Rückgang von Tierbewegungen in menschlich beeinflussen Landschaften Menschen schränken Tierwanderungen ein - wissenschaft.de
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Rückgang von Tierbewegungen in menschlich beeinflussen Landschaften

Menschen schränken Tierwanderungen ein

Bären
Bären auf einer Straße in Polen: Auch wenn sie die Straße offenbar nicht scheuen, ist dies bei vielen anderen Säugetieren anders (Foto: Adam Wajrak)
Unsere Eingriffe in die Landschaft verändern das Verhalten der Säugetiere: In Lebensräumen, die stark durch Straßen, Landwirtschaft oder andere menschliche Aktivitäten geprägt sind, verringern Tiere ihren Aktionsradius: Sie wandern im Schnitt nur noch ein Drittel so weit, wie eine Studie enthüllt.

Ob Langstreckenläufer wie das Zebra oder Kurzstreckensprinter wie der Hase: Alle Säugetiere überwinden täglich kleinere oder größere Strecken, unter anderem auf der Suche nach Futter. Doch längst sind die meisten ihrer Lebensräume nicht mehr unberührt: Der Mensch hat die Landschaft verändert – durch Städtebau und Straßen, landwirtschaftliche Nutzflächen sowie den Abbau von Rohstoffen.

Ein Drittel weniger mobil

Doch wie wirken sich unsere Eingriffe auf die natürlichen Wanderungen und Bewegungen der Tiere aus? Das haben nun Biologen um Marlee Tucker vom Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum in Frankfurt erstmals näher untersucht. Dafür rüsteten sie mehr als 800 Säugetiere mit kleinen GPS-Sendern aus und verfolgten ihre Bewegungen und Aufenthaltsorte über zwei Monate hinweg stündlich.

„Wir haben insgesamt 57 Säugetierarten untersucht – von Hasen über Wildschweine bis hin zu Elefanten“, berichtet Tucker. Die gesammelten Bewegungsdaten glichen die Forscher mit dem „Human Footprint Index“ der jeweiligen Standorte ab – einem Wert, der angibt, wie sehr ein Gebiet durch den Menschen verändert ist, beispielsweise durch den Bau von Siedlungen, Verkehrswegen oder Landwirtschaft.

Das Ergebnis: In Gebieten, die stark vom Menschen geprägt sind, bewegen sich Säugetiere deutlich weniger als ihre Verwandten in der Wildnis. Die Tiere legten durchschnittlich nur ein Drittel der Strecke zurück, die sie in der unberührten Natur ablaufen. Die Auswertung zeigt zudem, dass die Tiere nicht einfach nur langsamer werden, sondern dass sie ihr langfristiges Raumnutzungsverhalten verändern – ihr Aktionsradius wird kleiner.

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Barrieren, aber auch „Faulheit“ als Ursache

Für diese Entwicklung könnte es mehrere Ursachen geben, wie die Biologen erklären: Zum einen bilden Straßen und Siedlungen Barrieren, die die Lebensräume der Tiere zerstückeln und so ihre Wanderungen einschränken. „Arten wie Zebras, die wirklich große Räume beanspruchen, können schlicht nicht mehr in der Nähe des Menschen vorkommen“, erklärt Kamran Safi vom Max-Planck-Institut für Ornithologie. Aber auch das menschliche Jagdverhalten und Freizeitaktivitäten wie Joggen haben Auswirkungen auf Verhaltensmuster der Tiere.

Es gibt aber auch positive Gründe, die die Tiere von langen Wanderungen abhalten: Sie müssen schlicht nicht mehr so weit laufen, um ausreichend Futter zu finden. Das gilt vor allem für Tiere, die sich an das Leben in der Stadt oder stadtnahen Umgebungen gewöhnt haben: Wildschweine, Füchse und andere Säuger finden in Vorgärten, Parks oder Stadtwäldern genügend Nahrung, um vor Ort bleiben zu können. Die Energie für lange Wanderungen sparen sie sich daher einfach.

Negative Folgen – auch für uns

Für die Ökosysteme und letztlich auch für uns Menschen könnte dies weitreichende Konsequenzen haben, warnen die Forscher. Denn wichtige Ökosystemfunktionen, die an Tierwanderungen gekoppelt sind, könnten maßgeblich beeinträchtigt werden. „Dass Tiere bestimmte Distanzen überwinden ist wichtig, denn damit transportieren sie beispielsweise Nährstoffe und Samen zwischen verschiedenen Gebieten“, erklärt Tucker.

Außerdem basieren viele natürliche Nahrungsnetze auf Tierbewegungen. Wenn sich Tiere weniger bewegen, könnten sich viele dieser Prozesse in Ökosystemen verändern. „So könnte zum Beispiel der Austausch von Pflanzensamen durch Tiere zwischen verschiedenen Lebensräumen gefährdet werden“, sagt Tucker.

Quelle: Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen, Max-Planck-Gesellschaft

© natur.de – Nadja Podbregar
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