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Kurioses Symbiose-Team

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Ameise der Art Azteca pittieri auf Patrouille. Credit: Enrique Ramı´rez-Garcı´a.
Gemeinsam sind wir stark! Dieses Prinzip avancierte zum Erfolgskonzept einiger Lebewesen. US-Biologen berichten nun über die faszinierenden Strategien einer solchen Symbiose-Gemeinschaft aus drei Partnern: einer Baumart, Schildläusen und Ameisen. Die Ameisen verteidigen den Baum gegen Fressfeinde – im Gegenzug dazu liefert er ihnen Futter, das wiederum von den Schildläusen produziert wird. Sie bilden aus den Pflanzensäften des Baumes süßen Nektar für die Ameisen, von denen sie wiederum betreut werden. In diesem Beziehungssystem haben die Wissenschaftler nun einen kuriosen Aspekt entdeckt: Bei Trockenheit treibt der Baum die Schildläuse zu erhöhter Nektarproduktion für seine „Ameisen-Polizei“ an. So schützen sie den Blattbestand in der harten Zeit besonders intensiv vor dem Befall von Fressfeinden.

Die in Mittel- und Südamerika beheimatete Baumart Cordia alliodora ist bereits für ihre ausgeklügelte Partnerschaft mit Ameisen der Art Azteca pittieri bekannt. Die Pflanze bildet in ihren Ästen Hohlräume, die den Ameisen als Behausung dienen. Hier betreiben sie „Viehaltung“: Sei betreuen und melken Schildläuse, die an den Wänden der Höhle sitzen und den Pflanzensaft des Baumes saugen. In der Hauptsache sind diese Insekten an den Eiweißen im Pflanzensaft interessiert – Zucker nehmen die Schildläuse hingegen im Überschuss auf. Deshalb scheiden sie ihn in Form von Honigtau aus. Dieser ist für die Ameisen wiederum eine willkommene Futterquelle. Unterm Strich profitieren alle drei Lebewesen von der Gemeinschaft: Sowohl die Schildläuse als auch die Ameisen werden vom Baum ernährt – im Gegenzug genießt er den Schutz einer emsigen Polizeitruppe: Die Ameisen patrouillieren durch das Blattwerk und vertreiben vehement jeden Eindringling.

 

Höhere Gehälter für Ameisen zahlen sich aus

 

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Die Forscher um Elizabeth Pringle von der Stanford University haben nun gezeigt, dass dieses System sich den Anforderungen anpasst. Sie konnten belegen, dass der Baum in Trockenzeiten mehr Zucker in seinem Pflanzensaft entwickelt. Demzufolge geben auch die Schildläuse mehr Nektar ab, der dann den Ameisen als zusätzliche Nahrung zur Verfügung steht. So können sie ihre Population vergrößern und werden auch aggressiver auf der Streife durch das Blattwerk, zeigten die Beobachtungen der Biologen. „Sowohl der Baum als auch die Ameisen investieren in harten Zeiten also mehr in die Partnerschaft“, resümiert Pringle.

 

Den Forschern zufolge zahlt sich das Investment des Baumes in erhöhten Schutz deutlich aus. In Trockenzeiten ist Blattverlust nämlich deutlich riskanter als in wasserreichen Perioden. Bei Wassermangel kann der Baum kaum neue Blätter bilden, da diese Ressource dafür besonders wichtig ist. In feuchten Zeiten kann ein abgefressenes Blatt hingegen vergleichsweise einfach ersetzt werden. Der Baum bezahlt seiner Schutztruppe also gleichsam mehr Gehalt, wenn ihre Dienste besonders gefragt sind. Die Währung in diesem System ist energiereicher Zucker. Würden sich Cordia-Bäume keine Ameisenpolizei leisten, wären sie Raupen, Käfern und Co schutzlos ausgeliefert und könnten schnell blattlos enden.

 

Originalarbeit der Forscher:

© wissenschaft.de – Martin Vieweg
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Wal|kü|re  〈a. [–′––] f. 19; germ. Myth.〉 Jungfrau, die in der Schlacht diejenigen auswählt, die sterben u. nach Walhall eingehen sollen [nach anord. Valkyrja ... mehr

Cem|ba|lo  〈[tm–] n. 15; Pl. a.: –ba|li; Mus.〉 altes Tasteninstrument, bei dem die Saiten nicht angeschlagen, sondern angerissen werden; Sy Clavicembalo ... mehr

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