Kurioses Waffensystem - wissenschaft.de
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Kurioses Waffensystem

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Wie Hasenohren stehen zwei seltsame Schlundtentakel von ihrem Kopf ab – das hat den Vertretern der sogenannten Breitfußschnecken den deutschen Namen Seehasen eingebracht. Die bizarren Meerestiere können aber noch mit weiteren kuriosen Eigenschaften aufwarten. Wenn sie sich bedroht fühlen, verströmen sie Kampfstoffe: Eine rote Substanz, um Feinde zu verwirren, ähnlich wie Tintenfische, und ein weißliches Sekret namens Opalin. Der Effekt der bunten Tinte war bereits klar, doch was es mit dem weißlichen Sekret auf sich hat, war unbekannt. US-Forscher vermuteten allerdings, dass diese Substanz die Wahrnehmung von Angreifern beeinträchtigt – dies konnten sie nun durch Experimente auch tatsächlich nachweisen.

Charles Derby von der Georgia State University und seine Kollegen führten ihre Versuche mit Hummern durch. Von diesen Krustentieren ist bekannt, dass sie gelegentlich versuchen, an Seehasen zu knabbern. Für ihre Experimente entnahmen die Forscher den Meeresschnecken einiges Opalin und testeten die Reaktionen von Hummern auf diese Substanz. Sie strichen es den Versuchstieren dazu direkt auf die Antennen. An ihnen sitzen bei den Krustentieren sensorische Organe, die im Wasser gelöste Substanzen wahrnehmen können – die Antennen repräsentieren also gleichsam die Nasen von Hummern.

Wenn es nicht mehr lecker riecht, lassen Hummer von der Beute ab

Um die Reaktionen der Versuchstiere zu untersuchen, verließen sich die Forscher nicht auf sichtbare Verhaltensweisen, sonder erfassten die Reize schon in einem früheren Stadium: Sie pflanzten den Hummern Elektroden ins Nervensystem ein, um direkt über dessen Signale dokumentieren zu können, ob die Tiere Witterung aufgenommen hatten. Als Lockstoff diente dabei ein Extrakt aus Garnelen. Wenn Hummer diesen „Duft“ wahrnehmen, reagieren sie üblicherweise sehr intensiv – ihnen läuft quasi das Wasser im Munde zusammen. Entsprechend deutlich waren die Nervenreaktionen, die die Forscher über die Elektroden erfassen konnten.

Hatten sie den Hummern allerdings das Opalin auf die Antennen appliziert, blieb die Appetitreaktion auf das Garnelen-Extrakt aus. Analysen der Zusammensetzung des Opalins und weitere Experimente legten nahe, dass dieser Effekt nicht auf einer Betäubung beruht, sondern auf einer mechanischen Blockade durch die klebrige Konsistenz dieser Substanz. Sie setzt sich demnach auf die Sinnesorgane und macht sie für Unterwasserduft unzugänglich. Dadurch kann ein hungriger Hummer einen Seehasen nicht mehr als Nahrungsquelle wahrnehmen und verliert sein Interesse an dem Beutetier, folgern die Wissenschaftler. Das gibt den behäbigen Wasserschnecken genug Zeit, um davonzuwabern und sich somit aus der Gefahrenzone zu entfernen.

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Charles Derby (Georgia State University) et al.: J. Exp. Biol. 216, 1364-1372 © wissenschaft.de – Martin Vieweg
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