Lauschangriff im Baum - wissenschaft.de
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Lauschangriff im Baum

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Termiten fressen sich durch Holz und belauschen dabei ihre Feinde. Bild: Wikipedia, public domain.
Termiten können ihre Feinde an deren Nagegeräuschen erkennen. Sobald sie die typische Vibrationen der anderen Holz kauenden Insekten hören, ergreifen sie die Flucht. Australische Biologen haben diese einfache Art der Konfliktvermeidung bei zwei Termitenarten entdeckt, die den gleichen Lebensraum nutzen. Die aggressivere Art mit Völkern von bis zu einer Million Individuen bewohnt das Wurzel- und Stammsystem von Bäumen, während die kleinere und schwächere Art in Kolonien von wenigen hundert Tieren im Astgehölz sitzt. Wenn die kleinen Termiten ein Individuum der feindlichen Art in ihrer Nähe bemerken, nagen sie sich sofort in die andere Richtung weiter, denn im Falle eines Kampfes könnten sie sich nicht erfolgreich wehren.

Die Biologen verwendeten Holzstücke verschiedener Größen und setzten zwei Termitenarten darauf aus. Tiere der Art Coptotermes acinaciformis bewohnen normalerweise in riesigen Kolonien das Wurzelholz von Bäumen. Zu ihrer Verteidigung stehen Zehntausende von Soldaten bereit. Diese aggressiven Individuen besitzen lange Mundwerkzeuge. Mit diesen Mandibeln und einem klebrigen grünen Sekret greifen sie feindliche Termiten an. Auf denselben Bäumen sitzt die Art Cryptotermes secundus im Holz der Äste. Zu ihrer Verteidigung stehen nur wenige Soldaten bereit, deren Strategie weniger der direkte Kampf, sondern vielmehr das Verstopfen der Gänge ist. Die Forscher beobachteten das Verhalten der beiden Arten, als diese sich durch das Holzstück fraßen.

Die körperlich hoffnungslos unterlegenen Cryptotermes-Termiten vermieden mit geschickten Ausweichmanövern jeglichen Kontakt mit den Coptotermes-Termiten. Sobald sie die Vibrationen eines Exemplars der anderen Art wahrnahmen, ergriffen sie die Flucht. Die Kaugeräusche sind charakteristisch für die jeweilige Spezies. Bei Termiten der eigenen Art gruben die Tiere normal weiter. Um auszuschließen, dass noch weitere Signale wie Duftstoffe an der Erkennung der Feinde beteiligt waren, imitierten die Wissenschaftler die Geräusche der aggressiven Art mit Lautsprechern und spielten sie den anderen Termiten vor. Diese reagierten tatsächlich so, wie die Forscher erwartet hatten: Sie machten sich aus dem Staub.

Die Gesetzmäßigkeit, die hinter dem Verhalten der Insekten steckt, wird von Biologen kompetitives Ausschlussprinzip genannt. Damit meinen sie die Aufteilung von Ressourcen unter Arten, die sich bei einer direkten Begegnung gegenseitig konkurrieren würden, da sie die genau gleichen Nahrungsgrundlagen nutzen. Im Falle der Termiten würde die stärkere Art die schwächere verdrängen. Diese konnte sich eine Nische erschließen, indem sie nur die Äste der Bäume bewohnt und der aggressiven Art aus dem Weg geht. Eine andere Möglichkeit für die Aufteilung von Nahrungsressourcen stellt die Aktivität zu unterschiedlichen Tageszeiten dar.

Theodore Evans (CSIRO in Canberra) et al.: Proceedings of the Royal Society B(doi: 10.1098/rspb.2009.1147). ddp/wissenschaft.de – Martina Bisculm
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