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Mit dem Weißen Hai auf Robbenjagd

Weißer Hai
Ein Weißer Hai mit einer Kamera an seiner Rückenflosse. (Bild: TK Chapple)

Der Weiße Hai gilt als furchterregender Räuber der Meere. Doch über sein Jagdverhalten weiß man erstaunlich wenig. Jetzt haben Biologen einige Vertreter dieser Haiart bei der Robbenjagd begleitet – mithilfe von kleinen Flossenkameras. Die Aufnahmen enthüllten Überraschendes: Entgegen bisherigen Annahmen jagen die Haie auch in Seetang-Wäldern nach Robben. Bisher galten diese Lebensräume eher als Refugium für die Meeressäuger.

Der Weiße Hai (Carcharodon carcharias) ist der größte Raubfisch der Meere – und er ist bei seiner Beute wenig wählerisch. Je nachdem, welche Meerestiere in seinem Lebensraum vorkommen und wie groß er ist, jagt er Fische, Tintenfische und große Krebse, aber auch Otter, Robben und sogar kleine Wale. In der Nähe von Robbenkolonien sind diese Meeressäuger die bevorzugte Beute der Weißen Haie. „Typischerweise greifen die Weißen Haie die Robben während der Dämmerung an, wenn die Robben ihre Refugien an Land verlassen oder zu ihnen hinschwimmen“, erklären Oliver Jewell vom Monterey Bay Aquarium in Kalifornien und seine Kollegen.

Rätsel um die Haie von Dwyer Island

Allerdings: Bisher stammen die Erkenntnisse zum Jagdverhalten der Weißen Haie fast nur von Beobachtungen an der Wasseroberfläche. Ob und wie die Landschaft unter Wasser das Beutefangverhalten der Raubfische prägt, war daher weitgehend unbekannt. „Zu wissen, wie Räuber und Beute mit ihrer Umwelt interagieren, ist jedoch entscheidend für unser Verständnis der Ökosystemdynamik und -funktion“, sagen Jewell und seine Kollegen.

(Video: Max-Planck-Gesellschaft)

Hinzu kommt, dass es Populationen Weißer Haie gibt, die sich auffallend anders verhalten als bisher beobachtet: Rund um Dwyer Island vor der Küste Südafrikas scheinen die Raubfische beispielsweise fast nie in der Dämmerung nach Robben zu jagen. Stattdessen „lungern“ die Haie auffallend häufig tagsüber in der Nähe der Robbenkolonie herum und scheinen geradezu Patrouille zu schwimmen. „Eine mögliche Erklärung für diese Abweichungen könnte das häufige Vorkommen von Tangwäldern bei Dwyer Island sein“, mutmaßen die Forscher. Die Robben könnten diese unterseeischen Wälder aus Seetang als Zuflucht vor den Haien nutzen und daher schwerer zu fangen sein.

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Mitten durch die Tangwälder

Um herauszufinden, wann und wie die Weißen Haie von Dwyer Island auf Robbenjagd gehen, rüsteten Jewell und sein Team acht Weiße Haie mit kleinen Kameras und Bewegungssensoren aus. Das Sensorpaket wurde mit einer Klemme an der Schwanzflosse der Haie befestigt und zeichnete rund drei Tage lang das Verhalten der Tiere auf. Dann löste sich die Klemme und das Paket stieg an die Meeresoberfläche, wo es von den Forschern eingesammelt und ausgewertet werden konnte.

Die Aufnahmen enthüllten Überraschendes: Entgegen früheren Annahmen schienen die Weißen Haie die Tangwälder keineswegs zu meiden. Stattdessen tauchten die Raubfische immer wieder in das dichte Gestrüpp dieser Algen ab und schienen dort nach Robben zu suchen. „Die Robben reagierten auf die Präsenz des Hais, indem sie Luftblasen ausstießen und entweder tiefer in das Tangdickicht hineinschwammen oder sich am Meeresgrund duckten“, berichten die Forscher. „Der Hai reagierte seinerseits darauf, indem er nun verstärkt durch den dichten Kelp pflügte.“

Eine lokale Tradition?

Nach Ansicht der Wissenschaftler belegen diese Beobachtungen, dass Weiße Haie sich sehr wohl in Tangwälder hineinwagen und dort sogar gezielt auf Robbenjagd gehen. „Das ist unseres Wissens nach die erste Studie, die eine solche wiederholte und intensive Nutzung der Tangwälder durch Weiße Haie dokumentiert“, konstatieren Jewell und seine Kollegen. „Dieses Verhalten könnte eine alternative Jagdstrategie zum traditionellen Überraschungsangriff bei Dämmerung darstellen. Sollte dies eine spezielle Eigenheit der Weißen Haie vor Dwyer Island sein, wäre dies sogar der erste bekannte Nachweis einer lokalen Tradition bei Fischen“, sagt Co-Autor Martin Wikelski vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Radolfzell.

Noch ist unklar, ob und in welchem Maße vielleicht auch andere Hai-Populationen Tangwälder als Jagdrevier nutzen. Auch wie erfolgreich dieses lauern im Seetang für die Weißen Haie von Dwyer Island ist, konnte die Biologen bisher nicht ermitteln. Sie wollen daher ihre Beobachtungen dieser Haie nun fortsetzen, um mehr über das Verhalten der Tiere zu lernen.

Quelle: Royal Society Biology Letters, doi: 10.1098/rsbl.2019.0085

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re|si|dent  〈Adj.; IT〉 (während des Laufs einer EDV–Anlage) im Hauptspeicher verweilend ● das Betriebssystem ist ein ~es Programm

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Kampf|schwim|mer  〈m. 3; Mil.〉 Einzelkämpfer der Marine, der mit Sauerstoffgerät, Schwimmflossen usw. ausgerüstet unter Wasser an feindliche Ziele heranschwimmt, um diese zu erkunden od. zu zerstören

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