Mit Magneten gegen Sepsis - wissenschaft.de
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Mit Magneten gegen Sepsis

Magneten können Krankheitserreger aus dem Blut waschen und so in Zukunft gegen eine Sepsis, landläufig auch Blutvergiftung genannt, eingesetzt werden, versprechen Forscher des Kinderkrankenhauses in Boston. Das Prinzip ihrer Blutwäschemaschine ist einfach: Dem abgezapften Blut werden winzige Magnetkügelchen zugesetzt. Diese sind mit Antikörpern überzogen, die auf die im Blut vorhandenen Erreger abgestimmt sind und an diese andocken. Fließt das Blut an einem Magnetfeld vorbei, werden die Kügelchen mitsamt den Erregern herausgezogen. Das gereinigte Blut wird dann wieder dem Patienten zugeführt. Selbst mit ihrem einfachen Prototyp gelang es den Forschern um Chong Wing Yung 80 Prozent der Erreger aus verseuchtem menschlichem Blut zu entfernen.

Der von den Forschern entwickelte Prototyp enthält vier Kanäle, in die das verseuchte Blut geleitet wird. In diesen Kanälen fließt es direkt neben einer Salzlösung, ohne dass sich die beiden Ströme miteinander vermischen. Beide Ströme fließen dann an einem Magnetfeld vorbei, das die Kügelchen aus dem Blut heraus- und in die Salzlösung hineinzieht. Der Prototyp des Gerätes erzielte für jeden Kanal eine Durchflussrate von 20 Milliliter pro Stunde. Je mehr Kanäle die Maschine enthält, desto schneller kann das Blut gereinigt werden. Ein Gerät mit mehreren hundert Kanälen könnte innerhalb weniger Stunden das gesamte Blut eines Kindes waschen, schätzen die Forscher. Eventuell im Blut verbliebene Erreger könnten dann mit herkömmlichen Antibiotika bekämpft werden.

Frank Brunkhorst von der Deutschen Sepsis-Gesellschaft ist allerdings eher skeptisch, ob die neue Methode funktioniert. Die meisten Antikörper dockten nur an lebende Erregerzellen an, da sich beim Tod einer Zelle deren Oberfläche verändert. Blutvergiftungen würden jedoch oft erst so spät erkannt, dass kaum noch lebende Erreger im Blut zu finden seien, sondern nur noch die von ihnen ausgeschiedenen Giftstoffe und die toten Hüllen. Kombinationen verschiedener Antikörper könnten dieses Problem eventuell lösen.

Eine Sepsis ist eine außer Kontrolle geratene Infektion, die zu einer Überreaktion des Immunsystems führt. Meist sind Bakterien die Verursacher, doch auch Viren, Pilze oder Parasiten können zu einer Sepsis führen. Während eine normale Infektion lokal begrenzt ist, weitet sie sich bei einer Sepsis schnell auf den ganzen Körper aus und rufen Entzündungen hervor. Sind erst einmal lebenswichtige Organe wie Lunge, Leber oder Nieren betroffen, kommt häufig jede Hilfe zu spät: Im verzweifelten Versuch, die vielen Brandherde zu bekämpfen, richten sich die körpereigenen Abwehrkräfte schließlich gegen den Menschen selbst. Nach Schätzungen der Deutschen Sepsis-Gesellschaft erkranken in Deutschland jedes Jahr 150.000 Menschen an einer Blutvergiftung, etwa die Hälfte der Patienten stirbt daran. Die Chancen für eine erfolgreiche Behandlung stehen umso besser, je früher die Sepsis erkannt wird. Erste Anzeichen sind: hohes Fieber, Schmerzen, Kreislaufprobleme, niedriger Blutdruck, beschleunigter Herzschlag und Verwirrtheit.

Chong Wing Yung (Kinderkrankenhaus Boston) et al.: Lab on a chip, doi: 10.1039/b816986a ddp/wissenschaft.de ? Mascha Schacht
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