Mit Holz statt Chemie gegen die Ölpest - wissenschaft.de
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Umwelt+Natur

Mit Holz statt Chemie gegen die Ölpest

holzbasierter Ölbinder
Ein simples Plättchen aus Holzfasern – so sieht der biobasierte Ölbinder aus. (Foto: Sören Tech)

Ölunfälle und Öllecks auf dem Meer könnten künftig umweltfreundlicher bekämpft werden. Denn deutsche Forscher haben eine Ölbinde-Technik entwickelt, die ganz ohne Chemikalien auskommt. Stattdessen nehmen kleine Plättchen aus Holzfasern das Erdöl aus dem Wasser auf. Ölabbauende Bakterien auf der Oberfläche der Ölbinder helfen dann dabei, die Kontamination zu beseitigen. Erste Tests dieser holzbasierten Ölbinder auf der Ostsee waren bereits erfolgreich.

Ob bei der Explosion der Bohrplattform Deepwater Horizon im Golf von Mexiko im Jahr 2010 oder bei Havarien von Tankern: Austretendes Erdöl führt immer wieder zu ökologischen Katastrophen und einer anhaltenden Kontamination ganzer Meeres- und Küstengebiete. Zwar versucht man, die Ausbreitung einer solchen Ölpest durch schwimmende Barrieren und das Versprühen von chemischen Lösungsmitteln einzudämmen. Doch die mechanischen Barrieren sind bei schlechtem Wetter und Wellengang nicht einsetzbar und die chemischen Ölbinder sind wegen ihrer Nebenwirkungen stark umstritten. Studien nach der Ölkatastrophe der Deepwater Horizon zeigen, dass diese Chemikalien nicht nur giftig für viele Meerestiere sind. Sie hemmen zudem die Abbautätigkeit der natürlicherweise im Ozean vorkommenden Mikroorganismen – und bremsen damit die Selbstreinigungskraft des Meeres.

Holzfaser-Plättchen als Ölbinder

Eine umweltfreundlichere Alternative haben nun Wissenschaftler um André Wagenführ von der TU Dresden entwickelt. Ihr Ölbinder „BioBind“ besteht aus fünf mal fünf Zentimeter großen Plättchen aus nachwachsenden, biologisch abbaubaren Holzfasern. Diese schwimmfähigen Plättchen werden bei einem Ölaustritt vom Schiff oder Flugzeug aus einfach ins Meer geworfen. Kurz vor dieser Aussetzung werden sie mit ölabbauenden Mikroorganismen besprüht.

Auf der Meeresoberfläche angekommen, absorbieren die schwimmenden Holzfaser-Plättchen selektiv Erdöl aus dem Wasser. Diese Ölaufnahme ist an der vom Rand her zunehmenden Dunkelfärbung des Holzmaterials zu erkennen. Haben sich die Plättchen vollgesaugt, werden sie unter anderem mithilfe von Netzen wieder eingefangen und aus dem Meer geholt. Der große Vorteil: Während bei chemischen Ölbindern das Erdöl letztlich nur absinkt und im Meer verbleibt, kann „BioBind“ die Kontamination aus dem Wasser entfernen.

Einsatz in der Ostsee und im Persischen Golf

Erste Tests in der Ostsee ergaben, dass der umweltfreundliche Ölbinder bei Ölunfällen im Bereich von 5 bis 50 Tonnen hohe Reinigungsraten erzielen kann: Bis zu 92 Prozent des ausgetretenen Öls werden aufgenommen, wie die Forscher berichten. Bei größeren Havarien könne BioBind als Ergänzung zu bestehenden Bekämpfungssystemen eingesetzt werden. Nach Angaben der Wissenschaftler wiesen die Binder vergleichbare Beschaffungskosten zu den bestehenden Marktprodukten auf, sind durch eine höhere Ölaufnahmekapazität jedoch effizienter.

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Die kleinen Plättchen bilden den Kern eines neuen Havariesystems, das derzeit in der Ostsee etabliert wird. Weil der Ölhafen in Sankt Petersburg ausgebaut wird, erwarten Experten eine Zunahme der Öltransportkapazitäten auf der Ostsee – und ein entsprechend erhöhtes Havarierisiko für dieses Gebiet. Schon bald soll die Technologie aber auch auf die Region des Persischen Golfes übertragen werden. Seit 2017 bestehen dazu enge Kontakte zu Forschungs- und Industriepartnern im Iran.

Quelle: Technische Universität Dresden

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