Kuriose Sänger - wissenschaft.de
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Kuriose Sänger

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Dassie (Cape Hyrax) photgraphed on Table Mountain, Cape Town in November 2004 by Andreas Tusche. The photo was taken on the rocks near the upper cable car station.
Was hat das Quietschen und Grunzen eines Klippschliefermännchens mit dem Gesang der Nachtigall gemeinsam? ? Nicht viel scheint es, und doch: Israelischen Forschern zufolge produzieren die kuriosen Mini-Verwandten der Elefanten Klangfolgen mit einem komplexen Aufbau, ähnlich wie Singvögel. Darüber hinaus scheinen die sozial lebenden Tiere die Lieder voneinander zu lernen, denn die Männchen unterschiedlicher Klippschliefergemeinschaften haben ihre eigenen Tonfolgen, zeigen die Untersuchungen der Forscher um Arik Kershenbaum von der Universität Haifa.

Der Klippschliefer ( Procavia capensis) ist eine ausgesprochene seltsame Tierart, die schon lange das Interesse der Wissenschaft weckt. Die kaninchengroßen Säugetiere sehen zwar aus wie eine Kreuzung aus einem Meerschweinchen und einem Murmeltier, sind aber keineswegs Nagetiere: Anatomische Merkmale und genetische Untersuchungen konnten belegen, dass die nächsten noch existierenden Verwandten der Klippschliefer die Elefanten sind. Seit dem gemeinsamen Vorfahren hat die Entwicklungsgeschichte dieser beiden Tierarten allerdings völlig unterschiedliche Wege eingeschlagen: Im Gegensatz zu ihren massigen Vettern springen die kleinen Klippschliefer flink durch felsige Lebensräume in weiten Teilen Afrikas und des nahen Ostens.

Das spezielle Interesse von Arik Kershenbaum und seinen Kollegen galt allerdings nicht dem kuriosen Stammbaum der Klippschliefer, sondern dem komplexen Lautsystem, mit dem die Tiere einer Gruppe miteinander kommunizieren. Neben dem alltäglichen ?Geplauder? produzieren die männlichen Tiere gelegentlich minutenlange Lautfolgen, um sich Gehör zu verschaffen. Diesem Gesang haben Arik Kershenbaum und seine Kollegen nun gezielt gelauscht und seine Struktur analysiert. Sie sammelten dazu Soundbeispiele bei verschiedenen Klippschliefersippen in unterschiedlichen Teilen Israels.

Quietschen, Grunzen und Jaulen mit System

Die computergestützte Auswertung der Aufnahmen zeigte, dass es sich bei den Tonfolgen durchaus nicht um zufällig aneinandergereihte Sequenzen von Lauten handelt. Sie bilden vielmehr Strophen und folgen einer geordneten Struktur, berichten die Forscher. Von Singvögeln ist ein derart komplexes System bereits allgemein bekannt. Auf eine solche Weise singende Säugetiere sind dagegen selten beziehungsweise noch kaum erforscht. Frühere Studien hatten jedoch bereits gezeigt, dass Primaten, Mäuse und vor allem Wale zu derart komplexen Klangfolgen in der Lage sind. Nun reiht sich der Klippschliefer in die singende Gemeinde ein.

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Der Vergleich der ?Gesänge? von Tieren aus unterschiedlichen Regionen Israels ergab darüber hinaus ein weiteres erstaunliches Ergebnis: Die Lautfolgen der Männchen der gleichen Region ähnelten sich stark, die von weiter entfernt lebenden unterscheiden sich dagegen in ihrem Aufbau ? es gibt also regionale Dialekte, sagen die Forscher. Offenbar
lernen die Tiere die Art zu singen also durch Zuhören, folgern Kershenbaum und seine Kollegen.

Arik Kershenbaum (Universität Haifa) et al.: Proc. R. Soc. B, doi:10.1098/rspb.2012.0322 © wissenschaft.de ? Martin Vieweg
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