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Griechenland

Militärmanöver lässt Schnabelwale stranden

Pelagos Cetacean Research Institute
Pelagos Cetacean Research Institute
Wale reagieren empfindlich auf Unterwasserlärm. Der Schall von militärischen Sonaren könnte jetzt mehrere Schnabelwale in Kreta an Land getrieben haben. Ein Gastbeitrag von Nicolas Entrup von OceanCare

„Solche Strandungen zeigen nur die Spitze des Eisbergs – die meisten betroffenen Tiere sinken leblos auf den Meeresgrund“, so Sylvia Frey, Leiterin von Wissenschaft und Bildung bei OceanCare. „Der Cuvier-Schnabelwal ist besonders anfällig gegenüber Unterwasserlärm“, erklärt Frey weiter. „Zahlreiche lärmbedingte Strandungen sind weltweit dokumentiert und alle bekannten sogenannten atypischen Walstrandungen stehen in Zusammenhang mit Unterwasserlärm.“

Eine mögliche Quelle für Unterwassergeräusche sind Aktivsonare, die das Militär zur Ortung von U-Booten einsetzt. Diese Mittel- und Tieffrequenz-Sonarsysteme geben stundelang Tonpulse ab, die 100 Sekunden lange andauern und mit hoher Energie in einem möglichst kleinen Bereich ausgesendet werden. Tieffrequenz-Sonare dienen zur Überwachung weiträumiger Gebiete. Sie füllen tausende Kubikkilometer Wasser mit Schall aus. Militärsonare arbeiten mit Frequenzen zwischen 0,1 und 10 Kilohertz und erreichen eine Lautstärke von bis zu 230 Dezibel.

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Um die Meeressäuger zu schützen, müssen deren Habitate rund um Griechenland als Schutzgebiete ausgwiesen werden. Bislang sind erst knapp zwei Prozent der Meere als Schutzgebiete ausgezeichnet. „Militärmanöver sollen ausschließlich in wissenschaftlich nachgewiesenen Meereswüsten durchgeführt werden, also fernab von Gebieten mit reicher mariner Artenvielfalt“, schlägt Sylvia Frey vor.

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Neuste wissenschaftliche Untersuchungen führten zur Identifikation von Schnabelwal-Hotspots im Mittelmeer. Die Ergebnisse hat OceanCare bei der 5. Vertragsstaatenkonferenz von ACCOBAMS (Abkommen zum Schutz der Wale und Delphine im Mittelmeer und Schwarzen Meer) im vergangenen November in Marokko präsentiert. Der Wissenschaftsausschuss des Abkommens erarbeitete eine Empfehlung für den Cuvier-Schnabelwal: Pufferzonen von 50 nautischen Meilen um die Schnabelwal-Hotspots einzurichten, in denen keine Marineübungen stattfinden dürfen.

Die Vertragsstaaten haben diese Empfehlung verworfen. Es wurden keine konkreten Schutzmaßnahmen beschlossen. „Mit den Kanarischen Inseln, die 2004 ein Moratorium für den Einsatz von militärischen Sonarsystemen in einem Umkreis von 50 nautischen Meilen verhängten, haben wir ein konkretes Beispiel für die Effektivität dieser Maßnahme, denn seither gab es hier keine atypischen Massenstrandungen von Schnabelwalen mehr“, sagt die Präsidentin von OceanCare, Sigrid Lüber. Auf dem ACCOBAMBS-Wissenschaftsmeeting vom 15. bis zum 17. April in Monaco wird OceanCare die Dringlichkeit von Schutzmaßnahmen um Griechenland erneut ansprechen. Außerdem ruft OceanCare gemeinsam mit 19 weiteren NGOs unter silentoceans.org weltweit für mehr Ruhe im Meer auf.

Nicolas Entrup, OceanCare

Foto; Grafik: Pelagos Cetacean Research Institute/Athen; R. Richter/OceanCare

© natur.de – natur Gastautor
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