Mit Hustenlöser gegen Malaria - wissenschaft.de
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Mit Hustenlöser gegen Malaria

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Die Anophelesmücke ist statistisch gesehen das gefährlichste Tier der Welt: Die von ihr übertragene Malaria kostet jedes Jahr etwa einer Million Menschen das Leben.
Portugiesische Forscher könnten eine neue Möglichkeit gefunden haben, die schlimmen Folgen einer Malariainfektion zu verhindern: Mit Hilfe eines auch bei Erkältungen eingesetzten Wirkstoffs imitierten sie bei Mäusen eine körpereigene Strategie, mit der die vom Erreger verursachten Schäden am Gewebe minimiert werden. Auf diese Weise gelang es ihnen, die Überlebensrate der Tiere von 20 auf 100 Prozent zu steigern. Besonders vielversprechend: Da der Ansatz nicht den Malaria-Erreger direkt angreift, sondern dem Körper Hilfe zur Selbsthilfe leistet, können auch keine der gefürchteten Resistenzen auftreten. Sollte sich die Strategie auch beim Menschen als wirksam erweisen, wäre eine Zulassung des Wirkstoffs wahrscheinlich recht schnell möglich ? er wird heute bereits als Nahrungsergänzungsmittel und als schleimlösendes Medikament verkauft.

Die Malaria-Erreger ? Parasiten der Gattung Plasmodium ? sammeln sich nach einer Übertragung von Stechmücken auf den Menschen zuerst in der Leber, vermehren sich dort und gelangen dann in den Blutstrom, wo sie die roten Blutkörperchen befallen. Nach einer weiteren Reifungsphase platzen die betroffenen Blutzellen und setzen die Erreger erneut frei. Bei diesem Platzen gelangt zudem der rote Blutfarbstoff Hämoglobin in die Blutbahn. Das kann jedoch zum Problem werden: Reagiert der Körper mit einer Entzündungsreaktion auf den Angriff der Parasiten, zerstören die eigentlich gegen die Erreger gerichteten vom Immunsystem produzierten aggressiven freien Radikale den Blutfarbstoff und setzen dabei dessen zentrales Molekül, das sogenannte Häm, frei.

Dieses Häm übt eine zerstörerische Wirkung auf die Leber aus, vor allem, wenn es mit bestimmten Entzündungsfaktoren kombiniert wird, konnten die Wissenschaftler jetzt bei genetisch veränderten Mäusen zeigen. Diese Leberschäden enden nicht selten tödlich ? es sei denn, der Körper reagiert mit der Produktion eines Schutzenzyms namens HO-1 auf den Angriff, oder die Mäuse bekommen den auch als ACC bekannten Wirkstoff N-Acetylcystein verabreicht. In beiden Fällen werden die Leberzellen vor den verheerenden Folgen des Häm-Angriffs geschützt, ohne dass der Malaria-Erreger direkt beeinflusst wird.

Bei Malaria zielt die Abwehrreaktion des Körpers normalerweise darauf ab, die Anzahl der Erreger zu verringern, erläutern die Forscher. Ähnlich wie bei einer Sepsis kann diese Immunstrategie jedoch den Körper so stark belasten, dass sie tödlich wirkt. Daher sei es sehr hilfreich, wenn man wie in dieser Studie einen alternativen Schutzmechanismus unterstützt, der dem Körper mehr Kraft und Zeit verschafft, sich nach und nach gegen die Infektion zu wehren. Die Wissenschaftler glauben, dass sich dieser Ansatz auch bei resistenten Malariaformen und sogar anderen Infektionskrankheiten bewähren könnte ? vorausgesetzt, die Reaktion des menschlichen Körpers ähnelt der der Maus.

Elsa Seixas (Instituto Gulbenkian de Ciência, Oeiras) et al.: PNAS, doi: 10.1073/pnas.0903419106 ddp/wissenschaft.de ? Ilka Lehnen-Beyel
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