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Umwelt+Natur

Leben Könige länger?

Sir Francis Galton war ein vielseitiger Mann. Und lebte in einer Zeit, in der es möglich war, Afrikaforscher, Psychologe und Meteorologe gleichzeitig zu sein. Er zeichnete nicht nur die erste Wetterkarte, setzte den Begriff Eugenik in die Welt, beschäftigte sich mit Fingerabdrücken zur Identifizierung von Verbrechern und entwickelte den Korrelationskoeffizienten. Als Fan von Statistiken interessierte er sich auch für die Frage, ob Gebete effizient sind. Der Vetter von Charles Darwin war ein hochbegabter Hans Dampf

Es ist überliefert, dass Galton sich auch für spiritistische Séancen interessierte und sich trotz seiner Vorlieben für die Naturwissenschaft von den okkulten Vorgängen „frappieren“ ließ. Er war überzeugt, dass in diesen Sitzungen „etwas wirklich Sonderbares geschehe“, während Charles Darwin lästerte: „Gott gnade uns allen, wenn wir an einen solchen Quatsch glauben müssen.“

Während bei den Séancen sicherlich das Erkenntnisinteresse im Vordergrund stand, kam beim Beten ein anderer Galton zum Vorschein. Er war nämlich keineswegs abgeneigt, selbst zu beten – trotz seiner kritischen Religionsforschung. Er tat es oft und war überzeugt, dass Gebete „Gelassenheit während der Prüfungen des Lebens und im Schatten des herannahenden Todes“ böten. Galton, der mit seinem Essay „Statistische Untersuchungen der Effizienz von Gebeten“ die Anglikanische Kirche mit all ihren Gläubigen erboste, spürte also durchaus einen subjektiven Nutzen selbst gesprochener Gebete und des eigenen Glaubens.

Wie groß aber ist die Macht des Glaubens in der Medizin? Besonders im Schatten des herannahenden

Todes? Welche Rolle spielt es, dass der Mensch eben nicht nur ein rationales Wesen ist? Offenbar eine große. Mittlerweile belegen viele hervorragende Studien, dass Beten und Meditieren Aktivitätsmuster im Gehirn verändern, dass Psyche und Geist das Immunsystem beeinflussen und der Glaube eben doch Berge versetzen kann. Das wissen Placebo-Forscher ebenso wie Menschen, die entgegen aller Prognosen von schweren Krankheiten genesen sind.

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Auch 100 Jahre nach Galtons Tod wollen die Naturwissenschaftler immer noch wissen, was dran ist an der Heilkraft des Glaubens, und viele von ihnen spüren, dass es noch etwas anderes gibt, etwas Geheimnisvolles jenseits aller Studien. Etwas, das sich schwer in Zahlen und Messreihen fassen lässt.

Lesen Sie unsere Titelgeschichte zur Kraft der Selbst- und Spontanheilung ohne jede Pille.

Ihre



Ilona Jerger, Chefredakteurin

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Gon|a|gra  auch:  Go|na|gra  〈n. 15; unz.; Med.〉 Gicht im Kniegelenk ... mehr

kreis|för|mig  〈Adj.〉 in Form eines Kreises ● ~er Haarausfall; sich ~ aufstellen

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