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Man ist, was Mama isst

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Die Entwicklung des Geruchssinns beginnt offenbar schon im Mutterleib. Bild: Widdertier / pixelio.de
Was Frauen in der Schwangerschaft riechen und schmecken, beeinflusst offenbar die Gehirnentwicklung des ungeborenen Kindes. Das legen die Ergebnisse einer Studie mit Mäusen nahe, die ein internationales Forscherteam durchgeführt hat. Darin bevorzugte der Nachwuchs klar die Nahrung, die das Muttertier während der Trächtigkeit und der Zeit, in der es die Kleinen säugte, zu sich genommen hat – ein Phänomen, das auch bei Kindern auftritt. Offenbar handelt es sich dabei jedoch nicht, wie bislang angenommen, um einen reinen Gewöhnungseffekt, konnten die Wissenschaftler zeigen: Zumindest bei den jungen Mäusen lösen die Aromen im Fruchtwasser und später in der Milch die Bildung vergrößerter Nervenfasern im Riechkolben aus, einer Hirnregion, die für die Verarbeitung von Geruchssignalen zuständig ist. Sollte sich das auch beim Menschen bestätigen, zeige die Studie einmal mehr, wie wichtig es für Schwangere und stillende Mütter sei, auf gesunde Kost zu achten, berichten die Wissenschaftler um Josephine Todrank von der University of Colorado in Denver.

In ihrer zwei Jahre dauernden Studie untersuchten die Wissenschaftler drei Gruppen von trächtigen und säugenden Mäusen: Eine wurde mit geschmacksneutralem Futter gefüttert, die beiden anderen bekamen entweder nur während der Trächtigkeitsphase oder der Säugeperiode aromatisiertes Futter mit Minz- oder Kirschgeschmack. Ergebnis: Die Jungtiere bevorzugten nach der Entwöhnung das Futter, das auch die Mutter zu fressen bekommen hatte. Entweder entwickelten die kleinen Mäuse eine Vorliebe für Minz-Futter oder aber sie gaben dem Futter mit Kirsch-Geschmack den Vorzug. Dabei spielte es keine Rolle, ob das Muttertier das entsprechende Futter während der Trächtigkeit oder der Säugephase gefressen hatte. Die Mäusejungen, deren Mütter mit dem neutralen Futter gefüttert worden waren, hatten dagegen keine Vorlieben entwickelt: Ihnen war es gleich, ob das Futter nach Kirsche, Minze oder nach gar nichts schmeckte.

Eine genauere Analyse zeigte anschließend, dass die Aromen bei den Kleinen nicht nur Geschmacksvorlieben geweckt, sondern auch die Entwicklung des Gehirns geprägt hatten: Die Jungtiere, deren Mütter aromatisiertes Futter bekommen hatten, hatten wesentlich größere Geruchs-Nervenfasern im Riechkolben entwickelt. Diese Fasern bestimmen, wie Gerüche im Gehirn verarbeitet werden. Offenbar hat das Bukett des Fruchtwassers beziehungsweise der Milch also einen großen Einfluss darauf, wie sich das Sinnessystem im Gehirn entwickelt, schließen die Forscher. Da Kinder ebenfalls eine Vorliebe für die Geschmacksnoten entwickeln, die ihre Mutter während der Schwangerschaft bevorzugt hat, halten die Wissenschaftler es für wahrscheinlich, dass es auch beim Menschen zu einer Umbildung im Riechkolben kommt.

„Das, was eine Schwangere zu sich nimmt, hat bleibende Auswirkungen auf das Kind – im Guten wie im Schlechten“, ist sich Studienleiterin Todrank sicher. Diese Weichenstellung erstrecke sich beispielsweise auch auf Suchtmittel wie Alkohol: Wenn die Mutter in der Schwangerschaft Alkohol trinke, bilde das Kind mit einer hohen Wahrscheinlichkeit später ebenfalls eine Vorliebe für das Rauschmittel aus – schließlich werde alles, was von der Mutter kommt, vom Nachwuchs als ungefährlich eingestuft und entsprechend später bevorzugt. Auch aus diesem Grund sollten Schwangere also auf keinen Fall Alkohol konsumieren. Wie lange solche Vorlieben und die dafür verantwortlichen Strukturänderungen im kindlichen Gehirn anhalten, ist bislang allerdings noch nicht klar. Dieser Frage wollen die Forscher in einer weiteren Studie nachgehen.

Josephine Todrank (University of Colorado in Denver) et al.: Proceedings of the Royal Society B, doi:10.1098/rspb.2010.2314 dapd/wissenschaft.de ? Peggy Freede
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