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Umwelt+Natur

Mehr Schmetterlinge im Ökolandbau

Brauner Bär
Ein im Ökolandbau beobachteter Brauner Bär (Arctia caja) - eine mittlerweile in Bayern selten gewordene Falterart. (Bild: Thomas Greifenstein)

Schmetterlinge haben es in der vielerorts intensiv landwirtschaftlich genutzten Kulturlandschaft schwer. Doch schon die Umstellung auf Ökolandbau kann Faltern und anderen Insekten helfen, wie nun eine Studie aus Süddeutschland belegt. Demnach sind die Artenzahl und die Häufigkeit von Schmetterlingen im Umfeld biologisch bewirtschafteter Felder um 60 Prozent höher als bei konventionellen Äckern. Besonders stark profitieren dabei offenbar die seltenen und bedrohten Arten.

Schon länger beobachten Forscher einen drastischen Insektenschwund in Deutschland und ganz Europa. Einer im Herbst 20178 veröffentlichten Langzeitstudie zufolge hat die Biomasse fliegender Insekten in deutschen Naturschutzgebieten in 27 Jahren um 76 Prozent abgenommen. Die Zahl der Schmetterlinge auf feldnahen Wiesen ist um zwei Drittel zurückgegangen, wie 2019 eine weitere Studie ergab.

Insektenerhebung im Öko- und normalen Landbau

Jetzt ergänzen Forscher um Axel Hausmann von der Zoologischen Staatssammlung München diese Erkenntnisse um einen weiteren interessante Aspekt. Denn sie haben untersucht, ob und wie sich die Insektenpopulation von Wiesen neben konventionellen oder aber biologisch bewirtschafteten Feldern unterscheidet. Im Unterschied zu den Vorgängerstudien nutzten sie dabei nicht nur einen Parameter – Biomasse, Zahl der Tiere oder Artenvielfalt – als Indikator für die Insektenvielfalt und Häufigkeit, sondern erfassten alle diese Parameter. Möglich wurde dies durch eine Kombination zweier Fangmethoden: den klassischen Malaise-Fallen für tagsüber fliegende Insekten und Lichtfallen für nachtaktive Arthropoden. Alle Fänge wurden zur Biomassebestimmung gewogen, gezählt und mittels DNA-Barcoding einer Art zugeordnet. Die Fallen waren von April bis Oktober 2018 aktiv.

Die Auswertung ergab klare Unterschiede zwischen den Insektenpopulationen im Umfeld ökologisch und konventionell bewirtschafteter Felder. „Unsere Daten enthüllen eine höhere Biomasse und einen größeren Artenreichtum im Ökolandbau und die doppelte Menge an bedrohten nachtaktiven Schmetterlingen im Vergleich zu den konventionellen Standorten“, berichten Hausmann und seine Kollegen. Die gesamte Biomasse der Insekten lag im Ökolandbau um das 2,6-Fache höher als im Umfeld der konventionell bewirtschafteten Felder. Die Artenzahl war je nach Fallenstandort um zehn bis 30 Prozent höher.

Vor allem Schmetterlinge und bedrohte Arten profitieren

Besonders ausgeprägt waren die Unterschiede bei den Schmetterlingen: Mit den Lichtfallen fingen die Wissenschaftler insgesamt 256 Nachtfalterarten auf den ökologischen Standorten und 222 auf den Standorten in der Nähe konventioneller Äcker. Auch die Häufigkeit war höher: Beim Ökolandbau gingen eineinhalbmal so viele Nachtfalter in die Falle. Noch ausgeprägter waren die Unterschiede bei den Malaise-Fallen: „Die ökologisch bewirtschaftete Feldumgebung brachte 4,3 Mal mehr Schmetterlinge als die Fallen in der Nähe der konventionellen Felder“, berichten die Forscher.

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Klare Vorteile zeigten die Auswertungen auch für seltene und bedrohte Schmetterlingsarten: Auf den ökologisch bewirtschafteten Flächen fanden die Wissenschaftler mit 30 Arten die doppelte Menge an gefährdeten Falterarten aus der Roten Liste als auf den konventionell bewirtschafteten Flächen. „Unsere Daten zeigen, dass Rote-Liste-Arten vorwiegend nahe ökologischen Feldern vorkommen“, so Hausmann und sein Team. „Das stimmt mit Studien überein, die zeigen, dass stärker spezialisierte Arten, die häufig auf der Roten Liste stehen, besonders stark unter der Intensivierung der Landwirtschaft leiden.“

Noch stammen diese Ergebnisse nur von einer kleinen Pilotstudie mit wenigen Flächen. Deshalb wollen die Forscher nun als nächstes ihre Probennahme im Rahmen eines auf fünf Jahre angelegten Forschungsprogramms weiterführen und ausweiten. Dennoch liefert ihre Studie schon jetzt Anhaltspunkte dafür, dass der ökologische Anbau dazu beiträgt, den Artenverlust in landwirtschaftlich geprägten Gegenden zu verringern.

Quelle: Staatliche Naturwissenschaftliche Sammlungen Bayerns; Fachartikel: Ecology and Evolution, doi: 10.1002/ece3.6166

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