Mit Nasenspray gegen Alzheimer - wissenschaft.de
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Mit Nasenspray gegen Alzheimer

Eine über die Nase verabreichte therapeutische Impfung könnte bald zur Behandlung von Alzheimer eingesetzt werden. Zum Einsatz kommen dabei nebenwirkungsarme Wirkstoffe, die bereits auf ihre Sicherheit überprüft und teils als Medikament zugelassen sind. Die neue Wirkstoffkombination reduziert die für Alzheimer typischen Eiweißablagerungen im Gehirn ähnlich wie frühere Behandlungsstrategien. Diese hatten jedoch gefährliche Nebenwirkungen, die bei der neuen Methode nicht auftreten, erklären amerikanische Forscher.

Alzheimer ist die häufigste Form der senilen Demenz und betrifft weltweit mehr als 18 Millionen Menschen. Zu den ersten Symptomen zählen Vergesslichkeit und Desorientierung, die sich mit der Zeit verstärken und am Ende zum vollständigen Gedächtnisverlust führen. Die Betroffenen weisen typische Proteinablagerungen im Gehirn auf, die so genannten senilen Plaques. Diese bestehen überwiegend aus einem Proteinfragment namens Amyloid-beta, auch als Abeta bezeichnet, und verändern die umgebenden Hirnnervenzellen so, dass diese schließlich absterben. Mediziner vermuten daher, dass Abeta eine Schlüsselrolle in der Alzheimer-Erkrankung spielt.

In früheren Studien wurden Antikörper gegen Abeta verwendet, die zur Auflösung der Plaques führten. Da jedoch als Nebenwirkung Gehirnentzündungen auftraten, wurden die Studien abgebrochen. Weiner und sein Team nutzten nun ebenfalls eine Immuntherapie ? jedoch ohne Antikörper. Sie verabreichten Mäusen eine Kombination zweier Wirkstoffe: Glatimer-Acetat, einen der Hauptwirkstoffe gegen multiple Sklerose, und ein nasales Adjuvans, eine Art Hilfsstoff, der die so genannten Mikroglia-Zellen des zentralen Nervensystems aktiviert. Diese Zellen attackieren und entfernen Proteinverklumpungen im Gehirn.

Die Wirkstoffkombination führte dazu, dass sich die senilen Plaques auflösten und die geistige Leistungsfähigkeit der Mäuse verbessert wurde. Auch das Adjuvans alleine half bereits, wenn auch in geringerem Ausmaß. Da beide Substanzen nachweislich für den Menschen nicht toxisch sind, hoffen die Wissenschaftler, dass sie auch in Kombination eingesetzt werden können. In Mäusen zeigten sich zumindest nach einer Behandlungsdauer von sechs Wochen keine unerwünschten Nebenwirkungen.

Problematisch sei nur, erklären die Forscher, dass die Ablagerungen im Gehirn bei Mäusen und Menschen unterschiedlich aufgebaut sind: Die menschlichen sind weniger löslich als die tierischen. Dennoch sind die Wissenschaftler zuversichtlich, dass ihre Methode eine sichere und effektive Therapie von Alzheimer werden könnte ? gerade im Anfangsstadium der Erkrankung, wenn erste Symptome auftreten.

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Howard Weiner (Harvard Medical School, Boston) et al.: Journal of Clinical Investigation, Online-Vorabveröffentlichung, doi:10.1172/JCI23241

ddp/wissenschaft.de ? Stefanie Offermann
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