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Lichttherapie gegen Triefnase

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Pollen sind die winzigen Auslöser für den Heuschnupfen, eine Allergie, die sehr viele Menschen betrifft. Bild: Dartmouth Electron Microscope Facility, Dartmouth College
Durch Bestrahlung der Nasenschleimhaut mit UV-Licht sollen die lästigen Symptome des Heuschnupfens bekämpft werden. Experten sind sich weitgehend einig über die Wirksamkeit des Verfahrens – nicht allerdings über mögliche gefährliche Nebenwirkungen des UV-Lichts.

Eine juckende Triefnase, brennende Augen: Wer unter Heuschnupfen leidet, kann bestimmte Jahreszeiten nur bedingt genießen. Schon im Frühjahr legen die Frühblüher los, und von Juni bis August sind vor allem Gräserpollen ein Problem. Eine praktische, kostengünstige und harmlose Behandlungsmöglichkeit gegen die saisonale allergische Rhinitis – so der Fachbegriff – verspricht der Unternehmer Bernhard Neuwirth. Er vertreibt mit seiner Firma in Deutschland ein Gerät, das den Heuschnupfen mit UV-Licht bekämpfen soll. Sieben der rund 20.000 Euro teuren Geräte sind in Deutschland bereits in Gebrauch.

Dabei wird eine dünne Lampe einen Zentimeter tief in die Nase eingeführt und die Nasenschleimhaut mit einer Mischung aus UV-A-, UV-B- und sichtbarem Licht bestrahlt. Etwa sechs Anwendungen sind nötig, um ein Ergebnis zu erzielen. Eine Anwendung kostet 41 Euro, die Krankenkassen kommen hierfür nicht auf. „Im Folgejahr treten meist weniger Symptome auf, aber die Behandlung muss jährlich zu Beginn der Heuschnupfensaison wiederholt werden“, erklärt Neuwirth, der selbst von der Wirkung überzeugt ist: „Ich bin selbst starker Allergiker und habe jedes Jahr gelitten wie ein Hund. Nach der UV-Behandlung waren die Symptome verschwunden.“

Die UV-Behandlung wirkt auf mehrere Weisen, erklärt Pápai László von Rhinolight, der ungarischen Herstellerfirma des Geräts: „Das UV-Licht löst unter anderem den Zelltod von Lymphozyten aus.“ Diese weißen Blutkörperchen sind als Teil des Immunsystems für die Erkennung von Fremdstoffen zuständig. Die gleiche Wirkung hat das UV-Licht auch auf sogenannte Eosinophilzellen, die ebenfalls an der Immunabwehr beteiligt sind. „Außerdem wird die Freisetzung von istamin aus den Mastzellen blockiert“, erläutert Pápai László weiter. Histamin löst bei einer allergischen Reaktion durch eine Erweiterung der Blutgefäße die bekannten Symptome aus: Schwellungen, Rötung und Juckreiz.

Das Verfahren wurde von Forscher der Universität von Szeged in Ungarn entwickelt und im Jahr 2005 im „Journal of Allergy and Clinical Immunology“ veröffentlicht. Die Wissenschaftler untersuchten eine Gruppe von 49 Patienten in einer sogenannten Doppelblindstudie, bei der ein Teil der Patienten einer Scheinbehandlung unterzogen wurde. Bei den meisten Probanden trat durch die UV-Bestrahlung eine Milderung der Symptome ein.

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Ist die UV-Behandlung also ein sinnvolles Vorgehen gegen den Heuschnupfen? Wirksam ist sie offenbar, doch Torsten Zuberbier, Sprecher des Allergie-Centrum-Charité in Berlin rät dringend von der Anwendung ab: „Das Risiko der Behandlung ist noch überhaupt nicht abschätzbar, es gibt keine Langzeitstudien.“ Die Bedenken werden von vielen Ärzten geteilt, die zum ersten Mal von dem Verfahren mit UV-Licht hören. „Es ist bekannt, dass UV-Licht Hautkrebs auslöst“, führt Zuberbier weiter aus, „und ins Innere der Nase fällt normalerweise kein Licht. Es fehlen daher die Schutzmechanismen wie an der Haut. Möglicherweise kann UV-Licht daher hier leichter Krebs auslösen.“

Anderer Meinung ist Dermatologe und UV-Spezialist Professor Lajos Keméni von der Universität im ungarischen Szeged. Seinen Messungen zufolge erhöht sich das Risiko durch die Behandlung nicht. Im Osten Europas habe sich das Verfahren bereits etabliert, sagt Bernhard Neuwirth: „In Ungarn sind über 80 Geräte auf dem Land seit vielen Jahren verteilt und alle Anwender sind aufgefordert, sich bei Bekanntwerden irgendwelcher Nebenwirkungen sofort beim Hersteller zu melden.“

Zuberbier von der Charité rät indes zu etablierteren Behandlungsmethoden: „Es gibt inzwischen Antihistaminika, die nicht mehr schläfrig machen, oder Nasensprays, die eine Abwandlung des Cortisonmoleküls enthalten.“ Auch die sogenannte Hyposensibilisierung zeige gute Resultate. Dabei wird dem Patienten eine anfangs sehr geringe Dosis des Allergens verabreicht, auf das er reagiert. Im Laufe der Behandlung steigt die Dosierung, wodurch eine Toleranz entsteht.

HNO-Arzt Detlef Brehmer aus Göttingen wendet das UV-Verfahren bereits an – mit bislang guten Ergebnissen, wie er sagt. Er wiederholt derzeit die ungarische Studie, um die Wirksamkeit des Verfahrens erneut zu bestätigen. „Ganz kritisch könnte man natürlich einwenden: Wie sich das in 10 bis 15 Jahren auswirkt, kann man heute noch nicht abschätzen“, räumt Brehmer ein, „Aber grundlegende Studien zur Sicherheit sind durchgeführt worden. Eine Schädigung der DNA war einige Zeit nach der Behandlung nicht mehr feststellbar.“ Die Therapie der ersten Wahl sei die UV-Behandlung allerdings nicht: „Da gibt es andere bewährte Verfahren. Wenn diese aber aus bestimmten Gründen bei einem Patienten nicht angewandt werden können, etwa weil er starkes allergisches Asthma hat, weil er Betablocker einnimmt oder weil er keine Spritzen bekommen möchte, kann man die UV-Behandlung einsetzen.“

ddp/wissenschaft.de – Michael Böddeker
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