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Kurios: Fledermäuse rufen „Meins!“

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Credit: Jessica Nelson, Auditory Neuroethology Laboratory, University of Maryland
Gewandt flattern sie durch finsterste Nacht und schnappen sich Insekten aus der Luft: Fledermäuse sind für ihre raffinierte Echolot-Navigation berühmt. Doch die geheimnisvollen Tiere produzieren nicht nur Schreie zur Ortung von Objekten in ihrer Umgebung, sie kommunizieren auch mit ihren Artgenossen. US-Forscher haben nun eine kurios wirkende Botschaft eines bestimmten Rufs identifiziert: Hau ab, das ist meine Beute! Männchen der Großen Braunen Fledermaus erheben damit Anspruch auf ein anvisiertes Insekt und vertreiben Rivalen.

Den Forschern um Genevieve Spanjer Wright von der University of Maryland war bei der Untersuchung von Ultraschallauten der Großen Braunen Fledermaus (Eptesicus fuscus) aufgefallen, dass sie bei gemeinsamer Jagd Schrei erzeugen, die sich von normalen Echoortungs-Rufen unterscheiden. Der Ruf besteht aus drei bis vier Tönen, die länger und tiefer sind als die typischen Impulse, die die Tiere zur Echoortung nutzen. So entschieden sich die Forscher, diesem Ruf genauer auf den Grund zu gehen. Sie erfassten dazu systematisch das Flugverhalten und die Laute von einzelnen beziehungsweise von Paaren von Fledermäusen, denen sie Mehlwürmer als Köder anboten.

De Auswertungen zeigten: Den ungewöhnlichen Ruf gaben die Tiere nur von sich, wenn sie zu zweit waren. Diejenige Fledermaus, die am heftigsten rief, schnappte sich meist die Beute. Wenn der jeweilige Rivale die Rufe hörte, bewegte er sich von dem Erzeuger weg und auch von dem Mehlwurm, zeigten die Analysen der Flugwege. So folgerten die Forscher: Es muss sich um einen Ruf handeln, der Anspruch auf die Beute erhebt. Eine Art „meins, meins, meins!“, das offenbar Wirkung hat.

Nur Männchen tun es

Die Forscher stellten allerdings eine interessante Besonderheit bei dem Verhalten fest: Nur männliche Tiere geben die Schreie von sich, weibliche hingegen nicht. Warum es diesen geschlechtsspezifischen Unterschied gibt, bleibt Spekulation. Den Forschern zufolge könnte aber ein Grund sein, dass Weibchen häufig gemeinsam mit ihren Verwandten jagen und Konkurrenzverhalten deshalb keine so große Rolle spielt. Männchen leben hingegen oft in Junggesellenkolonien, bei denen die einzelnen Tiere selten eng miteinander verwandt sind.

Die Große Braune Fledermaus ist in Nord-, Zentral- und Südamerika weit verbreitet.
„Trotz jahrzehntelanger Studien bleiben viele Verhaltensweise dieser nächtlichen Gesellen noch geheimnisvoll“, sagt Wright. „Nun haben wir immerhin die Bedeutung einer ihrer Schreie aufgedeckt, der in den Sommernächten unzählige Male in Nordamerika erschallt“. Er bedeutet also offenbar: Hau ab, das ist meine Beute!

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Originalarbeit der Forscher:

© wissenschaft.de – Martin Vieweg
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