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Macht Arbeitslosigkeit alt?

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Credit: Thinkstock
„Das hat mich Jahre meines Lebens gekostet“: So beschreiben manche Menschen bestimmte Schicksalsschläge in ihrem Leben. Arbeitslosigkeit kann eine solche unangenehme Erfahrung sein und wie eine aktuelle Studie nun vermuten lässt, könnte fehlende Beschäftigung auch tatsächlich alt machen. Die Forscher haben statistische Hinweise darauf gefunden, dass Arbeitslosigkeit an den Enden der Chromosomen nagt: Männer, die länger als zwei Jahre arbeitslos waren, haben vergleichsweise kurze Telomere – ein Zeichen für vorzeitige Alterung. Von diesem Effekt scheinen aber offenbar nur Männer betroffen zu sein.

Das Erbgut des Menschen ist im Kern einer jeden Körperzelle in einzelne Einheiten, den Chromosomen, zusammengefasst. Die Enden dieser Strukturen bezeichnet man als Telomere. Sie bestehen ebenso wie die Gene aus Nukleotiden, enthalten aber keine Bauanweisungen für Proteine oder Steuermoleküle. Beim Kopieren der DNA während der Zellteilung kommt es an den Enden neuer DNA-Stränge immer zu einem Verlust einiger Nukleotide. Ohne die Pufferfunktion der Telomere gehen somit bei jeder Zellteilung genetische Informationen verloren. Genau das ist nach derzeitiger Lehrmeinung auch die Ursache der Zellalterung. Sind die Telomere nach einer bestimmten Anzahl von Zellteilungen aufgebraucht, werden die Erbinformationen angegriffen und es kommt zur Bildung von schadhaften Zellen – wir werden alt. Kurze Telomere sind auch konkret mit einem höheren Risiko von altersbedingten Krankheiten wie Typ- 2-Diabetes und Herzerkrankungen verknüpft, zeigen Studien.

 

Frühere Untersuchungen hatten außerdem bereits belegt, dass Faktoren wie Rauchen, falsche Ernährung und chronischer Stress die Verkürzung der Telomere beschleunigen können. Es gibt auch Hinweise darauf, dass eine Kindheit in sozialer Kälte sich in verkürzten Telomeren widerspiegelt. Die Ergebnisse von Jessica Buxton vom Imperial College London und ihren Kollegen legen nun also auch einen ähnlichen Effekt von Arbeitslosigkeit nahe.

 

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Langzeitarbeitslosigkeit nagt offenbar an den Telomeren

 

Die Forscher haben für ihre Studie die Länge der Telomere von 5.620 finnischen Frauen und Männern des Jahrgangs 1966 untersucht. Neben DNA-Proben hatten diese Personen auch Informationen über ihre Beschäftigungsverhältnisse abgegeben und ob und wie lange sie einmal arbeitslos gewesen waren. Die Auswertungen zeigten: Männer, die mindestens zwei Jahre lang arbeitslos gewesen waren, hatten doppelt so häufig signifikant verkürzte Teleomere als Männer, die durchwegs in Beschäftigung gewesen waren. Die Ergebnisse hielten auch statistischen Verfahren stand, die systematisch andere Faktoren ausschließen, die zu dem Ergebnis geführt haben könnten – beispielsweise der Gesundheitszustand, oder sozioökonomische Faktoren. Die Forscher fanden den Zusammenhang zwischen verkürzten Telomeren und Arbeitslosigkeit allerdings nicht bei den Frauen. Warum das so ist, bleibt unklar.

 

„ Einige Studien haben bereits auf die negativen gesundheitlichen Folgen von Langzeitarbeitslosigkeit hingewiesen“, sagt Co-Autorin Leena Ala- Mursula von der finnischen Universität von Oulu. „Nun zeigt sich ein möglicher Hintergrund dieses Effekts auf zellulärer Ebene“. Ihr zufolge betone dieses Ergebnis, wie wichtig es ist, Menschen in Beschäftigung zu halten oder wieder zu bringen.

 

Originalarbeit der Forscher:

© wissenschaft.de – Martin Vieweg
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Im 20. Jahrhundert haben totalitäre rechte und linke Ideologien je auf ihre Weise unermessliches Unheil angerichtet. Ganz nebenbei haben sie auch die Wirtschaft der Länder ruiniert, in denen sie an der Macht waren. Trump hat daraus nichts gelernt. Er hat es auch schwer zur Zeit. Erst will Dänemark ihm nicht Grönland verkaufen, jetzt zahlt ihm auch noch China seine Strafzölle mit gleicher Münze heim. Da kann man schon mal richtig ärgerlich werden. So kann man mit der Hegemonialmacht des 20. Jahrhunderts doch nicht umgehen! Der große Dealmaker reagiert wie ein verwöhntes Kind, das seinen Willen nicht bekommt und sucht sich jemanden zum Herumkommandieren. Wenn die Chinesen nicht spuren, dann vielleicht die amerikanischen Unternehmen? Ihnen, so Trump, ist „hiermit befohlen, sich sofort um Alternativen zu China zu bemühen“.

Dass er gegenüber der Wirtschaft das Primat der Politik aufzeigt, ist nicht das erste Mal, damit begannen unsere Trump Lectures hier. Man könnte das als Rehabilitation der ursprünglich einmal freiheitlichen Idee des Sozialismus sehen. Wenn man Sozialismus als eine Perspektive begreift, den Menschen nicht zum Spielball von Profitinteressen zu machen, Freiheit auch als Freiheit von den Zwängen der Kapitalverwertung zu verstehen, ist das ja eine durchaus sympathische Idee. Man könnte dazu natürlich auch soziale Marktwirtschaft sagen (in einem emphatischen Wortsinn, nicht als Orwellscher INSM-Neusprech). Wenn man Sozialismus dagegen so versteht, dass anstelle von Kapitalinteressen Staatsfunktionäre in einer Kommandowirtschaft alles nach ihrer Pfeife tanzen lassen, dann ist das weder eine sympathische Idee noch wird es ökonomisch gut gehen. Siehe die Geschichte des 20. Jahrhunderts. Aber woher soll Trump das wissen?

http://scienceblogs.de/gesundheits-check/2019/08/24/von-trump-lernen-teil-13-wie-sozialismus-nicht-funktioniert/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=von-trump-lernen-teil-13-wie-sozialismus-nicht-funktioniert

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