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Kuriose Hormonwirkung

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Die Erinnerung an die Mutter ist in der Regel mit starken Emotionen verbunden. Bild: Gerd Altmann / pixelio.de
Das als „Kuschelhormon“ bekannte Oxytocin verstärkt bei Männern gefühlsbetonte Erinnerungen an die mütterliche Zuwendung in der Kindheit. Das hat ein US-amerikanisches Forscherteam herausgefunden. Männer, die die Fürsorglichkeit ihrer Mutter in ihrer Kindheit positiv in Erinnerung haben, schätzen diese Behandlung demnach noch mehr, wenn sie erhöhte Werte von Oxytocin im Blut haben. Dagegen bewirkt ein erhöhter Oxytocinspiegel bei Männern, die sich mit ängstlichen Gedanken an die Betreuung durch ihrer Mutter erinnern, dass sie die Kindheit als noch unangenehmer empfinden. Das Fazit der Forscher zu diesem Ergebnis lautet: Das Hormon verstärkt bereits bestehende Emotionen. Damit sei Vorsicht geboten, wenn Oxytocin dafür eingesetzt wird, die Angst vor sozialen Kontakten zu mindern, wie einige frühere Studien vorschlagen. Über ihre Ergebnisse schreiben die Wissenschaftler um Jennifer Bartz von der Mount Sinai School of Medicine in New York.

Kleinkinder entwickeln starke emotionale Bindungen zu ihren Bezugspersonen. Das sichert ihnen die Fürsorge der Eltern und damit auch das eigene Überleben. Trotzdem ist bisher wenig über die Biologie der Entstehung solcher zwischenmenschlichen Beziehungen bekannt. Forscher vermuteten allerdings schon seit einiger Zeit, dass dabei das Hormon Oxytocin seine Finger im Spiel hat: Das Neuropeptid fördert nicht nur die Wehen und den Milchfluss, sondern es ist beispielsweise auch involviert, wenn Menschen sich verlieben. Darüber hinaus sorgt es für eine starke emotionale Bindung der Mutter zu ihrem Kind – zumindest bei Tieren. Für ähnlichen Wirkungen beim Menschen fehlten allerdings bisher die Beweise.

Die Forscher wollten nun in ihrer Studie herausfinden, ob Oxytocin bei der emotionalen Bindung an die Mutter eine Rolle spielt. Dazu prüften sie, ob das Hormon die Erinnerung an die mütterliche Fürsorge und Verbundenheit beeinflusst: Das Forscherteam hatte insgesamt 31 gesunde Männer zwischen 19 und 45 Jahren dazu befragt, wie sie die Fürsorge ihrer Mutter in ihrer Kindheit einschätzen. Danach bekamen sie entweder Oxytocin oder aber ein Placebo, ein Präparat ohne Wirkstoff, als Nasenspray verabreicht. 90 Minuten später fragten die Forscher die Studienteilnehmer erneut nach ihrer Erinnerung an die mütterliche Fürsorge. Drei bis fünf Wochen nach diesem Versuch wiederholten die Wissenschaftler dieses Experiment, diesmal tauschten sie die Gruppen: Die Männer, die zuvor das Hormon durch die Nase gezogen hatten, bekamen jetzt das Placebo eingeflößt. Und diejenigen, denen beim ersten Mal das Placebo gegeben wurde, nahmen Oxytocin.

Die Ergebnisse zeigten dann schließlich den verstärkenden Einfluss des Oxytocins bei der Bewertung der mütterlichen Fürsorge in der Kindheit. Das Placebo hatte in beiden Gruppen dagegen keinerlei Wirkung: Die Erinnerungen der Männer änderte sich nicht, nachdem sie das wirkstofffreie Präparat genommen hatten. Die Studie zeige den Forschern zufolge damit deutlich, dass Oxytocin bereits bestehende emotionale Empfindungen verstärkt. Welche Wirkungen des Hormons dabei konkret zu diesem Effekt führen, wollen die Forscher nun zukünftig genauer untersuchen.

Obwohl oft angenommen wird, dass Oxytocin bei bestimmten psychischen Erkrankungen die Ängste vor sozialen Kontakten reduzieren könne, warnen die Wissenschaftler jetzt davor, das Hormon als Allzweck-Heilmittel zu sehen.

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Jennifer Bartz (Mount Sinai School of Medicine in New York) et al.: PNAS, 10.1073/pnas.1012669107 dapd/wissenschaft.de ? Peggy Freede
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