Maßgeschneiderte Stammzellen ohne Klonen - wissenschaft.de
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Maßgeschneiderte Stammzellen ohne Klonen

Maßgeschneiderte embryonale Stammzellen könnten in Zukunft auch ohne den umstrittenen Klonschritt hergestellt werden: Amerikanischen Wissenschaftlern ist es gelungen, erwachsene Hautzellen so umzuprogrammieren, dass sie sich wie vielseitige embryonale Stammzellen verhalten. Dazu verschmolzen die Forscher Zellen einer embryonalen Stammzelllinie mit bereits spezialisierten, erwachsenen Hautzellen. Die daraus hervorgehenden Hybridzellen nutzten die genetische Information der Hautzellen, besaßen jedoch alle Kennzeichen unspezialisierter embryonaler Zellen. Für einen späteren therapeutischen Einsatz müssen die Forscher allerdings noch einen Weg finden, das aus der Zelllinie stammende überflüssige Erbgut zu entfernen.

Maßgeschneiderte embryonale Stammzellen, die jedes beliebige Körpergewebe bilden und gleichzeitig vom Immunsystem nicht als fremd erkannt werden, gelten als Hoffnungsträger für die Behandlung von Krankheiten wie Parkinson, Alzheimer und Diabetes. Die bislang einzige Möglichkeit, die vielseitigen Zellen herzustellen, ist das so genannte therapeutische Klonen. Dabei wird der Kern einer Zelle des Spenders in eine leere Eizelle eingesetzt, die anschließend dazu angeregt wird, sich zu teilen. Auf diese Weise entsteht ein Embryo, der das gleiche Erbgut besitzt wie der Spender. Nach einigen Tagen werden dann aus diesem Embryo die wertvollen embryonalen Stammzellen gewonnen ? ein Vorgang, bei dem der Embryo getötet wird.

Nach den Ergebnissen von Chad Cowan und seinen Kollegen könnte der umstrittene Klonschritt jedoch umgangen werden. Die Forscher setzten die Kerne der erwachsenen Zellen nicht in Eizellen ein, sondern vereinigten sie mit bereits existierenden embryonalen Stammzellen. Tatsächlich glichen die fusionierten Zellen im Aussehen, in ihrer Teilungsrate und ihrer Wachstumsgeschwindigkeit den unspezialisierten Stammzellen, entdeckten die Wissenschaftler. Auch besaßen sie die Fähigkeit, jeden der drei Gewebetypen zu bilden, die einen sich entwickelnden Embryo ausmachen.

Die Ergebnisse zeigen nach Ansicht der Forscher, dass die embryonalen Stammzellen genauso wie Eizellen in der Lage sind, das genetische Programm des erwachsenen Zellkerns zu löschen und es durch eine embryonale Prägung zu ersetzen. Ein wichtiges Problem haben die Wissenschaftler jedoch noch nicht gelöst: Die Hybridzellen enthalten nicht nur das Erbgut der Hautzellen, auf das sie zugreifen, sondern zusätzlich noch das der ursprünglichen Stammzelle. Sollte es gelingen, dieses überzählige Erbmaterial zu entfernen, sei die Methode eine Alternative zum therapeutischen Klonen, kommentieren die Forscher. Die ethischen Bedenken wird jedoch auch dieses Verfahren nicht ganz zerstreuen können, denn zur Gewinnung der Ausgangszellen müssen ebenfalls Embryonen getötet werden.

Chad Cowan et al. (Harvard-Universität, Cambridge, USA): Science (Bd. 309, S. 1369)

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ddp/wissenschaft.de ? Ilka Lehnen-Beyel
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