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Maulwurf-Alarm

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Die Fähnchen markieren Stellen, an denen Regenwürmer nach der Vibration an die Erdoberfläche gekrochen sind. Foto: Kenneth Catania, Vanderbilt-Universität
Der US-Biologe Ken Catania hat entdeckt, warum Regenwürmer an die Erdoberfläche kommen, wenn sie Vibrationen des Bodens spüren: Sie vermuten dahinter nicht einen Regenguss, durch den sie ertrinken könnten, sondern einen grabenden Maulwurf, ihren gefährlichsten Todfeind. Nachgewiesen hat Catania diesen Zusammenhang mit Hilfe von „Wurmgrunzern“ (worm grunters) in Florida. Das sind Menschen, die die Tiere zu Tausenden mit in den Boden geschlagenen Stöcken und darübergezogenen Metallstücken hervorlocken, um sie dann einzusammeln. Die Geräusche, die die Stöcke während dieses „Grunzens“ von sich geben, ähneln stark denen eines Maulwurfs, konnte Catania zeigen. Ein simulierter oder auch ein echter Regenschauer lässt die Würmer hingegen nahezu kalt.

Vor allem im Nordwesten Floridas hat das Wurmgrunzen eine lange Tradition. In den 1960er Jahren wurde es sogar so exzessiv betrieben, dass die Behörden aus Angst um den Fortbestand der lokalen Wurmpopulationen die Praxis nur noch eingeschränkt zuließen. Es gibt jedoch auch heute noch Wettkämpfe und ein jährlich stattfindendes Festival der Wurmgrunzer. Warum die Würmer allerdings so extrem auf die Geräusche reagieren, war bislang trotz der langen Tradition unklar. Eine Theorie besagte, dass die Vibrationen der Stöcke dem Klopfen des Regens auf den Boden ähneln und die Würmer aus Angst vor dem Ertrinken nach oben kommen. Eine andere These, die bereits Charles Darwin geäußert hat, lautet hingegen, dass sich die Würmer vor grabenden Maulwürfen in Sicherheit bringen wollen.

Deswegen untersuchte der Maulwurfexperte Catania nun die Technik des Wurmgrunzens und die Reaktionen der Regenwürmer auf sich nähernde Maulwürfe und Regenschauer. Die Vibrationen der Stöcke ließen in einem Umkreis von etwa zwölf Metern innerhalb von wenigen Minuten Regenwürmer auftauchen, konnte er mit Hilfe zweier erfahrener Wurmgrunzer zeigen. Das Schallspektrum des Grunzens ähnelte dabei dem, das ein Maulwurf beim Buddeln produziert. Als Catania zudem einige Würmer zusammen mit einem Maulwurf in eine Kiste mit Erde sperrte, buddelten die Würmer sich sofort schleunigst in Richtung Oberfläche. Bei einem simulierten Regenschauer kamen dagegen nur drei Würmer nach oben, und die anderen schienen selbst nach einer längeren Zeit in der durchweichten Erde bei bester Gesundheit zu sein.

Ein Maulwurf schaffe es problemlos, jeden Tag sein eigenes Körpergewicht in Würmern zu verspeisen, erläutert der Wissenschaftler. Er ist daher eine so große Bedrohung für die Regenwürmer, dass sie den Fluchtreflex an die Oberfläche über alles andere stellen ? selbst dann, wenn ihnen genau das zum Verhängnis wird. Denn neben den Wurmgrunzern hätten auch Schildkröten und verschiedene Vögel gelernt, die Maulwurfsvibrationen zu imitieren. Allerdings scheine es auch Regenwurmarten zu geben, die mit Wasser in der Erde nicht so gut klarkommen wie die jetzt untersuchten. Das seien dann genau die Würmer, die nach einem heftigen Guss auf den Straßen zu sehen sind.

Kenneth Catania (Vanderbilt-Universität in Nashville): PLoS one, Bd. 3, Nr. 10, Artikel e3472. ddp/wissenschaft.de ? Ilka Lehnen-Beyel
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