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Hauskatzen

Mit Fleisch und Spiel gegen Räuberei

Der Jagdtrieb unserer Hauskatzen kann Wildtieren im Siedlungsbereich schwer zu schaffen machen. (BU: Ornitolog82/iStock)

Hauskatzen machen vielerorts Vögeln und kleinen Säugetieren das Leben schwer – was können Naturfreunde tun, um ihre Lieblinge von der Jagd auf Wildtiere abzuhalten, ohne ihre Freiheit einzuschränken? Eine Studie zeigt nun, dass Katzen deutlich weniger jagen, wenn ihre Halter ihnen Futter mit einem hohen Fleischanteil geben. Hilfreich ist außerdem, mit Freigänger-Katzen häufig zu spielen, damit sie ihren Jagdtrieb schon zu Hause ausleben können, berichten die Forscher.

Immer mal wieder liegt ein toter Vogel oder eine noch zuckende Maus auf dem Küchenboden oder im Vorgarten: Auf die „Trophäen“, die „Miezi“ gelegentlich anschleppt, blicken viele Katzenhalter traurig, denn sie wollen nicht, dass ihr Liebling die tierische Nachbarschaft bedroht. Tatsächlich handelt es sich dabei auch um ein erhebliches Naturschutzproblem: Die häufig unnatürlich hohen Bestände der Hauskatzen können Wildtierpopulationen im Siedlungsbereich stark dezimieren, zeigen Studien. Doch wie lässt sich diesem Problem entgegentreten?

Wenn Stubentiger Wildtiere terrorisieren

Um Freigänger-Katzen das Jagdglück zu vermiesen, kann man ihnen bunte Halsbänder oder Glöckchen umhängen. Doch diese invasiven Maßnahmen sind problematisch: Die Wirkung auf den Jagderfolg ist beschränkt und viele Katzen reagieren irritiert auf die Eingriffe. Viele Besitzer wollen das natürliche Verhalten ihrer Katze auch nicht stören oder sind besorgt über Risiken – denn an Halsbändern können die Tiere hängen bleiben. Vor diesem Hintergrund haben die Forscher um Martina Cecchetti von der University of Exeter nun das Potenzial weniger invasiver Maßnahmen ausgelotet. In ihrem Fokus stand dabei die Frage, inwieweit sich die Ernährung von Hauskatzen und das Spielangebot günstig auf den Jagdtrieb auswirken können.

An der Studie mit einer Laufzeit von zwölf Wochen nahmen 219 Haushalte im Südwesten Englands mit insgesamt 355 Katzen teil. Bei einigen wurde der Effekt der Ernährung und bei anderen des Spielangebots untersucht. Zunächst erfassten die Forscher durch die Unterstützung der Halter, wie viele Beutetiere die Katzen vor den Maßnahmen von ihren Ausflügen in der Nachbarschaft zurück nach Hause brachten. Durch den Vergleich mit der Anzahl der „Trophäen“ während der Test-Maßnahmen ließen sich somit deren Effekte erfassen.

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Der Jagdtrieb geht zurück

Bei den Fütterungsversuchen zeigte sich: Im Vergleich zu Katzennahrung mit einem vergleichsweise hohen Anteil an Zusatzstoffen oder pflanzlichen Proteinen zeigten Futtermittel mit viel Fleisch einen deutlich günstigeren Effekt: Die Anzahl der Beutetiere, welche die Katzen ihren Besitzern zu Hause anschleppten, ging um 36 Prozent zurück, ergaben die Auswertungen. „Einige Katzennahrungen enthalten Proteine aus pflanzlichen Quellen wie Soja. Es ist möglich, dass diese Nahrungsmittel trotz der Gewährleistung einer ausreichenden Ernährung bei einigen Katzen einen Mangel an einem oder mehreren Mikronährstoffen verursachen – was sie dann zum Jagen veranlasst“, erklärt Cecchetti zum möglichen Hintergrund des Effekts.

Wie die Forscher berichten, zeigte sich auch bei der Spiel-Gruppe ein positiver Effekt. Im Rahmen der Testphase kam ein typisches Katzenspielzeug zum Einsatz, bei der die Halter ein Federknäuel von einer Art Angel baumeln ließen: Mit Freude pirschten sich die Stubentiger an diese Objekte heran, jagen ihnen hinterher und stürzen sich auf sie. Die Besitzer gaben den Katzen anschließend auch ein mausähnliches Spielzeug, mit dem sie nach jeder „erfolgreichen Jagd“ weiter spielen konnten, um eine echte Beute zu imitieren. Wie die Wissenschaftler berichten, reichten im Vergleich zu den Kontrollen schon fünf bis zehn Minuten Spielzeit pro Tag aus, um die Raubzüge in der Nachbarschaft deutlich einzuschränken: Die Besitzer fanden 25 Prozent weniger Beutetiere auf Küchenboden, Veranda und Co.

Die Wissenschaftler kommen somit zu dem Fazit: „Indem sie mit den Katzen spielen und ihre Ernährung ändern, können die Besitzer deren Auswirkungen auf die Tierwelt reduzieren, ohne die Freiheit der kleinen Räuber einzuschränken“, sagt Seniorautor Robbie McDonald von der University of Exeter. In zukünftigen Studien hoffen die Forscher nun, noch andere Möglichkeiten aufzudecken, um das räuberische Verhalten von Hauskatzen weiter einzuschränken. Außerdem wollen sie herausfinden, welche Stoffe in der fleischlichen Nahrung für der günstigen Effekt verantwortlich sind.

„Die Fleischproduktion ist mit Klima- und Umweltproblemen verbunden, sodass einer unserer nächsten Schritte darin besteht, herauszufinden, ob bestimmte Mikronährstoffe dem Katzenfutter zugesetzt werden könnten, um das Jagdverhalten einzuschränken“, sagt Cechetti. „Außerdem planen wir nun, zu untersuchen, ob verschiedene Arten von Spielen unterschiedliche Auswirkungen haben und ob die Kombinationen von Strategien die Jagdlust noch weiter reduzieren können“, so die Wissenschaftlerin.

Quelle: University of Exeter, Fachartikel: Current Biology, doi: 10.1016/j.cub.2020.12.044

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