Langhalsige Dinosaurier trugen ihre Hälse waagerecht - wissenschaft.de
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Umwelt+Natur

Langhalsige Dinosaurier trugen ihre Hälse waagerecht

Herzschlag und Metabolismus haben nicht ausgereicht, um das Blut bei senkrechtem Hals bis zum Kopf zu pumpen

Langhalsige Dinosaurier wie Diplodocus und Ultrasaurus haben ihren Kopf nicht aufrecht, mit vertikal gestelltem Hals, getragen. Dies geht aus neuen Untersuchungen an der australischen Adelaide University hervor. Bislang gingen die meisten Paläontologen davon aus, dass die unter der Bezeichnung Sauropoden zusammengefassten Reptilien ihre langen Hälse dazu benutzten, um Blätter von den Bäumen zu fressen. Roger Seymour vom Department of Environmental Biology und sein amerikanischer Kollege Harvey Lillywhite sind jedoch der Ansicht, dass dies physikalisch unmöglich war. Sowohl Herzgröße als auch die Metabolismus-Rate der Tiere gestatteten ihrer Meinung nach ein Leben an Land nur mit horizontal gehaltenem Hals.

Die Wissenschaftler gründen ihre Schlussfolgerung auf Untersuchungen der Herzmorphologie und des Arterienblutdruckes heutiger Reptilien, Vögel und Säuger. Daraus leiteten sie ab, wie dick eine Herzwandung sein muss, um den für das Tier nötigen Blutdruck erzeugen zu können. Die Herzgröße scheint dabei vor allem von zwei Faktoren abzuhängen: zum einen von der vertikalen Entfernung des Kopfes vom Herzen und zum anderen von der Warm- oder Kaltblütigkeit des jeweiligen Organismus. Beispielsweise hat eine Giraffe einen außergewöhnlich hohen Blutdruck und ein sehr großes Herz – dies ermöglicht es dem Tier, das Blut den langen Hals entlang bis zum Kopf zu pumpen. Auch Vögel und Säuger haben relativ große Herzen, was jedoch eher damit zusammenhängt, dass sie Warmblüter sind. Kaltblütige Reptilien hingegen zeichnen sich durch geringere Stoffwechselraten, einen niedrigeren Blutdruck und kleinere Herzen aus.

So haben Seymour und Lillywhite beispielsweise berechnet, dass die linke Herzkammer eines (warmblütigen) Barosaurus 2000 kg gewogen haben müsste, um in der Lage gewesen zu sein, das Blut bis zum Gehirn transportieren zu können. Eine solche Größe sei sehr unwahrscheinlich: Erstens fehlte einfach der Platz, um ein solch gewaltiges Herz unterzubringen, zweitens hätte das Herz mehr Energie verbraucht als der gesamte restliche Körper und drittens hätten die dicken, mechanisch ineffizienten Herzwände mehr Energie zu deren Deformation, als für die Realisierung der Pumpvorgänge aufbringen müssen.

Eine Lösung des Problems wäre laut Seymour auf zwei Wegen möglich: Entweder verfügten die Sauropoden über zusätzliche Pumpstationen im Hals oder sie hatten ein spezielles Blut, welches leichter aufsteigen konnte. Beides sehen die Wissenschaftler jedoch als kaum wahrscheinlich an. Ein waagerecht geführter Hals dagegen wäre für die Tiere kaum von Nachteil gewesen. Auch in dieser Haltung war es den Sauropoden ohne weiteres möglich, Blätter in vier-fünf Meter Höhe zu erreichen.

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Olaf Elicki

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