Moore: Problematische Akteure im Klimasystem - wissenschaft.de
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Umwelt+Natur

Moore: Problematische Akteure im Klimasystem

Moor
Moor in Schottland (Foto: Dominik Zak)

Um Moore ranken sich viele Sagen und Gruselgeschichten – sie passen damit gut zu Halloween. Doch darüber hinaus sind Moore ein einzigartiger Lebensraum und ein wichtiger Akteur im weltweiten Klimasystem. Das Problem: Werden Moore trockengelegt, setzt das Unmengen an Treibhausgasen frei. Werden sie jedoch falsch renaturiert, werden sie ebenfalls zu Methanschleudern – und schaden damit dem Klima. Forscher haben nun untersucht, wie man diesen Effekt umgehen kann.

Moore sind gigantische Speicher für organisches Material und Kohlenstoff: Obwohl Moore nur etwa drei Prozent des globalen Festlandes einnehmen, binden sie 20 bis 30 Prozent der gesamten Kohlenstoffvorräte aller Böden. Das entspricht etwa 40 bis 60 Prozent des gesamten CO2-Gehalts unserer Atmosphäre. Zudem binden Moore in den Torfen die Nährstoffe Phosphor und Stickstoff.

Vom Kohlenstoffspeicher zur Treibhausgas-Schleuder

Doch diese einst so häufigen Lebensräume gibt es heute nur noch selten: Moore wurden trockengelegt, um sie landwirtschaftlich zu nutzen oder um Torf zu gewinnen. Allein im mittel- und westeuropäischen Binnenland sind seit dem 20. Jahrhundert mehr als 90 Prozent aller Feuchtgebiete, darunter auch viele Moore, verschwunden. In Deutschland sind fast alle Moorflächen entwässert, nur noch etwa zwei Prozent der ursprünglichen Moorflächen sind in einem naturnahen Zustand. Und der Trend setzt sich fort: Weltweit geht jährlich immer noch etwa ein Prozent der gesamten Moorflächen verloren.

Werden Moore trockengelegt, sinkt der Wasserspiegel und die sonst sauerstofffreien Böden werden belüftet. „Das führt dazu, dass Nährstoffe und Treibhausgase freigesetzt werden“, erklärt Dominik Zak von der der Universität Aarhus in Dänemark. Um hier gegenzusteuern und auch, um die ökologische wertvollen Feuchtgebiete wieder zu regenerieren, werden vielerorts Moorgebiete wiedervernässt. Doch das ist nicht einfach – aus mehreren Gründen. So sind die Moorböden nach Jahrzehnten der Entwässerung oft stark degradiert, haben Nährstoffe angereichert und an Oberfläche verloren. Tiefgründig entwässerte Moore benötigen deshalb oft mehrere Jahrzehnte, bis sie ihre ursprünglichen landschaftsökologischen Funktionen wieder erfüllen.

Die Tücken der Wiedervernässung

Es gibt aber noch ein gravierendes Problem: Gerade in der Anfangsphase der Wiedervernässung eines Moores werden oft große Mengen des Treibhausgases Methan, außerdem Phosphor sowie gelöste organische Substanz (DOM) aus den oberen Torfschichten freigesetzt. Das Moor trägt damit erneut dazu bei, den Treibhauseffekt anzukurbeln. Die organischen Substanzen und der Phosphor können zudem angrenzende Gewässer belasten.

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Wie sich dies vermeiden lässt, haben nun Zak und seine Kollegen vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) untersucht. Auf der Grundlage umfangreicher Feld- und Laborarbeiten testeten sie, ob möglicherweise die Entfernung der obersten, am stärksten degradierten Torfschicht vor dem Vernässen die negativen Folgen verringern kann. Das Ergebnis: „Nach der Überflutung sind neu gebildete Detritus und Schlammschichten auf dem Torf die Hauptquelle für Phosphor und Methan“, berichten die Forscher. „Aber an Orten mit vorhergegangener Entfernung des Oberbodens sind die Freisetzungsraten signifikant geringer.“

Nach Ansicht der Wissenschaftler kann diese Maßnahme daher zumindest bei einigen Mooren sinnvoll sein: „Die Entfernung des Oberbodens kann dafür geeignet sein, um die zusätzliche Freisetzung von Phosphor und Kohlenstoff nach dem Wiedervernässsen zu verringern“, sagen Zak und sein Team. Allerdings: Trotz einiger Vorteile ist dies jedoch nicht als universelle Maßnahme bei der Moorrestaurierung zu empfehlen. Welche Moore sich dafür eignen, müsse von Fall zu Fall und auf Basis der hydrologischen Situation entschieden werden.

Quelle: Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB), Fachartikel: Journal of Applied Ecology, doi: 10.1111/1365-2664.12931

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