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Mehrere Mutationen in einem Gen machen den Malaria-Erreger resistent gegen Chloroquin

Ein einzelnes Gen macht Malaria-Parasiten resistent gegenüber dem Medikament Chloroquin, berichteten Forscher am Donnerstag in dem Fachblatt „Molecular Cell“. Durch diese Erkenntnis hoffen sie, die Molekülstruktur von Chloroquin so abändern zu können, dass das Malaria-Medikament resistente Erreger wieder vernichtet. Auf diese Weise lassen sich außerdem resistente Malaria-Stämme schneller und zuverlässiger identifizieren.

Thomas Wellems, der Leiter der Malaria Genetics Section at the National Institute of Allergies and Infectious Disease (NIAID) in Bethesda, USA, und sein Team haben jetzt herausgefunden, dass zwischen vier und acht kleinen Mutationen in nur einem, als pfcrt bekanntem, Gen der Parasiten für die Chloroqiunresistenz verantwortlich sind.

Damit ist ein Chloroquineinsatz gegen Malaria wieder denkbar. Dazu müssten die amerikanischen Wissenschaftler lediglich die Struktur des Chloroquins überarbeiten, so dass es wieder gegen den mutierten Parasiten wirksam ist. „Wir kennen verschiedene Reagenzien, die Chloroquin wieder zu neuem Leben erwecken könnten“, sagte Wellems.

Die Erkenntnis, dass nur ein Gen für die Chloroquinresistenz verantwortlich ist, erleichtert zudem die Suche nach resistenten Stämmen: „Mit diesem Wissen und der Tatsache, dass die Mutationen in diesem einen Gen die Hauptrolle spielen, können wir Methoden entwickeln, um die chloroquinresistenten Stämme im Freiland zu finden „, sagte Wellems. „Das Verteidigungsministerium hat als geeignetes Hilfsmittel die tragbare Polymerase-Ketten-Reaktion (PCR), mit der man beispielsweise Milzbrand im Freiland feststellen kann.“ Dieses Gerät ermittelt typische Merkmale der DNS von Bakterien-, Viren- und Parasitenstämme. So lassen sich Krankheitserreger schnell und sicher identifizieren. „Dieselbe Methode lässt sich auch anwenden, um Medikamentenresistenzen festzustellen“, sagte Wellems.

Chloroquin war lange ein günstiges und wirksames Medikament gegen Malaria. Der Wirkstoff basiert auf der Grundstruktur des Chinis, ein Alkaloid aus der Rinde des Chinabaumes, und wurde in den vierziger Jahren entwickelt. Mit der Zeit entwickelte der Parasit jedoch eine Resistenz gegen Chloroquin. „Die Chloroquin-Resistenz tauchte bis zu den fünfziger Jahren nicht auf. Es hat sehr lange gedauert. Diese lange Zeitspanne bedeutet, dass es ein komplizierter genetischer Vorgang war. Chloroquinresistente Malaria hat Afrika erst in den siebziger Jahren erreicht,“ sagte Wellems. Die Wissenschaftler nahmen daher an, dass mehrere Gene für die Resistenz verändert werden mussten. Diese Vermutung ist nun widerlegt.

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Malaria wird durch Anophelesmücken auf den Menschen übertragen. Die Erreger der Malaria sind die parasitären Plasmodien. Für ihren Lebenszyklus benötigen die Plasmodien zwei Wirte, den Menschen als Zwischenwirt und die Anophelesmücke als Endwirt. Pro Jahr infizieren sich weltweit zwischen 300 und 500 Millionen Menschen mit Malaria und mehr als eine Million – die meisten von ihnen Kinder – sterben jedes Jahr an der Infektionskrankheit.

Statt Chloroquin empfehlen Ärzte wegen der Resistenzen das Medikament Mefloquin, das vom schweizerischen Herrsteller Roche in Amerika unter dem Namen Lariam verkauft wird. Allerdings sind von diesem Medikament psychische Nebenwirkungen wie Albträume und Schlafstörungen bekannt.

Nicole Waschke und Reuters

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