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Medikamentenwirkung ist nicht von der ethnischen Herkunft abhängig

Ein Medikament, das dem einen Patienten hilft, kann beim nächsten völlig wirkungslos bleiben – die Umsetzung der Wirkstoffe im Körper ist je nach Alter, Geschlecht, und Umfeld verschieden. Doch die ethnische Herkunft als Unterscheidungsmerkmal ist hier ungeeignet, haben britische Forscher jetzt festgestellt. Zwar sind auch die Gene dafür verantwortlich, wie die Wirkstoffe verarbeitet werden. Doch seien die genetischen Unterschiede viel feiner, berichten die Genetiker vom University College London: Man könne nicht aus dem Zusammenhang „gleiche Rasse bedeutet gemeinsame Gene“ auf eine vergleichbare Medikamentenwirkung zu schließen.

Dies erklärt, weshalb Medikamentenstudien zu unklaren Ergebnissen kommen, wenn sie ihre Probanden nach der ethnischen Herkunft – in vielen Fällen nur nach der Hautfarbe – einstufen. Auch innerhalb einzelner Volksgruppen können die Stoffwechsel-Unterschiede so variieren, dass das Ziel der Forscher klar ist: Eines Tages soll es die persönlich abgestimmten Medikamente geben. Deren Wirkstoffe sind auf den genetischen Code des Patienten abgestimmt und können im Körper optimal verarbeitet werden.

„Viele Medikamente mit therapeutischem Potenzial erreichen nie den Markt, aufgrund von negativen Reaktionen bei Einzelpersonen, während andere weitverbreitete Medikamente nur für einen Bruchteil der Bevölkerung effektiv sind“, schreiben die Forscher um David Goldstein im Fachmagazin „Nature Genetics“. Das Team untersuchte die X-Chromosomen von 354 Probanden aus acht Bevölkerungsgruppen: Südafrikanischen Bantu, Oromo-sprechende Äthiopier, Armenier, Aschkenasische Juden, Norweger, Chinesen aus der Provinz Sichuan, Menschen aus Papua-Guinea und Afro-Kariben aus London. Ohne Kenntnis dieser ethnischen Einteilung ordneten sie das Erbgut der Probanden vier genetischen Gruppen zu, je nach Häufigkeit verschiedener Gen-Varianten, die für Enzyme zur Verarbeitung von Medikamenten zuständig sind.

„Wir können zeigen, dass die üblichen ethnischen Kategorien (wie „Schwarze“, „Weiße“ und „Asiaten“) unzureichend sind und wenig akkurate Beschreibungen der menschlichen genetischen Struktur darstellen“, erklären die Forscher. Denn beim Vergleich der ethnischen Einteilung mit den genetischen Gruppen stellten sie beispielsweise fest: 62 Prozent der schwarzen Äthiopier fallen genetisch in die Gruppe der meisten Norweger, Juden und Armenier. Nur 24 Prozent der Äthiopier sind, trotz ähnlicher Hautfarbe, den Bantu und den meisten Afro-Kariben zuzuordnen. 21 Prozent der Afrokariben hingegen passen in Sachen Medikamenten-Reaktion eher zur Norweger-Juden-Armenier-Gruppe. Und die Probanden aus China und Papua-Neu Guinea, die allgemein unter „Asiaten“ klassifiziert werden, fallen beinah komplett in unterschiedliche Erbgut-Gruppen.

Dörte Saße
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