Mit Magnetfeldern zu mehr Bewusstsein - wissenschaft.de
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Mit Magnetfeldern zu mehr Bewusstsein

Eine Behandlung mit Magnetfeldern könnte Komapatienten helfen, einen Teil ihrer geistigen Fähigkeit zurückzuerlangen. Darauf deutet zumindest der Fall eines heute 29-jährigen US-Amerikaners hin, der nach einem Autounfall ins Koma gefallen war. Nachdem er später zwar die Augen öffnen, jedoch nicht auf Reize reagieren konnte, wurde er wiederholt mit der sogenannten transkraniellen Magnetstimulation behandelt. Bei dieser Methode wird das Gehirn über eine vor der Stirn angebrachte elektromagnetische Spule schnell wechselnden Magnetfeldern ausgesetzt, die die Hirnzellen anregen. Durch die Therapie habe der Mann gelernt, auf seine Umwelt zu reagieren und sogar einfache Wörter zu sprechen, berichtet die behandelnde Ärztin Theresa Pape vom Kriegsveteranenministerium der USA in Chicago. Andere Mediziner sind allerdings skeptisch, ob die Besserung tatsächlich auf die Behandlung zurückzuführen ist.

Noch fast ein Jahr nach seinem Unfall habe der Patient kaum eine Verbesserung seines Zustandes gezeigt, berichtet Pape: Er konnte zwar die Augen öffnen, zeigte aber keine Anzeichen dafür, dass er seine Umwelt wahrnahm ? ein Zustand, der persistierender vegetativer Status (PVS) genannt wird. Die Medizinerin beschloss daher, ihn in ein sechswöchiges Studienprogramm aufzunehmen, in dem er mit transkranieller Magnetstimulation behandelt wurde. Diese Therapie gilt auch bei Migräne, Parkinson und Depressionen als vielversprechende, schmerzlose und praktisch nebenwirkungsfreie Alternative, da die Magnetfelder außerhalb des Schädels erzeugt werden.

Bei dem Wachkomapatienten behandelte Pape vordringlich den dorsolateralen präfrontalen Cortex, eine Hirnregion direkt hinter der Stirn, die unter anderem die Aufmerksamkeit mitsteuert. Nachdem sich zuerst keine Veränderung des Zustandes gezeigt habe, begann der Patient etwa nach der 15. Sitzung, Gegenstände mit seinen Augen zu verfolgen, auf Anweisungen zu reagieren und sogar selbst einzelne, einfache Wörter zu sprechen. Eine weitere Folge von Anwendungen nach den ersten 30 Behandlungen erbrachte dann allerdings keine weitere Besserung mehr.

Während es für Pape feststeht, dass die Veränderung vom PVS in den sogenannten minimalen Bewusstseinszustand (Minimal Conscious State, MCS) der Magnetfeldstimulation zu verdanken ist, sind andere Hirnforscher skeptischer. Es sei durchaus nicht ungewöhnlich, dass Patienten auch nach Monaten im PVS von alleine in den minimalen Bewusstseinszustand gelangen, kommentiert etwa John Whyte vom Moss-Rehabilitationsforschungszentrum in Philadelphia. Pape will ihr Verfahren nun an weiteren Wachkomapatienten testen und optimieren. Zudem könnte es mit einer medikamentösen Behandlung und einer Art Hirnschrittmacher kombiniert werden, empfiehlt Whyte ? beide Ansätze hätten in der Vergangenheit ebenfalls vielversprechende Ergebnisse gezeigt.

New Scientist, 18. Oktober, S. 8 ddp/wissenschaft.de ? Ilka Lehnen-Beyel
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