Mehr Ballast! Weniger Ballast! - wissenschaft.de
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Umwelt+Natur

Mehr Ballast! Weniger Ballast!

Unlängst vor dem Eingang zum Dallmayr fiel mir die Parallele zum ersten Mal so richtig auf. Ein dicker 7er BMW mit einem beleibten Herrn, der sich etwas ungelenk aus dem Wagen hievte, weil er seiner Frau entgegen gehen wollte, die mit einem schicken Tütchen (vielleicht mit „Prodomo“) aus dem hübschen Münchner Kaffee- und Delikatessenhaus stöckelte. Nicht, dass jeder Herr, der aus einem 7er BMW aussteigt, beleibt wäre. Beileibe nicht. Man denke nur an Stoiber.

Vor einigen Wochen hat das Minister-Duo Schmidt und Seehofer eine Aktionskampagne gegen das Übergewicht verkündet, denn von 80 Millionen Deutschen seien 39 Millionen zu dick. Heere von Beamten hatten im Vorfeld ein interministerielles Eckpunktepapier verfasst, damit der Deutsche wieder leicht und beweglich wird wie eine Feder. Während man dem fetten Menschen mehr Ballaststoffe und mehr Bewegung verordnet, lautet die Diät für das fette Auto: weniger Ballast und weniger Bewegung. Im Ernst: Es wäre prima, wenn unser Land nun eine Parallelaktion gegen die Saurier auf unseren Straßen planen würde, gegen die übergewichtigen Bullen, die einfach nicht aussterben wollen, obwohl ihre Zeit auf Erden doch längst abgelaufen ist. Die Parallelaktion müsste für die clevere Entwicklung sparsamer und dennoch schneller Autos werben. Schnell und sparsam, das geht nicht? Doch. Auf Seite 51 stellen wir den Loremo vor, der 220 km/h fährt und 2,7 Liter Diesel braucht. Nimmt man die kleinere Version, fährt er 160 und verbraucht sagenhafte 1,5 Liter. Nicht etwa, dass dieses Fahrzeug der Weisheit letzter Schluss wäre, aber es beweist die Tauglichkeit einer radikalen (und dennoch sicheren) Leichtbauweise. Und demonstriert, wie wunderbar es ist, wenn schlaue und unternehmungslustige Ingenieure etwas bewegen wollen.

Dieser Fortschritt beim Autobau ist übrigens auch nötig, wenn wir Biosprit tanken. Obwohl es zunächst nach Freibrief aussieht, weil der Sprit nach „Bio“ klingt, aus nachwachsendem Rohstoff ist und deshalb unendlich scheint. Auch vom Biosprit 10, 20 oder gar 50 Liter (wir berichteten) auf der Autobahn zu verbrennen, um 100 Kilometer vorwärts zu kommen, ist blanker Unsinn, bedenkt man die Schattenseiten des Treibstoffs vom Acker.

Der Slogan „Kornkraft statt Kernkraft“, den der Präsident des Deutschen Bauenverbandes, Gerd Sonnleitner, so markig und schwärmend auf der Grünen Woche verkündete, schreit danach, genauer unter die Lupe genommen zu werden. Das tun wir in dem Beitrag über Biosprit .

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