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Mehr als schöner Schein

Placebo-Medikamente können nicht nur Schmerzen lindern, sondern helfen auch bei emotionaler Belastung. In beiden Fällen wird durch das Placebo eine bestimmte Gehirnregion messbar aktiviert, haben schwedische Forscher herausgefunden. Eine wichtige Rolle spielt dabei, was die jeweilige Versuchsperson von dem Medikament erwartet, erklären die Forscher.

Mediziner wissen seit langem, dass Placebos bei körperlichen Beschwerden helfen können. Die Wirkung dieser Mittel zeigt sich nicht nur im subjektiven Empfinden der Patienten, sondern ist auch im Gehirn direkt messbar, haben frühere Studien gezeigt. Ähnlich wirken sie auch auf emotionaler Ebene, wie Petrovic und seine Kollegen nun in ihrer Studie zeigen konnten. Die Forscher ließen dafür 15 Freiwillige unangenehme Bilder etwa verstümmelter Körper betrachten. Am ersten Tag gaben sie den Probanden ein wirksames Medikament gegen die dabei auftretenden Beklemmungen. Am nächsten Tag mussten die Versuchspersonen die gleichen Bilder betrachten, erhielten dieses Mal jedoch ? ohne es zu wissen ? nur ein Placebo-Mittel. Zugleich beobachteten die Wissenschaftler über funktionelle Magnetresonanztomografie (fMRT) die Reaktionen im Gehirn der Probanden.

11 der 15 Testpersonen berichteten nach dem Versuch, dass ihre Beklemmung auch bei der Placebo-Behandlung deutlich, teilweise fast um ein Drittel nachgelassen habe. Diese subjektive Empfindung wurde durch die fMRT-Messung bestätigt: Das Placebo reduzierte ? ähnlich dem echten Medikament ? nachweislich die Aktivität der Emotionszentren im Gehirn. Auffallend war, dass zudem durch das Scheinmittel das gleiche Netzwerk im Gehirn aktiviert wurde wie bei der Placebo-Schmerzbehandlung.

Entscheidend bei der Placebo-Wirkung war die individuelle Erwartungshaltung, betonen Petrovic und seine Kollegen. Je stärker das Medikament am ersten Tag gewirkt hatte, desto stärker war auch die subjektive und objektive Wirkung des Placebos am zweiten Tag. Da dabei offenbar sowohl auf körperlicher als auch auf emotionaler Ebene ähnliche Mechanismen im Gehirn ablaufen, könnte es sich bei dem Placebo-Effekt um einen generellen Prozess handeln ? stark abhängig von den jeweiligen Erwartungen der betroffenen Person.

Predrag Petrovic ( Karolinska-Institut, Stockholm) et al.: Neuron, Bd. 46, S. 957

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ddp/wissenschaft.de ? Stefanie Offermann
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