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Massensterben auf einen Schlag

Ein amerikanischer Wissenschaftler hat erstmals die verheerenden Folgen eines Schlaganfalls in Zahlen gefasst: Nach einem unbehandelten Anfall sterben demnach jede Minute knapp 2 Millionen Gehirnzellen. Im Vergleich zum normalen Alterungsprozess lässt dieser immense Zellverlust das Gehirn pro Stunde um 3,6 Jahre altern. Die Daten zeigten einmal mehr, wie wichtig eine schnelle Behandlung nach einem Schlaganfall sei, betont Jeffrey Saver.

Immer wieder mahnen Mediziner, nach einem Schlaganfall sofort den Notarzt zu rufen. Wie wichtig das ist, machen auch die Zahlen deutlich, die Saver auf Basis einer Analyse der Fachliteratur berechnet hat: Im Schnitt, so seine Ergebnisse, dauert es 10 Stunden, bis sich ein Schlaganfall voll ausbildet. Betroffen ist dabei ein Gehirnvolumen von durchschnittlich 54 Millilitern, was etwa dem Inhalt von zweieinhalb Schnapsgläschen entspricht. Direkt nach dem Schlag sterben jede Minute 1,9 Millionen Nervenzellen, 14 Milliarden Kommunikationsstellen und 12 Kilometer Nervenfasern ab. Bei 22 Milliarden Zellen im Vorderhirn sind demnach bereits nach zwei Stunden über ein Prozent der Neuronen unwiederbringlich zerstört.

Schlaganfälle sind in Deutschland die dritthäufigste Todesursache und treffen etwa jeden fünften der über 65-Jährigen. Ursache ist in den meisten Fällen ein blockiertes Gefäß, das den Blutfluss in das dahinter liegende Gewebe unterbricht. Als Folge der fehlenden Sauerstoff- und Nährstoffzufuhr sterben die meisten der betroffenen Nervenzellen ab, was zu Seh- oder Sprachstörungen, Schwindel oder auch der gefürchteten halbseitigen Lähmung führen kann. Wie Savers Daten nun zeigen, ist es essenziell, das blockierte Gefäß so schnell wie möglich wieder durchlässig zu machen, um größere Schäden zu verhindern.

Jeffrey Saver ( Universität von Kalifornien, Los Angeles): Stroke, Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1161/01.STR.0000196957.55928.ab ddp/wissenschaft.de ? Ilka Lehnen-Beyel
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