Müll im Meer: Tödliche Luftballons - wissenschaft.de
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Müll im Meer: Tödliche Luftballons

Diesem Sturmvogel wurden verschluckte Luftballonfragmente zum Verhängnis. (Bild: Lauren Roman)

Wir verbinden Luftballons mit unbeschwertem Spaß – doch für Seevögel stellen deren Überreste im Meer eine tödliche Gefahr dar: Das Verschlucken der weichen Kunststofffragmente ist für sie besonders problematisch, berichten Forscher. Ihren Studienergebnissen zufolge nehmen Seevögel zwar am häufigsten Hartplastikteile auf, weiche Kunststoffe wie Teile von Luftballons führen aber überproportional häufig zu ihrem Tod, da sie sich offenbar besonders hartnäckig im Darm der Tiere festsetzen.

Hässliche Abfälle aller Art – bei einem Blick auf das Strandgut kann man mittlerweile überall auf der Welt die Signatur der menschlichen Zivilisation bewundern. Der Müll ist bereits in die entlegensten Winkel unseres Planeten vorgedrungen, zeigen Studien. Und es wird immer schlimmer: Jedes Jahr landen weitere Millionen Tonnen von Müll in den Meeren und bedrohen die Ökosysteme. Die schwer abbaubaren Kunststoffe gelten dabei als besonders problematisch. Es ist bereits bekannt, dass es vor allem für Seevogel gefährlich ist, wenn sie die bunten Gebilde für Nahrung halten und verschlucken.

Wenn Seevögel Müll mit Nahrung verwechseln

„Der Zusammenhang zwischen der Menge beziehungsweise der Art der aufgenommenen Kunststoffteile und der Sterblichkeit ist jedoch bislang unklar“, sagt Lauren Roman von der University of Tasmania in Hobart. Diesem Thema haben sie und ihre Kollegen deshalb nun eine Untersuchung gewidmet. Im Rahmen ihrer statistischen Studie haben sie Untersuchungsdaten zu den Todesursachen von 1733 Seevögeln ausgewertet, die 51 Arten umfassen.

Wie die Forscher berichten, zeichnete sich in ihren Ergebnissen zunächst klar ab: Je mehr Plastik Vögel aufnehmen, desto höher ist ihre Wahrscheinlichkeit, an einer Blockade des Magendarmtrakts und anschließenden Infektionen zu verenden. Doch im Detail betrachtet war dabei eine Sorte von verschlucktem Müll besonders auffällig: „Fragmente von Luftballons verursachten beim Vergleich der verschiedenen Sorten die höchste Sterblichkeit“, sagt Roman. Demnach verendet fast jeder fünfte Seevogel, wenn er Stücke dieses weichen Kunststoffs verschluckt hat. Obwohl sie nur 5 Prozent der aufgenommenen Gegenstände ausmachten, waren diese Bestandteile des Meeresmülls für mehr als 40 Prozent der Todesfälle verantwortlich, ergaben die Auswertungen. Anders ausgedrückt, stellen sie eine 32 Mal höhere Gefahr dar als harte Plastikstücke.

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Problematische Konsistenz

Den Forschern zufolge scheint die Ursache für die besonders problematische Wirkung die Konsistenz der Luftballonfragmente zu sein, wie bereits Untersuchungen bei anderen Tieren nahelegen: „Während harte Plastikstücke vergleichsweise leicht durch den Darm wandern, neigen die weichen Kunststoffe eher dazu, sich zu verdichten und dadurch tödlichen Blockaden zu bilden“, erklärt Roman. Offenbar neigen besonders Seevogelarten zum Verschlucken von Luftballonfragmente, die sich von Tintenfischen ernähren, legen die Ergebnisse nahe. Vermutlich verwechseln sie die bunten Fetzen im Wasser mit diesen Beutetieren, sagen die Forscher.

Abschließend betont Roman allerdings, dass die Gefahr durch Luftballon-Teile nun auch nicht zu sehr in den Vordergrund rücken sollte, denn alle Sorten Müll stellen eine tödliche Bedrohung für Seevögel dar. „Während harte Kunststoffe etwas weniger tödlich wirken als weiche, waren sie immer noch für mehr als die Hälfte der in unserer Studie erfassten Todesfälle bei Seevögeln verantwortlich. Die Botschaft ist somit klar: Wenn wir das Seevogelsterben eindämmen wollen, müssen wir die Belastung durch Meeresabfälle in ihrem Lebensraum verhindern oder den Müll entfernen“, so die Forscherin.

Quelle: University of Tasmania, Scientific Reports, doi: 10.1038/s41598-018-36585-9

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