Mathe ist Babykram - wissenschaft.de
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Mathe ist Babykram

Bereits im Alter von neun Monaten verstehen Kinder mathematische Grundprinzipien wie Addieren oder Subtrahieren. Dieses Verständnis umfasst nicht nur die Zahlen eins und zwei, die sehr gut bildlich vorstellbar sind, sondern auch größere und damit abstraktere Zahlen wie fünf und zehn. Das haben amerikanische Psychologen gezeigt. Koleen McCrink und Karen Wynn von der Yale-Universität in New Haven schließen aus diesen Ergebnissen, dass ein mathematisches Grundverständnis angeboren ist und sich nicht erst mit dem Erlernen einer Sprache ausbildet. Die Psychologinnen stellen ihre Studie in der Fachzeitschrift Psychological Science vor (November-Ausgabe, Bd. 15, Nr. 11).

Bereits in früheren Studien hatte es Hinweise auf ein mathematisches Talent bei Kleinkindern gegeben. Dabei blieb jedoch ungeklärt, ob die Kinder einen so genannten Zahlensinn haben, mit dem sie numerische Größenordnungen abschätzen können, oder ob sie eher ihre bildliche Vorstellungskraft nutzen. Um diese Frage zu klären und das tatsächliche Additions- beziehungsweise Subtraktionsvermögen zu testen, ließen die Psychologinnen 26 Kinder im Alter von etwa neun Monaten kurze Filme auf einem Monitor anschauen.

In diesen Filmen erschienen beispielsweise fünf Rechtecke, die eine zeitlang sichtbar blieben und dann hinter einer Abdeckung verschwanden. Anschließend erschienen fünf weitere Rechtecke, die sich nach einer gewissen Zeit ebenfalls hinter die Abdeckung bewegten. Danach wurde die Abdeckung entfernt, und es kamen entweder die korrekten zehn Rechtecke zum Vorschein oder nur fünf. Subtraktionen wurden auf eine ähnliche Weise dargestellt.

Während die Kinder diese Filme betrachteten, wurde von den Psychologinnen genau beobachtet, wie lange die Kleinen nach der Entfernung der Abdeckung ihre Aufmerksamkeit der Anzahl der Rechtecke zuwandten. Eine verlängerte Aufmerksamkeit gilt dabei als Hinweis darauf, dass Kinder etwas Unerwartetes sehen. Tatsächlich betrachteten die Kinder den Bildschirm deutlich länger, wenn die Anzahl der dargestellten Objekte nicht dem korrekten Rechenergebnis entsprach.

Dieses Verhalten lasse darauf schließen, dass Kleinkinder wirklich die Größenordnung von Zahlen abschätzen könnten, schreiben McCrink und Wynn. Diese Fähigkeit, die auch bei vielen Tieren vorkommt, spiele wahrscheinlich besonders bei größeren Zahlen eine Rolle, während kleine Zahlen bis vier eher mithilfe einer Objekterfassung erkannt würden, die auf einem guten räumlichen und bildlichen Sehen basiere. Die Forscherinnen wollen in weiteren Versuchen testen, wie genau das kindliche Schätzsystem Zahlen unterscheiden kann.

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ddp/bdw ? Ilka Lehnen-Beyel
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