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Gesellschaft+Psychologie Umwelt+Natur

Markant aussehen gilt als gesund

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Von einem Mann haben englische Wissenschaftler eine eher weibliche (links) und eine eher männliche Version errechnet. Insgesamt 20 dieser Paare legten sie Frauen zur Beurteilung der Attraktivität vor. Foto: Lisa DeBruine
Frauen wählen eher Männer mit markanten Gesichtszügen als Partner aus, wenn es um die allgemeine Gesundheit und die medizinische Versorgung in ihrem Land schlecht bestellt ist. Das haben englische Forscher in einer Studie mit rund 5000 Frauen in 30 Ländern herausgefunden. Eine robuste Gesundheit des Nachwuchses ist in Ländern mit vielen ansteckenden Krankheiten sowie niedriger Lebenserwartung ein hohes Gut und maskuline Gesichtszüge werden bei Männern mit guter Gesundheit und Fitness in Verbindung gebracht. Im Vergleich mit Männern mit weicherer Physiognomie werden sie aber generell als weniger zuverlässige und fürsorgliche Väter eingeschätzt. In Ländern mit einem hohen Gesundheitsindex haben deshalb Männer mit eher femininen Gesichtszügen eine höhere Chance, ausgewählt zu werden.

Die Partnerwahl bei Menschen ist ein beliebtes Forschungsfeld. Bisher kaum untersucht war aber die Frage, wie die Partnerwahl von Frauen von äußeren Faktoren wie den Gesundheitsbedingungen abhängt. Diese Lücke konnte jetzt in einer Studie mit 4794 Frauen aus 30 Ländern geschlossen werden. Die Wissenschaftler um Lisa DeBruine von der University of Aberdeen berechneten mit Hilfe eines Computerprogramms 20 männliche Durchschnittsgesichter. Von diesen Prototypen wurden dann jeweils zwei neue Gesichter kreiert ? eines mit eher männlichen und eines mit eher weiblichen Gesichtszügen. Diese wurden nun den Frauen vorgelegt und sie entschieden, welches der beiden sie attraktiver fanden. Die Resultate verglichen die Forscher dann mit einem Gesundheitsindex des Herkunftslandes der Frau. Der Kriterienkatalog setzte sich aus acht verschiedenen Kennzahlen zusammen, unter anderem Säuglingssterblichkeit, Lebenserwartung und Todesfälle durch ansteckende Krankheiten.

Dabei zeigte sich ein Zusammenhang, der bisher nur vermutet worden war: Je tiefer der Gesundheitsindex, desto deutlicher tendierten die Frauen bei der Partnerwahl zu Männern mit maskulinen Gesichtszügen. Die Wissenschaftler erklären sich diese Tatsache damit, dass in einer Umwelt, die viele Gefahren für die Gesundheit birgt, gesunde Nachkommen besonders überlebensfähig sind. Wie bereits frühere Studien zeigten, wird die Wahrscheinlichkeit dafür durch männliche Gesichtszüge des Vaters erhöht.

Wieso wählen aber nun nicht auch die Frauen aus Ländern mit einem hohen Gesundheitsindex gleichermaßen Partner mit markanten Gesichtszügen, wenn diese Wahl so vorteilhaft ist und am ehesten zu gesundem Nachwuchs verhilft? Der Grund dafür ist, dass diese Männer im Ruf stehen, schlechtere Väter zu sein. Ihnen wird ? durch Studien belegt ? eher weniger Interesse an langfristigen Beziehungen zugeschrieben. In Ländern, wo die Gefahren für die Gesundheit geringer sind und auch etwas weniger robuste Nachkommen überleben können, entscheiden sich die Frauen deshalb eher für die besseren Väter als Partner.

Lisa DeBruine (University of Aberdeen) et al.: Proceedings of the Royal Society B i, doi:10.1098/rspb.2009.2184 ddp/wissenschaft.de ? Thomas Neuenschwander
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