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Morgens wärmt uns das braune Fettgewebe

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PET-Untersuchung eines Brustkorbs zeigt aktives braues Fett (rot) Credit: Wikipedia, gemeinfrei
Es ist bereits als das „Heizungs-Fett“ bekannt – nun haben Forscher Hinweise gefunden, dass das sogenannte braune Fettgewebe uns speziell in der Morgendämmerung aufwärmt: Kurz vor dem Erwachen setzt es am meisten des Zucker-Brennstoffs Glukose um. Möglicherweise hat sich dieser Effekt bei unseren Vorfahren entwickelt, um sie auf die Aktivität in der Morgenfrische vorzubereiten. Nun könnte der tageszeitliche Effekt auf den Blutzuckerspiegel für die Stoffwechselforschung von Bedeutung sein.

Fett ist nicht gleich Fett: Das berüchtigte „Hüftgold“ besteht aus weißen Fettzellen, die überschüssige Energie in Form von Fett speichern. Genau umgekehrt wirken dagegen die sogenannten braunen Fettzellen: Die Forschung der letzten Jahre hat gezeigt, dass sie  wie Heizaggregate Energie in Wärme umsetzt, um uns vor Unterkühlung zu schützen. Ein Effekt mit großer Bedeutung für den Stoffwechsel: Das braune Fett verbrennt Kalorien und senkt dabei den Blutzuckerspiegel, was mit einer Wirkung gegen Fettleibigkeit und Diabetes einhergeht. Bisher war aber nicht klar, ob das braune Fettgewebe den  Glukosespiegel auch in Abwesenheit von Kälte reguliert. Dieser Frage sind Forscher um  Paul Lee vom Garvan Institute of Medical Research in Sydney nun nachgegangen.

„Morgens wird eine Kohle zugelegt“

Sie führten dazu Untersuchungen von menschlichem braunen Fettgewebe durch, das von chirurgischen Eingriffen stammt. Bei ihren Analysen zeichnete sich ab: Der Glukoseverbrauch der braunen Fettzellen unterliegt Tageszeit abhängigen Schwankungen: Die für die Glukose-Aufnahme zuständigen Gene in den Fettzellen zeigten besonders starke Aktivität im Rahmen der Morgendämmerung. Somit konnten Lee  und seinen Kollegen belegen, dass das spezielle Fettgewebe auch unabhängig von der Temperatur spezielle Stoffwechselaktivitäten aufweist.

Die Forscher stellten zudem bei einer Stichprobe von 15 gesunden Probanden fest, dass Personen mit vergleichsweise viel braunem Fett weniger Schwankungen in ihrem  Blutzuckerspiegel über einen Zeitraum von 12 Stunden aufweisen als Menschen, die wenig braunes Fett besitzen. „Ausgeprägte Schwankungen des Blutzuckerspiegels gelten als ein Warnzeichen für Diabetes“, sagt Lee. Vor dem Hintergrund der aktuellen Ergebnisse könnte das bedeuteten: „Für den modernen Menschen, der nicht auf Kälteschutz angewiesen ist, könnte der Rhythmus des energieverbrauchenden braunen Fettgewebes wie ein Glukose-Puffer wirken, der Blutzuckerschwankungen glättet, wodurch der Stress für die Bauchspeicheldrüse verringert wird“. Auch wenn sich dann bereist eine Diabetes entwickelt hat, sind Schwankungen des Blutzuckerspiegels typisch und kritisch: Sie können Folgeschäden wie Sehbehinderungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Nierenerkrankungen oder neurologische Probleme verursachen.

Möglicher Ansatz für die Medikamenten-Entwicklung

Die Forscher wollen nun untersuchen, ob der Rhythmus des braunen Fettgewebes auch bei Patienten mit Diabetes oder anderen Stoffwechselstörungen normal funktioniert. Außerdem wollen sie Details dazu aufdecken, inwieweit das System mit dem restlichen Stoffwechsel des Körpers gekoppelt ist. „Informationen über die Regulierung des Rhytmuses des braunen Fetts könnten neue Wege bei der Entwicklung von Medikamenten aufzeigen“, sagt Lee. Doch bis entsprechende Wirkstoffe auf den Markt kommen, kann es noch lange dauern, betonen die Wissenschaftler: „Obwohl interessant und vielversprechend, bietet das braune Fett zumindest bis jetzt noch keine Lösungen für das Diabetes-Problem“, sagt Lee. „Eine ausgewogene Ernährung und regelmäßige Bewegung sind und bleiben vorerst die Eckpfeiler eines gesunden Stoffwechsels und sollte nicht vernachlässigt werden“, so der Wissenschaftler.

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Originalarbeit der Forscher:

© wissenschaft.de – Martin Vieweg
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