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Umwelt+Natur

Milliardenverluste durch illegale Fischerei

Fischfang
Legal gefangen oder nicht? (Bild: Giang Nguyen/ istock)

Illegale Fischerei gehört zu den größten Bedrohungen für die marinen Ökosysteme. Denn die unerlaubte und unregulierte Entnahme von Fischen aus dem Meer trägt maßgeblich zur Überfischung bei und ist alles andere als nachhaltig. Doch neben den ökologischen Folgen sind auch wirtschaftliche Schäden mit diesem Phänomen verbunden. Wie Forscher nun beziffern, verursacht die illegale Fischerei jährlich Milliardenverluste. Besonders stark betroffen sind demnach ausgerechnet wirtschaftlich oft eher schwache Länder in Asien, Afrika und Südamerika.

Die illegale Fischerei ist ein weltweites Problem: Wer Fangquoten nicht einhält, seine Fischfänge nicht meldet und auf dem Schwarzmarkt handelt, gefährdet damit nicht nur die Bestände vieler beliebter Speisefische. Das nicht legale Fischen von Thunfisch und Co verursacht auch enorme wirtschaftliche Schäden. „Der illegale Handel mit Fisch und Meeresfrüchten macht eine kleine Zahl von Unternehmen auf Kosten der Gesellschaft reich“, erklären Rashid Sumaila von der University of British Columbia in Vancouver und seine Kollegen. Doch wie groß ist das Ausmaß dieser Verluste wirklich? Um dies herauszufinden, haben die Wissenschaftler nun Daten aus 143 Ländern analysiert – mit erschreckenden Ergebnissen.

Für seine Studie stützte sich das Forscherteam vor allem auf Informationen aus der Datenbank „Sea Around Us“, die offizielle Angaben der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) zu den Fischfängen einzelner Staaten mit Schätzungen zu nicht gemeldeten Fängen ergänzt. Nicht mitberücksichtigt wurden dabei undokumentierte Fänge für den Privatgebrauch sowie die Hochseefischerei jenseits der 200-Seemeilen-Grenze vor der Küste. Denn diese sei nur schwer einem einzelnen Land zuzuordnen und mache zudem nur einen kleinen Teil des globalen Fischfangs aus, wie das Team berichtet.

Ungemeldete Fänge

Die Auswertungen enthüllten: Wahrscheinlich holen Fischer jedes Jahr zwischen 7,7 und 14 Millionen Tonnen Fisch aus dem Meer, ohne dies ordnungsgemäß zu melden. „Damit tragen sie zu einem illegalen Handelssystem bei, das weltweit Nahrungs- und Wirtschaftssysteme gefährdet“, konstatieren die Forscher in einer Mitteilung. Ihren Berechnungen zufolge beläuft sich der wirtschaftliche Schaden dadurch auf insgesamt 26 bis 50 Milliarden US-Dollar. Die Steuerverluste liegen demnach bei zwei bis vier Milliarden.

Wie die Analysen offenbarten, sind jedoch nicht alle Staaten gleichermaßen betroffen. So gehen 85 Prozent aller Fangverluste durch illegale, unregulierte Tätigkeiten auf Länder in Asien, Afrika und Südamerika zurück. „Die substanziellen ökonomischen Effekte betreffen damit ausgerechnet Staaten, die sich diese Verluste kaum leisten können“, sagt Sumaila. Doch auch Deutschland entsteht der Studie zufolge Schaden: Für unser Land errechneten die Wissenschaftler an landesüblichen Preisen gemessen einen jährlichen Verlust an Bruttoeinnahmen von 4,5 bis 7,3 Millionen Dollar.

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Trickreiche Umlademanöver

Wie Sumaila und seine Kollegen berichten, findet der illegale Fischhandel insbesondere auf drei Wegen statt: Erstens werden Fischfänge von mehreren Booten oftmals bereits auf hoher See auf größere Schiffe verladen und so illegale und legale Fänge miteinander vermischt. Nachzuvollziehen, woher der gefangene Fisch stammt, wird so deutlich schwieriger. Zweitens werden illegal gefangene Fische oftmals in großen Kühlcontainern exportiert. Denn diese unterliegen dem Team zufolge weniger strengen Inspektionsanforderungen. Eine dritte bewährte Strategie sei zudem der Verkauf auf lokalen Märkten, wo weniger kontrolliert wird.

Um solchen Tricks entgegentreten zu können, plädieren die Forscher für verstärktes politisches Eingreifen: „Nur durch uneingeschränkte Rechenschaftspflicht und öffentliche Transparenz können wir sicherstellen, dass Fische nachhaltig und legal gefangen und gehandelt werden und dass diese wirtschaftlichen Tätigkeiten tatsächlich den Menschen und Regierungen in den Ländern zugutekommen, in denen die Fischerei stattfindet“, so das Fazit von Mitautor Dirk Zeller von der University of Western Australia in Crawley. Dazu müssten auch bereits existierende internationale Abkommen noch einmal gestärkt werden.

Quelle: Rashid Sumaila (University of British Columbia, Vancouver), Science Advances, doi: 10.1126/sciadv.aaz3801

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