Kuriose Tierwelt: Sex kann tödlich sein - wissenschaft.de
Anzeige
Anzeige

Umwelt+Natur

Kuriose Tierwelt: Sex kann tödlich sein

euprymna_mating_mnorman.jpg
Zwergtintenfische bei der Paarung Foto: Mark Norman
Die Paarung ist eine anstrengende Angelegenheit ? vor allem, wenn man ein Tintenfisch ist: Drei Stunden lang dauert der Akt, und danach sind die Kopffüßer so erschöpft, dass sie eine halbe Stunde brauchen, um wieder in Form zu kommen. In der Natur kann so etwas fatale Folgen haben.

Euprymna tasmanica aus der Familie der Zwergtintenfische lebt in den Gewässern südlich von Australien und wird etwa sechs bis sieben Zentimeter groß. 47 Exemplaren wurde nun die Ehre zuteil, an einer Studie australischer Wissenschaftler teilzunehmen: Die Forscher von der University of Melbourne fingen sie in der freien Natur ein, um ihr Paarungsverhalten genauer beobachten zu können. In artgerecht eingerichteten Tanks durften sich die Tiere erst einmal an ihre neue Umgebung gewöhnen, bis sie nach über zwei Wochen erstmals mit einem Angehörigen des anderen Geschlechts zusammengesetzt wurden.

Um die Tiere bei ihrer Vereinigung nicht zu stören, beobachteten die Forscher das Geschehen von einem Versteck hinter einem Vorhang aus. Sobald der Akt vollbracht war, setzten sie die Tintenfische in einen Strömungstank, um deren Schwimmgeschwindigkeit und das Durchhaltevermögen zu messen. Ergebnis: Die Kopffüßer konnten nach der Paarung nur mit der Hälfte ihrer sonstigen Geschwindigkeit gegen den Strom anschwimmen. Sowohl Männchen als auch Weibchen brauchten etwa eine halbe Stunde, um wieder zu ihrer normalen Leistungsfähigkeit zurückzukehren.

Bei den Männchen erklären das die Wissenschaftler damit, dass die Tintenfische ihre Partnerin fixieren, sprich festhalten, was viel Energie kostet. Gleichzeitig wechseln sie häufig die Farbe, sprühen Tinte ins Wasser und pumpen Wasser in den Mantel des Weibchens ? das schlaucht. Die Forscher gehen davon aus, dass dieses Level an Aktivität mit aerobem, also sauerstoffabhängigem Stoffwechsel allein nicht zu halten ist. Die Kopffüßer greifen deshalb auf einen anaeroben Metabolismus zurück, was zu einer Ermüdung der Muskeln führt. Den gleichen Effekt gibt es auch bei den Weibchen, hier ist der Wechsel von aerober zu anaerober Energieversorgung allerdings mit der äußerst innigen Umarmung durch das Männchen zu erklären: Aufgrund der Fixierung durch den Partner erreicht nicht genug sauerstoffreiches Wasser die Kiemen des Weibchens, und gleichzeitig wird die Verteilung des Sauerstoffs im Körper beeinträchtigt.

Für die Kopffüßer, die nur etwa ein Jahr lang leben, ist eine halbe Stunde extrem viel. Auf die Lebenszeit des Menschen übertragen wären das mehr als anderthalb Tage ? eine lange Zeit, in der die Tiere erschöpft sind und Fressfeinden oder anderen Gefahren nur schwer entgehen können. Gleichzeitig müssen sie auch die eigene Futtersuche verzichten. Fazit der Forscher: Die Kosten der Paarung sind ? vor allem, wenn diese wie bei den Zwergtintenfischen häufig vollzogen wird ? enorm. Als nächstes wollen sie daher untersuchen, wie viel Energie die Vermehrung tatsächlich kostet.

Anzeige

Amanda Franklin (University of Melbourne) et al.: The Royal Society: biology letters, doi: 10.1098/rsbl.2012.0556 © wissenschaft.de – Sabine Kurz
Anzeige

bild der wissenschaft | Aktuelles Heft

Anzeige

Aktueller Buchtipp

Sonderpublikation in Zusammenarbeit  mit der Baden-Württemberg Stiftung
Jetzt ist morgen
Wie Forscher aus dem Südwesten die digitale Zukunft gestalten

Wissenschaftslexikon

Grip|pe  〈f. 19; Med.〉 1 echte ~, epidemische ~ akute Viruskrankheit, die sich im Frühjahr u. Herbst epidemieartig verbreitet, regelmäßig mit Fieber; Sy Virusgrippe ... mehr

Ane|mo|graph  〈m. 16; Meteor.〉 = Anemograf

hy|po|kaus|tisch  〈Adj.〉 durch Hypokaustum geheizt

» im Lexikon stöbern
Anzeige
Anzeige