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Mit Hirnschrittmachern gegen Tics

Hirnschrittmacher können langfristig die Lebensqualität bei Menschen mit Tourette-Syndrom steigern. Das haben US-Forscher jetzt in einer Langzeitstudie nachgewiesen. Demnach hatten die Versuchsteilnehmer auch zwei Jahre nach Einsetzen der Hirnschrittmacher dank der sogenannten Tiefenhirnstimulation nur halb so viele Tics wie zuvor und litten deutlich weniger an Depressionen und Angststörungen. Bislang wird die Tiefenhirnstimulation mittels eingepflanzter Elektroden vor allem bei der Behandlung von Parkinson und anderen neurologisch bedingten Erkrankungen eingesetzt.

Typisch für das Tourette-Syndrom sind unkontrollierte Bewegungen und Laute, die auch als Tics bezeichnet werden. Die Erkrankung hat nach aktuellem Kenntnisstand sowohl psychische als auch neurologische Ursachen. Letztere hoffen Wissenschaftler mit Hilfe von Gehirnschrittmachern in den Griff zu bekommen: Über implantierte Elektroden sollen bestimmte Gehirnareale so stimuliert werden, dass die zu den Tics führenden Fehlübertragungen der Nervenzellen korrigiert werden. Eine solche Tiefenhirnstimulation wird bereits seit einigen Jahren bei neurologischen Erkrankungen wie beispielsweise Parkinson und anderen Bewegungsstörungen eingesetzt. Zur Wirkung der Behandlung bei Tourette-Patienten gibt es bisher jedoch nur wenige klinische Studien, auch Langzeiteffekte waren bislang noch unbekannt.

Für ihre Studie setzten die Wissenschaftler die Gehirnschrittmacher fünfzehn Freiwilligen ein, bei denen weder medikamentöse Behandlungen noch Psychotherapie eine Besserung bewirkt hatten. Während der folgenden zwei Jahre untersuchten sie die Patienten in regelmäßigen Abständen. Dabei kamen die Forscher zu einem positiven Ergebnis: Durch die Behandlung verringerten sich bei den Versuchspersonen die Tics um 52 Prozent. Auch andere Beschwerden wie Depressionen, Angstzustände, Zwangsstörungen und Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätssyndrome (ADHS) nahmen immerhin um 26 bis 32 Prozent ab. ?Die Ergebnisse zeigen, dass sich bei allen 15 Versuchspersonen im Verlauf der zweijährigen Behandlung die Tics und neurologischen Probleme verbessert haben, was sehr ermutigend ist?, bewertet Andrea Cavanna die Ergebnisse. Weitere Studien seien aber nötig.

Andrea Cavanna (Universität Birmingham) et al.: Neurology, Band 73, Nr. 17 ddp/wissenschaft.de – Jessica von Ahn
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