Legasthenie auf chinesisch - wissenschaft.de
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Legasthenie auf chinesisch

Chinesische Legastheniker haben andere Fehlfunktionen im Gehirn als im Westen lebende Menschen mit Lese-Rechtschreib-Schwäche. Bei der Erkennung und Verarbeitung von Symbolen wie den chinesischen Schriftzeichen sind andere Areale des Gehirns beteiligt als beim Lesen von auf Buchstaben basierenden Texten. Das berichten Forscher um Li Hai Tan vom National Institute of Mental Health in Bethesda (USA) in der Fachzeitschrift Nature (Bd 431, S 71).

Bislang nahmen die Wissenschaftler an, dass die wichtigsten Ursachen für Legasthenie in Störungen in der Gehirnregion des so genannten temporoparietalen Cortex liegen. Die Studien bezogen sich allerdings größtenteils auf Sprachen, die mit Buchstaben arbeiten. Die Forscher um Li Hai Tan zeigten nun, dass bei der Umsetzung von gelesenen Symbolen in Sprache hingegen der linke mittlere frontale Gyrus eine entscheidende Rolle spielt.

Zum Lesen eines Buchstabentextes muss das Gehirn die Umsetzung von Buchstaben in Laute gewährleisten. Das Lesen eines Textes aus Symbolen erfordert gleichzeitig die Verknüpfung des Symbols mit seiner Bedeutung, während das im Falle der Buchstaben in einem nachgeschalteten Schritt vonstatten geht. Das korrekte Zusammenführen der beiden parallel ablaufenden Vorgänge leistet der linke mittlere frontale Gyrus. Eine Störung dieser Gehirnregion verhindert damit ein flüssiges Lesen.

Die Wissenschaftler bedienten sich bei ihrer Studie der funktionalen Magnetresonanz-Tomographie (MRT). Mittels dieser Technik können Gehirnaktivitäten der Testpersonen im Laufe der Experimente sichtbar gemacht werden. 16 chinesische Kinder, davon acht Legastheniker, nahmen teil. Die Wissenschaftler hoffen, dass mithilfe ihrer Ergebnisse in Zukunft gezieltere Therapiemöglichkeiten für unter Legasthenie leidende Chinesen entwickelt werden können.

ddp/bdw ? Dirk Gilson
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