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Umwelt+Natur

Luchse in Gefahr

Luchs
Luchse im Grenzgebiet zu Tschechien und Österreich sind gefährdet. (Foto: Ralph Frank/WWF)

Lange waren Luchse aus Mitteleuropa fast verschwunden, erst seit einigen Jahrzehnten erobern sie langsam ihr altes Territorium zurück. Doch im Grenzgebiet zwischen Deutschland, Tschechien und Österreich bereiten die Pinselohren den Biologen Sorgen: Dort geht die Population seit den 1980er Jahren stark zurück. Den Grund dafür haben nun Forscher ermittelt: Illegale Abschüsse haben die Luchse in dieser Region an den Rand des Aussterbens gebracht.

Es begann eigentlich sehr positiv: In den 1980er Jahren setzten tschechische Behörden 18 Luchse an der Grenze zwischen Deutschland, Tschechien und Österreich aus. Nach dieser Wiederansiedlung breiteten sich die Luchse relativ zügig entlang der Grenze nach Norden bis ins Fichtelgebirge und nach Süden bis ins Waldviertel in Österreich aus. Doch dann kam es zu einer Trendwende: In der Zeit von 1998 bis 2014 ging der Bestand der Luchse plötzlich wieder stark zurück. Seither stagniert die Zahl der Tiere auf niedrigem Niveau.

„Computerluchse“ auf der Pirsch

Aber warum? Bisher konnte Forscher über die Ursachen dieses Bestandsrückgangs nur spekulieren. Ein Verdacht war zwar, dass die illegale Jagd auf Luchse eine Rolle spielen könnte, aber es fehlte an konkreten Daten. Marco Heurich von der Universität Freiburg und seine Kollegen sind der Sache nun nachgegangen. Die Biologen erfassten dafür in einem Computermodell zunächst Daten zur Fortpflanzung, Sterberate, Bewegungsökologie und Größe des Streifgebiets der Luchse im fraglichen Gebiet. Die Daten dazu gewannen sie durch Satellitentelemetrie, Fotofallen und Zufallsbeobachtungen.

Außerdem erstellte das Team ein Habitatmodell. Dieses spiegelt wider, wie geeignet ein Gebiet als Lebensraum für Luchse ist. Im Modell bewegen sich auf Basis der Beobachtungsdaten erstellte „Computerluchse“ in einer realitätsgetreuen Nachbildung der untersuchten Waldlandschaft. Dabei bildet das Modell das reale Straßennetz im Rechner ab, sodass die digitalen Luchse auch dem Straßenverkehr zum Opfer fallen können. Mithilfe ihrer Modellsimulation konnten die Wissenschaftler so verschiedene Szenarien und Ursachen für die Entwicklung der Luchspopulation nachbilden und überprüfen.

Illegale Jagd trotz Schutzgebiet

Das Ergebnis: In der ersten Phase nach der Wiederansiedlung gingen fast alle Todesfälle auf natürlichen Gründe zurück – nicht aber in der Zeit ab 1998: Ab dann stieg die Mortalität durch unbekannte Ursachen auf 15 bis 20 Prozent, wie die Forscher berichten. Besorgniserregend auch: „Die Wahrscheinlichkeit eines Aussterbens dieser Population lag zwischen 13 und 74 Prozent und erreichte damit einen Kipppunkt, an dem die zusätzlichen Todesfälle schon weniger Tiere die gesamte Population auslöschen könnte“, erklären Heurich und seine Kollegen.

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Doch was steckte hinter dieser „unbekannten zusätzlichen Mortalität“? Der Ursache auf die Spur kamen die Forscher, als sie ihr Modell ein wenig veränderten: „Als wir in unserem Modell die Nationalparks als komplett geschützt betrachteten, sank das Aussterberisiko auf weniger als ein Prozent“, berichten die Biologen. „Basierend auf unseren Ergebnissen schließen wir daher, dass die zusätzliche Mortalität auf die illegale Jagd der Luchse zurückgeht.“

Um die seltenen Raubkatzen vor dem Aussterben zu bewahren, sollten illegale Luchstötungen nach Meinung der Wissenschaftler künftig stärker verfolgt und im Idealfall komplett unterbunden werden. „Die höchste Priorität für die Erhaltung dieser Luchspopulation sollte die Verhinderung der illegalen Jagd in den Nationalparks und ihrer unmittelbaren Umgebung haben“, konstatieren die Forscher.

Quelle: Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau, Fachartikel: Biological Conservation, doi: 10.1016/j.biocon.2018.05.011

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