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Umwelt+Natur

Menschheit hat Ressourcen für 2018 aufgebraucht

Globus
Die Menschheit bräuchte 1,7 Erden (Grafik: Imaginima/iStock)

Heute ist Erdüberlastungstag: Die Menschheit hat am heutigen 1. August alle nachhaltig nutzbaren Ressourcen unseres Planeten für dieses Jahr aufgebraucht – ab jetzt leben wir auf Pump. Um den gesamten Ressourcenbedarf der Weltbevölkerung bis Jahresende nachhaltig zu decken, bräuchten wir 1,7 Erden. Damit ist der ökologische Fußabdruck der Menschheit weiter gewachsen. Denn der Erdüberlastungstag liegt in diesem Jahr so früh wie noch nie zuvor.

Der Erdüberlastungstag beschreibt den Tag im Jahr, an dem die Menschheit die natürlichen Ressourcen in so großem Umfang verbraucht hat, dass sie sich in der verbleibenden Zeit nicht mehr regenerieren können. Er wird alljährlich von Wissenschaftlern des Global Footprint Networks und der New Economic Foundation errechnet. Dabei werden zwei Größen gegenübergestellt: Auf der einen Seite steht die biologische Kapazität der Erde zum Aufbau von Ressourcen sowie zur Aufnahme von Müll und Emissionen. Auf der anderen Seite unser ökologischer Fußabdruck – der Bedarf der Menschheit an Wäldern, Flächen, Wasser, Ackerland und Fischgründen, die wir für unsere Lebens- und Wirtschaftsweise verbrauchen.

Ressourcen sind ab heute verbraucht

In diesem Jahr liegt der Erdüberlastungstag am 1. August – und damit so früh wie noch nie zuvor. Der ökologische Fußabdruck der Menschheit ist inzwischen so groß, dass wir 1,7 Erde bräuchten, um unseren jährlichen Bedarf an Ressourcen und „planetaren Dienstleistungen“ zu decken. „Wir verbrauchen die Ressourcen der Zukunft, um in der Gegenwart zu funktionieren und geraten dadurch immer weiter in die ökologischen Schulden“, sagt Mathis Wackernagel, CEO des Global Footprint Network. Ähnlich beschreibt es auch Kira Heinemann von der BUNDjugend: „Statt der Natur Zeit zur Regeneration zu geben, pressen wir unsere Erde aus wie eine Zitrone. Damit betreiben wir Raubbau an nachfolgenden Generationen.“

Aber auch wir bekommen die Folgen schon zu spüren: „Auch wenn heute Erdüberlastungstag ist, fühlt sich der Tag vielleicht kaum anders an als gestern – wir haben noch immer genügend Speisen im Kühlschrank“, sagt Wackernagel. Aber wenn man sich die Welt anschaue, seien die Symptome der Erdüberlastung sichtbar – ob in der Überfischung, der Bodenerosion, dem Artensterben oder den durch den Klimawandel angeheizten Wetterextremen: „Im Westen der USA toben Waldbrände, auf der anderen Seite der Erde, in Kapstadt, müssen die Menschen drastisch Wasser sparen. All das sind die Konsequenzen, wenn wir das ökologische Budget des einzigen Planeten überschreiten, den wir haben.“

Deutschland bräuchte drei Erden

Nicht alle Länder tragen dabei jedoch gleich viel zum ökologischen Fußabdruck der Menschheit bei. Während viele arme Länder weniger Ressourcen verbrauchen als die Natur ihnen bereitstellen kann, ist dies bei den meisten Industrie- und Schwellenländern nicht der Fall. Spitzenreiter in dieser Hinsicht ist die USA: Würde die gesamte Weltbevölkerung leben wie die US-Amerikaner, bräuchten wir jedes Jahr fünf Erden. Bei einer Lebensweise wie in China bräuchte die Weltbevölkerung 2,2 Erden.

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Auch Deutschland gehört zu den Ländern überproportional großem ökologischen Fußabdruck: Würden alle Erdbewohner so leben wie wir, bräuchten wir drei Erden. Unseren nationalen Overshoot Day haben wir deswegen schon am 2. Mai. passiert. „Deutschland gehört zum oberen Viertel aller Länder mit einer enorm großen Erdüberlastung“, sagt Julia Otten von Germanwatch. „Die hohen CO2-Emissionen in den Bereichen Strom, Wärme und Verkehr spielen für die Erdüberlastung eine zentrale Rolle.“ Immerhin gibt es eine leichte Verbesserung: Im Jahr 2017 lag der deutsche Overshoot Day noch auf dem 24. April. Tatsächlich ist der ökologische Fußabdruck Deutschlands seit dem Jahr 2000 um acht Prozent gesunken, wie das Global Footprint Network ausgerechnet hat.

Übergiens: Wer wissen möchte, wann sein ganz persönlicher Overshoot Day ist, der kann sich dies ausrechnen lassen: Das Global Footprint Network hat dazu einen Footprínt-Rechner online gestellt.

Es ginge auch anders

Das Global Footprint Network schlägt unter #movethedate ganz konkrete Maßnahmen vor, um den Erdüberlastungstag wieder nach hinten zu verschieben. Würden alle Stadtbewohner beispielsweise die Hälfte ihrer Autofahrten durch öffentliche Verkehrsmittel, Laufen oder Radfahren ersetzen, dann rückte der nächste Overshoot Day um zwölf Tage nach hinten. Würden alle Erdbewohner ihren Lebensmittelabfall um die Hälfte verringern, auf CO2-intensive Lebensmittel verzichten und nicht mehr Kalorien vertilgen als nötig, dann ließe sich der Erdüberlastungstag um 38 Tage nach hinten schieben. Eine weltweite Reduktion der Kohlenutzung um 50 Prozent würde das Datum sogar um 93 Tage nach hinten rücken.

Quelle: Global Footprint Network

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