Mischwälder sind widerstandsfähiger - wissenschaft.de
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Umwelt+Natur

Mischwälder sind widerstandsfähiger

Mischwald
Durch ihre sich ergänzenden Kronen- und Wurzelsysteme sind Bäume in Mischwäldern oft besser mit Licht, Wasser und Bodennährstoffen versorgt. (Foto: L. Steinacker/TUM)

Dass Monokulturen im Wald aus ökologischer Sicht nicht gerade optimal sind, ist nicht neu. Doch jetzt bestätigt eine neue Erhebung bei Wäldern auf allen Kontinenten, dass eine Artenmischung sie ertragreicher und vor allem widerstandsfähiger machen kann. Weil sich die Baumarten gegenseitig ergänzen, sind Mischwälder besser mit Wasser und Nährstoffen versorgt – und das macht sie weniger anfällig für Trockenheit, Schädlinge und andere Herausforderungen. Die Produktivität von Mischwäldern liegt daher deutlich über der forstlicher Monokulturen, so die Forscher.

Von Natur aus sind die meisten Waldgesellschaften in Europa Mischwälder: In ihnen kommen mehrere Baumarten gemeinsam vor, teilweise mischen sich dabei auch Laub- und Nadelgehölze. Diese Artenvielfalt der Bäume bietet Tier- und Pflanzenarten eine breite Palette an ökologischen Nischen und beherbergt daher eine meist große Artenvielfalt. „Es sind viele Vorteile von Mischwäldern bekannt“, sagt Co-Autor Hans Pretzsch von der Technischen Universität München. „Mischwälder sind als vielfältiger Lebensraum ökologisch wertvoller. Sie mildern den Klimawandel, da sie länger und besser Kohlendioxid speichern.“

Wälder auf fünf Kontinenten verglichen

Doch dessen ungeachtet haben Waldbesitzer lange Zeit vor allem Monokulturen aus schnellwachsenden Baumarten angelegt – das erleichtert ihnen die „Ernte“ des Holzes und galt als ertragreicher. Ob das stimmt und wie solche Forste auf Trockenheit, Schädlinge und andere Folgen des Klimawandels reagieren, haben Pretzsch und seine Kollegen untersucht.

Für ihre Studie werteten sie 126 Fallstudien von gut 60 Flächen in fünf Kontinenten zum Einfluss von Mischwäldern auf die Produktivität aus und verglichen dies mit Daten zu Monokulturen. „Es ist zwar weithin akzeptiert, dass die Artenvielfalt des Waldes auch zum Klimaschutz durch vermehrte Speicherung von Kohlenstoff beiträgt“, erklären die Forscher. „Aber wie das Klima die Produktivität und die Interaktion der Baumarten im Wald beeinflusst, ist bisher wenig verstanden.“

Mischwälder liegen vorn

Das Ergebnis: Mischwälder sind produktiver als Monokulturen. Das gilt auf allen fünf Kontinenten und besonders in relativ niederschlagsreichen Regionen wie beispielsweise auch in Mitteleuropa. „Die Produktivität der Mischwälder war 15 Prozent höher als der Durchschnitt ihrer Monokultur-Entsprechungen“, berichten die Forscher. „Dieses Mehr an Produktivität war dabei unabhängig vom Alter der Bäume oder der Artenzusammensetzung.“

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Der Grund dafür: Durch ihre sich ergänzenden Kronen- und Wurzelsysteme sind Bäume in Mischwäldern oft besser mit Licht, Wasser und Bodennährstoffen versorgt. „Das macht Mischbestände resilienter in Trockenjahren. Zudem sind sie widerstandsfähiger gegenüber Schädlinge und auch optisch schöner“, sagt Pretzsch. Damit bestätige die Überblickstudie nun, dass eine umsichtige Auswahl der kombinierten Baumarten nicht nur zu ökologischeren und resilienteren Beständen führe, sondern auch zu größerer Produktivität.

Pretzsch ist überzeugt: „Mischbestände werden angesichts des Klimawandels und der steigenden ökologischen, ökonomischen und sozialen Anforderungen an den Wald weltweit an Bedeutung zunehmen.“

Quelle: Technische Universität München, Fachartikel: Biology Letters, doi: 10.1098/rsbl.2017.0747

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