Mitmachaktion: Melde die Wanderfalter! - wissenschaft.de
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Mitmachaktion: Melde die Wanderfalter!

Ein Distelfalter holt sich eine Portion Nektar. Bild: Helge May /NABU

Sogar aus Nordafrika flattern sie zu uns und viele fliegen noch weiter: Die Distelfalter ziehen jedes Jahr durch Deutschland und Europa. Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) will nun zur Erforschung der Wanderfalter beitragen und ruft deshalb Naturfreunde dazu auf, Sichtungen zu melden.

Bei der Mitmachaktion handelt es sich gleichsam um eine Erweiterung des NABU-Citizen-Science-Projekts „Insektensommer“. Der erste Teil der jährlichen Insektenzählung fand vom 31. Mai bis zum 9. Juni statt – die zweite Runde wird dann vom 2. bis zum 11. August folgen. Wie der NABU berichtet, haben in diesem Jahr bisher 5000 Insektenfans bei der Aktion mitgemacht und fleißig Insekten in ihrem heimatlichen Umfeld gezählt. Nun liegen erste Ergebnisse vor, die auch die Gruppe der Schmetterlinge betreffen. Es zeichnet sich ab: Unter Strich gab es in diesem Frühsommer deutlich weniger Falter als im Vorjahr. Laut vorläufigem Auszählungsstand gingen die Schmetterlingssichtungen um 40 Prozent zurück.

Ungewöhnlich starker Einflug von Distelfaltern

Im Detail zeichnet sich aber eine interessante Ausnahme ab: Den farbenprächtigen Distelfalter (Vanessa cardui) haben die Insektensommer-Teilnehmer in diesem Jahr dreimal so oft gesehen wie im Vergleichszeitraum 2018. Das bedeutet: Offenbar gibt es in diesem Jahr einen besonders starken Einflug – denn es handelt sich beim Distelfalter um einen Vertreter aus der Gruppe der Wanderfalter: Diese Schmetterlinge ziehen, ähnlich wie Zugvögel.

„Der Distelfalter ist einer der wenigen fast über den ganzen Erdball verbreiteten Schmetterlinge. Unsere mitteleuropäischen Winter mag er allerdings nicht, denn er verträgt keinen Frost. Jedes Frühjahr wandern die Distelfalter deshalb neu aus dem Süden ein – mal sind es mehr, mal weniger“, erklärt NABU-Insektenexpertin Daniela Franzisi. Nach ihrer Ankunft legen die Distelfalter ihre Eier ab – die nächste Generation schlüpft und die Raupen entwickeln sich bei uns bis zum Schmetterling. Im Spätsommer ziehen diese Falter dann wieder nach Süden.

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Zu den Details der Distelfalter-Wanderflüge gibt es allerdings noch Forschungsbedarf. Bekannt ist, dass viele Distelfalter in der afrikanischen Sahelzone südlich der Sahara sowie auf der Arabischen Halbinsel überwintern. Von dort aus fliegen sie dann in den Mittelmeerraum, wo sich eine neue Generation bildet. Diese Tiere brechen dann weiter nach Norden auf und erreichen Mitteleuropa, aber auch Skandinavien und das Baltikum. Manchmal fliegen die Falter allerdings auch direkt in einer Generation von Afrika und dem Nahen Osten bis zu uns. Die tausende Kilometer lange Reise sieht man den Tieren dann oft deutlich an: Die zarten Flügel sind stark zerzaust und wirken ausgeblichen.

Wie der NABU berichtet, konzentrierte sich der Einflug der Distelfalter in diesem Jahr auf eine östliche Route über Israel, Zypern und den Balkan. Deshalb erschienen die Schmetterlinge auch bei uns zunächst im Osten. Viele zogen dann nach Norden und Westen weiter. Inzwischen sind die Falter zwar schon in vielen Regionen Deutschlands angekommen, der Zuzug kann aber noch bis Ende des Monats anhalten.

So kann man eine Sichtung melden

Während des Zuges lassen sich in einer Stunde Dutzende oder sogar über hundert Falter beobachten. Dies gilt es nun zu dokumentieren: Der NABU und sein Partner naturgucker.de wollen die starke Einwanderung in diesem Jahr nutzen, um mehr Informationen über den Distelfalter zu gewinnen. Um herauszufinden, wie umfangreich der Zuflug ist und wo überall die Distelfalter vorbeikommen, können Naturfreunde Sichtungen deshalb nun aktuell melden.

Am einfachsten geht dies über den naturgucker-Link. Der Nutzer kann hier seinen Beobachtungsort in eine Karte eintragen und zusätzliche Informationen über die Sichtung in einem Bemerkungsfeld abgeben. Mindestangaben sind der genaue Ort und die Anzahl der Falter, hilfreich sind aber auch weitere Infos über die Flugrichtung, das Verhalten und eventuell die besuchten Pflanzen. Wer bereits am „Insektensommer“ teilgenommen und sich dafür bei naturgucker.de registriert hat, kann auch sein persönliches Login für eine Meldung verwenden.

Durch die Teilnahme können Zeugen des Naturschauspiels auch zu seiner Erforschung beitragen, resümiert der NABU.

Weitere Informationen zum Projekt finden Sie hier.

Quelle: NABU

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