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Mehr Leukämien in der Nähe von Kernkraftwerken

In der Nähe von Kernkraftwerken erkranken mehr Kinder und Jugendliche an Leukämie. Das schließen amerikanische Wissenschaftler aus einer Studie, in der sie die Ergebnisse von 17 verschiedenen Untersuchungen zum Einfluss von Kernkraftwerken auf das Krebsrisiko zusammengefasst haben. Laut der Auswertung ist das Risiko, an der Krankheit zu sterben, für Kinder bis neun Jahre je nach Entfernung zum Kraftwerk um bis zu 24 Prozent erhöht. Bislang seien die genauen Ursachen für einen möglichen Zusammenhang zwischen Kernkraftwerken und Leukämierisiko jedoch unklar, mahnen die Forscher zur Vorsicht bei der Interpretation dieser Zahlen.

Für ihre Analyse hatten die Forscher zunächst Kriterien festgelegt, die die statistische Aussagekraft der einbezogenen Studien sicherstellen sollten. Von den ursprünglich ausgewählten 37 Untersuchungen blieben so 17 Arbeiten aus den vergangenen zwanzig Jahren übrig. In die Studien flossen damit Zahlen der Regionen um insgesamt 136 Kernkraftwerke aus den USA, Kanada, Großbritannien, Japan, Frankreich, Spanien und Deutschland ein. Kinder, die in der Nähe eines Kernkraftwerks lebten, hatten ein auffallend erhöhtes Risiko, an Leukämie zu erkranken, ergab die Auswertung. Auch lag die Rate der Kinder, die an der Krankheit starben, höher. Die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung war umso größer, je näher sie am Kraftwerk lebten.

Trotz der Deutlichkeit dieser Zahlen bleiben eine ganze Reihe von Fragen unbeantwortet, betonen die Forscher: Radioaktivität sei zwar nachweislich ein Risikofaktor für die Entstehung von Leukämie, doch sei es unklar, ob die im Betrieb von Kernkraftwerken freigesetzte radioaktive Strahlung wirklich in der Lage ist, das Leukämierisiko zu erhöhen. So könnten auch andere, bisher unverstandene Faktoren das Risiko beeinflussen, erklärt Baker. Beispielsweise hatten Studien gezeigt, dass an der Entstehung von Leukämie möglicherweise Infektionen mit bisher unbekannten Viren beteiligt sind, was das oft gehäufte Auftreten der Krebserkrankung mit erklären könnte. Auch gibt es die These, dass die Kombination von Strahlung und bestimmten Umweltchemikalien das Leukämierisiko bei Kindern erhöht.

Ungeachtet dieser Zweifel und Einschränkungen dürfe nicht ignoriert werden, dass die Mehrzahl aller Studien von einem erhöhten Leukämierisiko in der Nähe von Kernkraftwerken ausgehen, schreiben die Forscher. Weitere Studien müssten nun die Zusammenhänge endgültig aufklären.

Peter Baker ( Universität von South Carolina, Gulph Mills) et al.: European Journal of Cancer Care, Bd. 16, S. 355 ddp/wissenschaft.de ? Ulrich Dewald
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