Länger leben dank verstopfter Nase? - wissenschaft.de
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Länger leben dank verstopfter Nase?

Beschleunigt schon der Duft leckerer Speisen den Alterungsprozess? Die Antwort lautet Ja, zumindest, wenn man eine Fruchtfliege ist. Zu diesem Schluss sind US-Wissenschaftler in Experimenten mit den in der Forschung sehr beliebten Modellorganismen gekommen. Sie konnten eine kleine Gruppe von Nervenzellen ausfindig machen, die für die Bildung eines bestimmten Rezeptors zuständig sind. Dieser ist maßgeblich an der Wahrnehmung von Kohlendioxid beteiligt, das den Fliegen als Nahrungsanzeiger, aber auch als Warnsignal dient. Fliegen, bei denen der Rezeptor funktionsunfähig war, lebten deutlich länger, nahmen zu und waren stressresistenter. Möglicherweise beeinflussen Gerüche also auch beim Menschen Gesundheit und Lebensdauer, berichten Scott Pletcher von der University of Houston und sein Team.

Gerüche spielen sowohl bei den Menschen als auch in der Tierwelt eine große Rolle, sei es bei der Nahrungssuche, der Partnerwahl oder als Anzeichen einer möglichen Bedrohung. Bei Fruchtfliegen (Drosophila melanogaster) kommt in diesem Zusammenhang dem Kohlendioxid (CO2) eine besondere Bedeutung zu: In niedrigen Dosierungen, rund 0,1 Prozent mehr als in der normalen Umgebungsluft, dient es als Warnsignal, setzt die Tiere unter Stress und macht sie fluchtbereit. In höheren CO2-Gehalten sehen Fruchtfliegen hingegen einen Hinweis auf eine reiche Futterquelle, da beispielsweise verfaulendes Obst viel dieses Gases abgibt.

Das gilt auch für Hefe, die Pletcher und seine Kollegen den Fliegen in ihren Versuchen als Nahrung anboten. Die Versuchstiere unterschieden sich von gewöhnlichen Fruchtfliegen allerdings in einem Punkt: Der Wahrnehmungsrezeptor Gr63a funktionierte bei ihnen nicht. In der Folge beobachteten die Wissenschaftler nicht nur, dass die Tiere von der Hefe weniger stark angezogen wurden, sondern stellten auch eine Gewichtszunahme, eine höhere Stressresistenz sowie eine um bis zu 30 Prozent längere Lebensdauer fest. Diese Effekte traten allerdings ausschließlich bei den weiblichen Fliegen auf.

Als Ursache für die Gewichtszunahme halten die Forscher den aufgrund der verminderten Reize reduzierten Bewegungsdrang der Fliegen für denkbar. Die verlängerte Lebensdauer geht vermutlich auf die Stresswirkung des Kohlendioxids zurück: Unter einem stressinduzierenden CO2-Gehalt von 0,1 Prozent über der normalen Luft lebten die Fliegen mit ausgeschaltetem Gr63a-Rezeptor ebenfalls entsprechend länger als normale Tiere. Umgekehrt scheint es aber auch lebensverlängernde Gerüche zu geben: Fruchtfliegen ohne Gr63a-Rezeptor lebten nochmals signifikant länger, wenn sie der reine Hefe-Geruch oder der Duft von Apfelessig, jeweils ohne CO2, umgab. Pletcher hält Ähnliches auch beim Menschen für denkbar: „Für uns sind es vielleicht nicht der Hefegeruch oder die Wahrnehmung von Kohlendioxid, die unsere Lebensspanne beeinflussen, aber dafür möglicherweise die Wahrnehmung anderer Gerüche, die wir mit Essen oder Gefahr in Verbindung bringen.“

Scott Pletcher (University of Houston) et al.: PLoS Biology, Bd. 8, Nr. 4, doi: 10.1371/journal.pbio.1000356 ddp/wissenschaft.de ? Mascha Schacht
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