Methusalem der Meere - wissenschaft.de
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Methusalem der Meere

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Einige Tiefsee-Korallen werden über 4.200 Jahre alt. Damit sind sie die ältesten skelettbildenen Meereslebewesen. Die abgebildete Gerardia erreicht immerhin stolze 2.700 Jahre.
Tiefsee-Korallen können über 4.200 Jahre alt werden. Damit besitzen sie die längste Lebenserwartung aller skelettbildenden Meereslebewesen, berichten amerikanische Wissenschaftler. Ihr Trick: Sie wachsen äußerst langsam. So schaffen die Korallen der Gattung Leiopathes pro Jahr durchschnittlich vier Mikrometer, das ist weniger als die Größe eines Staubkorns. Ihr hohes Alter und das extrem langsame Wachstum seien nur ein Grund mehr, warum die bedrohten Nesseltiere dringend unter Schutz gestellt werden müssen, erklären Brendan Roark und seine Kollegen von der Universität von Stanford in Kalifornien.

Vor Hawaii, in einer Tiefe von 400 bis 500 Metern, sammelten die Wissenschaftler mit Hilfe von Tauchbooten lebende Stücke von Leiopathes. Diese Gattung gehört zu den Schwarzen Korallen und wächst in Kolonien aus zigtausend winzigen Einzelorganismen, sogenannten Polypen. Alle Tiere stehen miteinander in Verbindung und bilden so eine einzige große, lebende Einheit, die in ihrer Struktur an einen Baum erinnert und mehrere Meter groß werden kann.

Die Korallen wachsen, indem sich die Polypen teilen. Das machten sich die Forscher zunutze: Mit Hilfe der sogenannten Radiokarbonmethode bestimmten sie das Alter einiger Polypen, und zwar sowohl von der Korallenbasis, also den ältesten Teilen, als auch von den Spitzen, wo die jüngsten Polypen sitzen. Aus der Altersdifferenz und der Größe der Korallen errechneten sie dann die Wuchsgeschwindigkeit der Tiere. Dabei fanden die Wissenschaftler heraus, dass diese wesentlich langsamer wachsen, als sie erwartet hatten. Frühere Untersuchungen hatten sich an einer Art Altersringen orientiert: Die Gattung Gerardia, die ebenfalls zu den Schwarzen Korallen gehört, war damals auf ein maximales Alter von 70 Jahren geschätzt worden. Den neuen Ergebnissen zufolge ist sie jedoch mit über 2.700 Jahren ebenfalls deutlich älter und wächst pro Jahr 35 Mikrometer.

Korallenkolonien sind für ihre Artenvielfalt bekannt. Bedroht sind sie vor allem durch die Schleppnetzfischerei, die ganze Riffe innerhalb kurzer Zeit dem Meeresboden gleichmacht. Doch auch das Abernten für die Schmuckindustrie hat vielerorts deutliche Spuren hinterlassen. Hinzu kommt seit einigen Jahren der Einfluss des Klimawandels, der auf Dauer wohl den pH-Wert der Meere verändern und damit die Lebensbedingungen für die Korallen verschlechtern wird.

Roark et al.: PNAS, Online-Vorabveröffentlichung, doi: 10.1073/pnas.0810875106 ddp/wissenschaft.de ? Mascha Schacht
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