40 Prozent des globalen Mülls landen auf illegalen Feuerstellen Luftverschmutzung durch Müllverbrennung schlimmer als gedacht - wissenschaft.de
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40 Prozent des globalen Mülls landen auf illegalen Feuerstellen

Luftverschmutzung durch Müllverbrennung schlimmer als gedacht

Müllverbrennung
Brennende Müllberge wie hier auf den Philipinen schleudern Unmengen Schadstoffe undTreibhausgase in die Luft.
Wo Rauch ist, ist auch Feuer, und davon eine ganze Menge. Eine neue Studie zeigt, dass 40 Prozent des globalen Mülls in offenem Feuer verbrannt werden und dabei große Mengen an giftigen Gasen und Schmutzpartikeln in die Luft abgeben. Schadstoffe, die in keiner offiziellen Statistik auftauchen und dem Klima und der Gesundheit enorm schaden können.

Nicht nur, dass die Weltbevölkerung unglaubliche Mengen an Müll produziert, nein, sie verbrennt einen großen Teil davon auch noch völlig unkontrolliert. Eine neue Studie des amerikanischen National Center of Atmospheric Research (NCAR) hat zum ersten Mal versucht, Schätzungen für einzelne Länder hinsichtlich deren wahren Gasausstoß durch Müllverbrennung zu erheben. Ergebnis: 40 Prozent des globalen Mülls verbrennen in offenen Feuern, die enorme Mengen von Treibhausgasen und gesundheitsschädlichen Partikeln in die Luft blasen.

In Entwicklungsländern, in denen es nur ein schlecht ausgebautes Müllsammel- und Verwertungssystem gibt, brennen die meisten dieser gefährlichen Feuer. Da der Konsum und damit die Müllberge überall auf der Welt ansteigen, ist anzunehmen, dass ebenso die Zahl der privaten Verbrennungen in Dörfern, aber auch in Slums und Großstädten zunehmen wird. Besonders gefährlich ist der Rauch, der bei der Vernichtung von Plastik und Elektrogeräten entsteht.

Luftverschmutzung wird enorm unterschätzt

Doch welche und vor allem wie viele gefährliche Stoffe auf diesem Weg in die Atmosphäre gelangen, kann bisher keiner sagen. Denn im Gegensatz zu offiziellen Müllverbrennungsanlagen sind die offenen Feuer nirgendwo vermerkt. Das Kohlenstoffdioxid, das so freigesetzt wird, taucht in keiner Statistik auf. „Die Luftverschmutzung ist über weite Teile des Globus hin enorm unterschätzt, weil keiner das offene Verbrennen von Müll mit einrechnet“, sagt Christine Wiedinmyer vom NCAR, die Hauptautorin der Studie. „Diese große Quelle der Verschmutzung sollte deutlich mehr Aufmerksamkeit erhalten.“ Den Anstoss, in diese Richtung zu forschen, bekam Wiedinmyer durch einen Besuch in Ghana. Das Dorf, das sie dort besuchte, lag nahezu ununterbrochen unter einer dichten Rauchwolke. Den ganzen Tag brannte irgendwo ein Müllberg.

Um das Ausmaß dieser Luftverschmutzung einschätzen zu können, verglichen die Wissenschaftler Zahlen und Statistiken. Die Einwohnerzahl und der durchschnittliche Müllproduktion pro Person stellten sie die offiziellen Daten zur Müllverbrennung oder -verwertung gegenüber. So kamen sie auf die 40 Prozent, oder in Zahlen 1,1 Milliarden Tonnen Müll, die jeden Tag außerhalb der staatliche Strukturen vernichtet werden. Die wirklichen Werte könnten zwar um einen oder gar zwei Faktoren von ihren Schätzungen abweichen, warnen die Forscher, denn die oft illegale Müllverbrennung ist nirgendwo vermerkt oder gar reguliert. Dennoch ist die NCAR-Studie die bisher aufwendigste und genaueste Aufschlüsselung der Emissionen durch Müllverbrennung. Nach diesen Daten ist die Müllverbrennung für fünf Prozent des gesamten vom Menschen verursachten Treibhausgasausstoßes verantwortlich – soviel, wie die Industrieländer einsparen müssten, wenn sie die Ziele des Kyoto-Protokolls erreichen wollen.

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Gesundheitsrisiken durch Gase und Schadstoffe

Schwellenländer wie China, Indien und Mexiko produzieren zwar nicht am meisten Müll, liegen aber weltweit an der Spitze, was ihre Emissionsraten angeht, da die unkontrollierte Verbrennung deutlich mehr Gase und Partikel abgibt als moderne Müllverbrennungsanlagen. Doch es geht nicht nur um die Menge, sondern auch um die Art der Verschmutzung. Der schwarze, übelriechende Rauch der Feuer enthält oft sehr große Partikel, Blei oder Gase, die mit neurologischen Krankheiten, Krebs und Herzinfarkten in Verbindung gebracht werden. Allein in China stammen 22 Prozent aller großen Schmutzpartikel in der Luft von offener Müllverbrennung. Diese bisher nicht beachteten Mengen an Schadstoffen und Treibhausgasen formen ein umfassenderes Bild der weltweiten Luftverschmutzung. Erweisen sich die Zahlen als verlässlich, könnte das durchaus auch (klima-)politische Konsequezen haben. Für die amerikanischen Forscher war dieser Teil der Studie nur ein erster Schritt um die Bedeutung dieses Themas zu verdeutlichen. „Der nächste Schritt ist jetzt zu untersuchen, was passiert, wenn diese Schmutzpartikel in die Atmosphäre gelangen – wo sie hingetragen werden, oder welche Bevölkerungsgruppen am stärksten beeinträchtigt werden“, sagt Wiedinmyer.

Quelle: Christine Wiedinmyer, Robert J. Yokelson, Brian K. Gullett. Global Emissions of Trace Gases, Particulate Matter, and Hazardous Air Pollutants from Open Burning of Domestic Waste. Environmental Science & Technology, 2014; 48 (16): 9523 doi: 10.1021/es502250z

Foto: Global Environment Facility

© natur.de – Edith Luschmann
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