Marine Hitzewellen: Gefahr für Delfine? - wissenschaft.de
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Marine Hitzewellen: Gefahr für Delfine?

Delfine
Delfinmutter mit Kalb in Shark Bay. (Bild: Sonja Wild)

Auch in den Ozeanen gibt es immer häufiger Hitzewellen – Tage mit unnormal hoher Wassertemperatur. Jetzt legt eine Studie nahe, dass solche Hitzeperioden einen überraschend anhaltenden Einfluss auf Delfine haben. In Australien sank nach einer starken Hitzewelle nicht nur die Überlebensrate der erwachsenen Delfinweibchen, auch die Fortpflanzung der Überlebenden sank stark ab. Noch sechs Jahre später gebaren die Delfinweibchen weniger Kälber als zuvor.

Mit dem Klimawandel mehren sich nicht nur Wetterextreme an Land. Auch die Ozeane erleben häufiger Perioden besonders warmer Wassertemperaturen. Solche marinen Hitzewellen gab es unter anderem 2003 im Mittelmeer, 2011 vor Westaustralien und 2012 im Nordwest-Atlantik. 2016 verursachte eine solcher Warmwasserschub am Great Barrier Reef vor Australien die bisher schlimmste Korallenbleiche.

Wenn das Meer Hitzewallungen hat

Die negativen Folgen solcher marinen Hitzewellen auf wirbellose Tiere, Fische und Meerespflanzen sind schon recht gut untersucht. Weil diese Organismen ihre Körpertemperatur nicht aktiv regulieren können, reagieren sie schon auf wenige Grad Veränderung der Wassertemperatur empfindlich. Korallen und Seetang sterben, Fischpopulationen kollabieren oder wandern ab und die marine Artenvielfalt insgesamt nimmt dadurch ab. Dies war auch nach der schweren Hitzewelle 2011 vor Westaustralien der Fall: Der Anstieg der Wassertemperaturen um mehr als vier Grad über den langjährigen Durchschnitt tötete große Teile der Seegraswiesen und der Fischbestände.

Doch ob und wie solche marinen Hitzewellen auch Tiere an der Spitze der marinen Nahrungsketten beeinträchtigen, ist bisher nur wenig untersucht. Um dies zu klären, haben Sonja Wild von der Universität Zürich und ihre Kollegen Delfine in der Shark Bay in Westaustralien untersucht. Anhand von Langzeitdaten zur Fortpflanzung und Mortalität dieser hunderte Tiere umfassenden Populationen wollten sie klären, ob sich die Hitzewelle von 2011 und deren unmittelbare Folgen auf das Überleben und den Fortpflanzungserfolg von Delfinen ausgewirkt hat.

Weniger Kälber – noch sechs Jahre später

Es zeigte sich: Nach der marinen Hitzewelle sank die Überlebensrate der Delfine messbar – im Schnitt um rund zwölf Prozent, wie die Forscher berichten. Dabei gab es jedoch auffällige Unterschiede zwischen den Delfingruppen: Die Meeressäuger, die gelernt hatten, Schwämme als Werkzeug bei ihrer Nahrungssuche zu nutzen, waren weniger stark von den Folgen der Hitzewelle betroffen als die Tiere, die diese Technik nicht beherrschten. Offenbar ermöglichte es die „Schwammtechnik“ den Delfinen, beispielsweise einen Futtermangel noch halbwegs auszugleichen.

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Doch es gab noch eine weitere Folge der Hitzewelle auf die Delfine – und diese erwies sich als überraschend langanhaltend: Selbst sechs Jahre nach dem Ereignis bekamen die Delfine der Shark Bay weniger Kälber als zuvor. Warum der Fortpflanzungserfolg gesunken ist, ist bislang unklar. Als mögliche Ursachen sehe die Forscher jedoch eine Vernachlässigung der Kälber, eine erhöhte Neugeborensterblichkeit oder eine Verzögerung der Geschlechtsreife. „Das Ausmaß des negativen Einflusses der Hitzewelle hat uns überrascht“, sagt Wild. „Äußerst ungewöhnlich ist insbesondere, dass sich der Fortpflanzungserfolg der Weibchen selbst nach sechs Jahren noch nicht normalisiert hatte.“

Diese Ergebnisse belegen erstmals, dass marine Hitzewellen nicht nur Tiere am unteren Ende der Nahrungsketten bedrohen, sondern auch Meeresbewohner an ihrer Spitze beeinträchtigen. „Marine Hitzewellen werden aufgrund des Klimawandels in Zukunft gehäuft auftreten“, betont Wilds Kollege Michael Krützen. „Dies ist nicht nur problematisch für die langfristige Perspektive von Delfinpopulation, sondern für die gesamten Ökosysteme des Meeres.

Quelle: Universität Zürich; Fachartikel: Current Biology, doi: 10.1016/j.cub.2019.02.047

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Was passiert eigentlich wenn radioaktiv verstrahlte Personen Kinder kriegen wollen? Kommen die dann mit Mutationen und Erbkrankheiten zur Welt? Haben die eine erhöhte Chance, selber Krebs zu bekommen? Das Ganze sind nicht nur hypothetische Fragestellungen für Überlebende von Hiroshima und Nagasaki, Liquidatoren von Tschernobyl und Arbeitern aus Fukushima, sondern ganz konkrete Problemstellungen für mich und andere Leute nach überstandener medizinischer Strahlentherapie.

Bei meiner Strahlentherapie habe ich doppelt so viel Strahlung abbekommen wie der durchschnittliche Arbeiter in Tschernobyl. Das gilt auch für viele andere Personen, die eine medizinische Strahlentherapie hinter sich hatten, ist aber in der aktuellen Weltlage so ziemlich die einzige Möglichkeit genug Strahlung abzubekommen, damit die obige Fragestellung relevant wird. Die Menschen, die durch einen Strahlenunfall aktuell eine deutlich hohe Dosis abbekommen haben, kann man dagegen weltweit an einer Hand abzählen. Wenn man eine Zahl im zweistelligen (oder höheren) Bereich haben will, dann muss man zu den großen historischen Unfällen gehen, die ich weiter oben erwähnt habe.

Dabei gibt es einen großen Unterschied zwischen Krebspatienten mit Strahlentherapie und Menschen, die nur Strahlung abbekommen haben. Denn so ziemlich alle Chemo-Medikamente wirken auch auf die Genetik der Fortpflanzung. Meine Gedanken dazu habe ich damals in meinem Tagebuch-Beitrag beschrieben und werde ich hier nicht nochmal durchkauen. Hier soll es nur um Menschen gehen, die ausschließlich ionisierende Strahlung abbekommen haben. Krebspatienten wenden sich bitte an ihre behandelnden Ärzte.

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Also bekommen verstrahlte Leute nun Babys mit höherem Krebsrisiko oder anderen Mutationen? Die verblüffende Antwort darauf ist ein klares ‘Nein’. Nach allem, was wir heute wissen, gibt es kein signifikant erhöhtes Risiko für Kinder von verstrahlten Menschen.

Die größte Studie dazu ist wohl wieder mal die LSS – Life Span Study, basierend auf den Atombombenabwürfen von Hiroshima und Nagasaki [1]. Hier wurden über 120.000 Überlebende lebenslang medizinisch begleitet und ihre Gesundsheitslebensläufe dokumentiert. Dabei wurde herausgefunden, dass es keinerlei statistisch signifikanten erhöhten Krebsraten oder Krankheiten bei den Kindern der Atombombenüberlebenden gibt. Wobei die Untersuchungen immer noch andauern, weil die Kinder der Überlebenden aktuell eben maximal 70 Jahre alt sind und somit ihre gesamt Lebensstatistik noch nicht erfasst worden ist.

Letzteres ist streng genommen nicht nur eine akademische Einschränkung, denn die 70 jährigen Kinder der Atombombenabwürfe sind jetzt gerade in dem Alter, in dem Menschen normalerweise an altersbedingten, normalem Kreb erkranken. Aber die Betreuer der Studie(n) erwarten da eigentlich keine größeren Überraschungen mehr, auch wenn man formal die Beobachtung erst in ca. 30 Jahren abschließen kann.

Wie kommt es nun zu dieser recht klaren Beobachtung, die der vorherrschenden Meinung in Popkultur, Romanen und Science-Fiction Büchern widerspricht?

Nun ja, die vorherrschende Meinung findet halt Gefallen an dreiäugigen Fischen, Godzilla-artigen Echsen und dreibrüstigen Nutten vom Mars. Das ist eine der wenigen Möglichkeiten, Mutationen in Film oder Literatur darzustellen, weil man eben etwas zeigen muss, was Leute sehen können und eine Chromosomentranslokation zwischen 9 und 22 gehört halt leider nicht dazu. Mutationen lösen in der Realität halt eben nur Krebs aus und machen keine Extraorgane oder Superfähigkeiten… leider.

Dieses komische, auf den ersten Blick unnötig komplizierte Prinzip mit der Eizelle, die einmal im Monat reift und den Millionen Spermien, die zu einem Wettrennen aufbrechen, ist anscheinend genau dazu da, um zu verhindern, dass radioaktiv verstrahlte Personen mutierte Kinder bekommen. Denn wenn nun eine Eizelle durch radioaktive Strahlung mutiert ist, dann wird in dem ganzen komplizierten Prozess von Reifung, Befruchtung und Zellteilung ein solch großer Fehler passieren, dass die Zelle abstirbt und es nicht zu Nachkommen kommt. Wenn Spermien mutiert sind, dann können sie nicht vernünftig schwimmen und werden somit das Wettrennen gegen gesunde Spermien verlieren.

Das ist jetzt extrem vereinfacht ausgedrückt, aber grundsätzlich das Prinzip, mit dem unser Körper die Menschheit vor unkontrollierten Mutationen schützt. Während es in unserer Evolution als Einzeller noch von Vorteil war, möglichst viele Mutationen in kürzester Zeit zu bekommen, so hat sich dies geändert, als wir den Status von Mehrzellern erreicht hatten. Von da an mussten unsere gallertartigen Vorfahren Mechanismen entwickeln, um sich vor Radioaktivität zu schützen und diese komplizierte Art der Fortpflanzung ist eine Möglichkeit, eben dies zu tun.

En|u|re|sis  〈f.; –; unz.; Med.〉 Bettnässen, unwillkürlicher nächtlicher Harnabgang [<grch. en ... mehr

Un|ter|arm  〈m. 1; Anat.〉 Teil des Armes zw. Hand u. Ellenbogen; Ggs Oberarm ... mehr

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