Kurios: Explodierende „Kamikaze-Ameisen“

Video: Eine Arbeiterin von Colobopsis explodens (klein) sprengt sich in Gegenwart einer feindlichen Ameise  (groß) und klammert sich an ihr fest. (Video credits: Aexey Kopchinskiy, TU Vienna)

Buchstäblich scharfe Krabbler: Forscher präsentieren eine neue Art der bizarren „explodierenden Ameisen“ Südostasiens. Wenn es sein muss, sprengen sie ihren eigenen Körper, um dadurch Feinde zu verjagen oder sogar zu töten. Die Arbeiterinnen der Art mit dem bezeichnenden Namen Colobopsis explodens opfern sich auf diese Weise selbst für das Wohl ihrer Kolonie, berichten die Biologen.

Durch die tropischen Regenwälder Südostasiens krabbeln so einige skurrile Wesen – zweifellos gehören zu ihnen auch die Vertreter der explodierenden Ameisen. Obwohl diese Baumbewohner und ihr skurriles Verteidigungsverhalten schon lange bekannt sind, haben sie erstaunlicherweise bisher kaum Beachtung gefunden: Einige der etwa 15 Arten innerhalb der Verwandtschaftsgruppe sind noch unbeschrieben und Details ihres faszinierenden Verteidigungssystems sind noch unbekannt. Dies will ein internationales Forscherteam um Irina Druzhinina von der Technischen Universität Wien ändern: Seit 2014 widmen die Biologen den scharfen Krabblern ein Untersuchungsprojekt.

Wandelnde Sprengkörper

Nun präsentieren sie erstmals eine der bisher unbeschrieben Arten: Colobopsis explodens. Es handelt sich den Forschern zufolge um eine besonders „hochexplosive“ Art. Sie soll zukünftig auch bei weiteren Untersuchungen als Modell für die Gruppe der explodierenden Ameisen dienen. In ihrer aktuellen Studie beschreiben die Biologen nun das skurrile Verteidigungsverhalten und die Kasten innerhalb der Ameisenvölker von Colobopsis explodens.

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Bei den wandelnden Sprengkörpern der Kolonie handelt es sich demnach um die sogenannten Minor-Arbeiterinnen. Wenn sie von Raubinsekten oder feindlich gesinnten Ameisen bedroht werden, können sie ihren Körper aktiv zum Platzen bringen, wobei sie sich selbst töten. Dies führt zur Ausschüttung eines gelben klebrigen Sekrets, das in speziellen Drüsen produziert wird. Die Ameisen tragen deshalb auch den Spitznamen „Yellow Goo“ – „Gelber Schleim“. Der giftige Kampfstoff kann Feinde verjagen oder sogar töten, berichten die Forscher. Bevor sich eine Arbeiterin allerdings selbst opfert, zeigt sie den Gegnern ein typisches Drohverhalten, haben die Forscher beobachtet: Mit aufgerichtetem Hinterleib vermittelt sie offenbar die Botschaft: Hau ab – oder es kracht!

Eiene „Türsteher-Arbeiterin“ von C. explodens mit vergrößertem Kopf (Foto: Heinz Wiesbauer)

Türsteher mit dicken Köpfen

Wie die Forscher berichten, sind bei Colobopsis explodens interessanterweise nur die kleinen Arbeiterinnen mit dem selbstmörderischen Detonations-Mechanismus ausgerüstet, nicht aber die eigentlichen Soldaten der Kolonie. Diese sogenannten Major-Arbeiterinnen besitzen hingegen eine andere skurril wirkende Besonderheit: Ihre Köpfe sind vergrößert und sehen dadurch aus wie Kanonenrohre. Diese Strukturen dienen dazu, die Eingänge der Nester mechanisch zu blockieren, erklären die Biologen. Wenn die explosiven Arbeiterinnen Feinde also nicht schon „in die Luft gejagt“ haben, hindern sie diese „Türsteher“ am Eindringen in das Nest.

Den Forschern zufolge bilden die Beobachtungen an der neuen Art nun eine wichtige Basis für weitere Studien an anderen Vertretern der explodierenden Ameisen. Vermutlich werden sie demnach noch einige weitere Skurrilitäten aus dem Leben dieser geheimnisvollen Insekten aufdecken.

Quellen: Naturhistorisches Museum Wien, Zookeys doi:10.3897/zookeys.751.22661

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